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Wort zum SonntagDie vergessene Kunst des Zuhörens mit dem Herzen

2 min
Die Fledermaus Braunes Langohr

Große Lauscher: Die Fledermaus Braunes Langohr

König Salomos Bitte um ein „hörendes Herz" wird zum Leitgedanken für die Fastenzeit: Weniger Härte durch mehr Empathie und bewusstes Lauschen auf andere.

Hören ist lebenswichtig. Im Mutterleib ist das Gehör als erster Sinn bereits ab dem 4. Monat voll funktionsfähig und beim Sterbeprozess ist das Hören einer der letzten Sinne, die aktiv bleiben. Hören dient der Orientierung, der Kommunikation und der Sicherheit und funktioniert daher sogar beim Schlafen. Wie höre ich? Mit den Ohren. Ich kann aber auch mit dem Herzen hören.

Die Bibel erzählt, wie der König Salomo Gott bittet: „Gib mir ein hörendes Herz, damit ich gut regieren und das Gute vom Bösen unterscheiden kann“ (1. Könige 3). Wie weise, gerade für Menschen mit besonderer Verantwortung. Das Bibelwort ist ein Leitwort jetzt in der Passions- und Fastenzeit, die dieses Jahr unter dem Motto steht „Mit Gefühl – 7 Wochen ohne Härte“. Ohne Härte: Hören mit dem Herzen macht mich weicher, weil ich aufmerksamer bin und mich auf den anderen einlasse. Denn mit dem Herzen hören heißt vor allem erst einmal Zuhören. So wachsen Mitgefühl und Empathie.

In unserer Welt lernen wir gerade auch von einigen Mächtigen genau das Gegenteil: Höre vor allem auf dich selbst. Was will ich? Was brauche ich, damit ich nicht zu kurz komme? – Aber wer allein auf sich selbst hört, der führt am Ende nur noch Selbstgespräche und wird auf Dauer sehr einsam. Die Fastenzeit ist die Einladung: Öfter und bewusster Ohren auf und Mund halten. Das mag manchmal schwerer sein als auf Süßigkeiten oder Alkohol zu verzichten. Gerade, wenn ich überzeugt bin von meiner Position. Aber Hören heißt ja nicht automatisch Ja sagen. Sondern lauschen, sich Neues sagen lassen und spüren, dass vielleicht sogar Gott mir etwas durch den anderen mitteilen will. „7 Wochen ohne Härte.“ Noch sind vier Wochen Zeit, es zu probieren: Mehr Hören mit dem Herzen.