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Kritik von DatenschützerWhatsapp macht Rückzieher – was Nutzer jetzt wissen sollten

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Symbolbild

Hamburg – Ab 15. Mai gelten beim Chat-Dienst Whatsapp neue Nutzungsbedingungen und Datenschutzbestimmungen. Das ist zwar seit Monaten bekannt, doch bei vielen Nutzenden herrscht weiterhin Verunsicherung über die Absichten und Folgen. Nach Kritik von Datenschützern hat das zum Online-Giganten Facebook gehörende Unternehmen jetzt kurz vor dem Termin seinen Kurs geändert.

Worum geht es bei dem Streit im Kern?

Das Unternehmen sagte bislang klar und deutlich: Wer Whatsapp weiter nutzen will, muss der neuen Richtlinie zustimmen. Johannes Caspar, Landesdatenschutzbeauftragter in Hamburg, kritisierte diesen Zustimmungszwang und die fehlenden Widerspruchsmöglichkeit: „Mit dieser Ankündigung steht die Freiwilligkeit der Einwilligung in Frage“, sagte er unserer Redaktion.

Was sollte passieren, wenn man nicht zustimmt?

Bisher hieß es: Ohne Zustimmung wird Whatsapp nahezu unbrauchbar. Nachrichten lesen, schreiben und Anrufe tätigen sollte demzufolge gar nicht mehr gehen. Anrufe und Benachrichtigungen über neue Nachrichten zu empfangen hätte zumindest für einige Wochen noch funktioniert. Das Konto und die Chats sollten bestehen bleiben, aber nach 120 Tagen Inaktivität gelöscht werden.

Was Whatsapp-Nutzer tun können

Der Wechsel zu einem alternativen Messenger-Dienst ist eine Möglichkeit. Apps wie Signal oder Threema haben zuletzt deutlichen Zulauf erfahren. Sie bieten vergleichbare Funktionen, legen aber hohen Wert auf Datenschutz und Privatsphäre. Wer sein Whatsapp-Konto löschen möchte, sollte vorher ein Backup erstellen und die eigenen Kontakte und Chats sichern. Der Vorgang kann nicht rückgängig gemacht werden. Whatsapp-Nutzenden steht es laut Datenschützer Caspar zudem frei, bei Verstößen gegen die Datenschutzgrundverordnung Schadenersatz einzufordern – etwa für den Verlust von Daten bei einem Ausschluss aus dem Netzwerk. (mao)

Worin besteht jetzt der Rückzieher?

Kurz vor dem Ende der Frist verkündete Whatsapp, man werde „am 15. Mai weder Konten löschen, noch wird jemand die Funktionalität von Whatsapp verlieren.“ Sprich: Nutzer können die App auch danach ohne Zustimmung in vollem Umfang nutzen. Stattdessen werden die Kunden in den kommenden Wochen „weitere Erinnerungen“ erhalten, so Whatsapp. Diese können sie aber einfach wegklicken. Wie lange dieser Kulanzzeitraum dauert, ist nicht bekannt.

Was steckt hinter dem Kurswechsel?

Die kurzfristige Entscheidung dürfte mit den Aktivitäten Caspars zu tun haben. Der Datenschützer kann „unter außergewöhnlichen Umständen“ ein befristetes Verfahren gegen Facebook an dessen europäischem Sitz in Irland eröffnen, um die Rechte und Freiheiten deutscher Nutzer zu schützen – und hat das getan. Per Anordnung will er sicherstellten, dass auch nach der Änderung keine Daten des Chat-Dienstes von der Konzernmutter Facebook genutzt werden. Caspar kann die Anordnung zwar nur für drei Monate erlassen. Er will aber in dieser Zeit eine Entscheidung auf europäischer Ebene herbeiführen. Gut möglich, dass Whatsapp diesen Zeitraum abwarten will.

Was ändert sich in den AGB denn nun genau?

Grob gesprochen: Whatsapp will das Chat-Programm zunehmend für die Kommunikation zwischen Nutzenden und Unternehmen einsetzen – etwa für Kundenchats oder Bestellvorgänge. Laut Caspar wird auch der Datenaustausch mit Facebook erweitert: „Vieles bleibt in den Einzelheiten vage und widersprüchlich. Die aktuell geplanten Änderungen lassen jedenfalls erwarten, dass der Datenaustausch auch zu Werbezwecken erfolgt.

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Das geht dann noch einmal deutlich über den bisherigen Austausch von Telefonnummern oder Gerätekennungen hinaus.“ Laut dem Hamburger Datenschützer könnten Unternehmen ausdrücklich Informationen über Whatsapp-Kontakte nutzen, um die entsprechenden Nutzenden über Facebook zu erreichen. Außerdem könne Facebook die Daten zu eigenen Zwecken personalisieren.

Was sagt Whatsapp zu der Kritik?

Eigentlich sollte die neue Richtline bereits am 8. Februar in Kraft treten. Nach heftiger Kritik und zahlreichen Nutzerwechseln zu Whatsapp-Alternativen hatte die Facebook-Tochter die Einführung bereits auf den 15. Mai verschoben, nun wurde auch dieser Termin aufgeweicht. Das Unternehmen betont seinen Kunden gegenüber seit Monaten, dass die neue Richtline „absolut keine Auswirkungen auf deine Privatsphäre hinsichtlich deiner Nachrichten an deine Freunde oder Familie“ habe. Dass Whatsapp sich bei dieser Aussage auf Freunde und Familie beschränke, hält Caspar für „aufschlussreich“, da es zeige, dass der Datenaustausch zwischen Whatspp und Facebook „nicht in Abrede gestellt“ werde.