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Kommentar

Leserbriefe zur AfD
„Bei dieser Regierung ist klar, dass der Wähler eine Alternative sucht“

3 min
«Der Osten steht auf»: Ein Wahlplakat der AfD.

"Der Osten steht auf": Ein Wahlplakat der AfD.

Die Alternative für Deutschland (AfD) feiert vor allem im Osten Deutschlands Wahlerfolge und erlebt auch in Umfragen ein Hoch. Diese Leser teilen ihre Meinungen zu den Gründen für diese Entwicklung.

Mich wundert eher, dass Sie es wundert. Bei dieser schlechtesten Bundesregierung seit der Gründung der Bundesrepublik ist es doch klar, dass sich der Wähler eine Alternative sucht. Wer lässt sich denn gerne von seiner Regierung erziehen? Wer lässt sich gerne als Wähler von seinem Wirtschaftsminister für dumm verkaufen hinsichtlich seiner Filz-Politik? Wer duldet als Wähler eine überforderte Außenministerin und einen Kanzler, der an Unsichtbarkeit nicht zu überbieten ist? Hoffentlich wird diese Regierung in zwei Jahren abgewählt und bekommt bei den nächsten Landtagswahlen die Quittung.

Claus Adam, Köln


Ja, unsere Demokratie ist nicht perfekt, die Parteien und Politiker nicht fehlerfrei. Aber wir leben in so großer Freiheit, Sicherheit und Wohlstand, dass einige wohl vergessen haben, wie wertvoll diese Demokratie ist. Wir sind für unsere Handlungen verantwortlich, auch für das Kreuzchen, das wir auf dem Wahlzettel machen. Die Ausrede: „Das konnten wir doch nicht wissen!“ befreit niemanden von seiner persönlichen Verantwortung.

Birgit Behrendt, Waldbröl


Raimund Neuß, der mir als Leser seit langem als scharfsichtiger, manchmal auch scharfzüngiger Kommentator bekannt ist, kratzt in seinem Kommentar „Denn sie wissen, was sie tun“ seltsam – vermutlich provokant(?) – an der Oberfläche. Allerdings steht er damit in der üppigen medialen und politischen Phalanx derer, die die tieferliegenden Ursachen des rasanten Aufstiegs der AfD verschleiern und kleinreden wollen.

Die Erosion von Demokratie sollte man nicht einfach den Bürgern in die Schuhe schieben, sie ist hausgemacht. Wenn man sich den Zustand dieses Landes anschaut, kann einem angst und bange werden. Die Hinterlassenschaften der GroKo-Regierungszeit unter der jetzt vielfach mit Orden verzierten Frau Merkel stellen das Land vor fast unüberwindliche Herausforderungen.

Verrotte Infrastruktur, verrottetes Bildungssystem (Ländersache), immer stärkere Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich, steigende Altersarmut, versemmelte Integration, ungebremmste Einwanderung und so weiter. Dazu kommt ein wachsendes und in meinen Augen berechtigtes Misstrauen den Medien, besonders den sogenannten staatstragenden Medien wie ARD und ZDF gegenüber, allzu deutlich tritt deren massive Beeinflussung durch die Politik besonders seit der Coronakrise zutage. Der Ampelkoalition scheint es leider auch nicht zu gelingen, diese Probleme nur annähernd in den Griff zu kriegen. Im Gegenteil, als Bürger ist man manchmal nahezu entsetzt darüber, was sich in Berlin abspielt. Vieles ist inzwischen weitab von der täglichen Wirklichkeit der Menschen. Der Verfall unserer früher wie selbstverständlich geglaubten sportlichen Institutionen, wie der Fußball-Nationalmannschaft, wirkt wie ein greifbares Symbol für den kranken Zustand dieses Landes. Da haben Populisten eben leichtes Spiel. Politikverdrossenheit war schon lange ein Thema in Deutschland, wirklich ernst genommen wurde sie nie. Weiterwurschteln wie bisher war angesagt. Jetzt schlägt die Stimmung um.

Hans- Peter Fischer, Gummersbach