Religion bedeutet nicht nachzubeten, sondern Glauben, Hoffnung und Nächstenliebe zu entdecken. Wie bei Sport oder Musik profitieren Kinder von frühen Erfahrungen – auch wenn sie später andere Wege gehen.
Wort zum SonntagReligion ist wie Musik und Sport ein Resonanzraum

Zwei Jungen spielen im Unterricht einer Musikschule Trompete.
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Soll ich mein Kind religiös erziehen?“ – „Lass sie nachher selbst entscheiden“, sagen immer mehr Eltern heute. Aber gilt das auch ein Musikinstrument? Für Sport? Die ersten 20 Lebensjahre sind die prägenden Lebensjahre, auch etwas auszuprobieren. Ich bin über Handball zum Fußball gekommen, meine Leidenschaft bis heute. Und ich bin mit 13 zum Konfirmationsunterricht angemeldet worden. Hätte ich das selbst entschieden? Eher nicht.
Und es hat sich gelohnt. Denn ich durfte erfahren: Religion bedeutet nicht nachzubeten, was die Kirchen lehren, sondern eine Spur im eigenen Leben zu entdecken von Glauben, Hoffen und Nächstenliebe. Und wer nachher sagt, das ist nichts für mich, das ist sein gutes Recht, denn er weiß, warum er das tut. Religion ist wie Musik und Sport ein Resonanzraum. Das heißt: Ich tue etwas und erfahre etwas. Religion ist im Besonderen der Resonanzraum für die Seele, für Spiritualität. Ich freue mich über alle Eltern, Großeltern übrigens auch, die ihren Kindern und Enkeln diesen Raum öffnen. Und wir Kirchen sind gut beraten, viele solcher Räume anzubieten: mit dem Religionsunterricht, im Kindergottesdienst, mit Jugendangeboten. Das gilt gerade in einer Gesellschaft, in der Religion nicht mehr selbstverständlich Teil des öffentlichen Lebens und des Alltags in der Familie ist. Soll ich mein Kind religiös erziehen?
Ja, bitte. Denn mein Kind kann nur gewinnen. An Erfahrung, Selbsterfahrung und Wertschätzung. Und der Ahnung, dass man selbst Teil eines größeren Ganzen ist. So ist Religion auch ein Schutz gegen Einsamkeit und der Gefahr, sich nur um sich selbst zu drehen. Auch Musik und Sport stiften Gemeinschaft, ein Segen, Religion kann darüber hinaus Himmel und Erde verbinden.

