Möglicherweise war es der Regen, der den Organisatoren einen Strich durch die Rechnung machte. Der Appell war dennoch deutlich: Die AfD müsse verboten werden.
Weniger Teilnehmer als erwartetRund 300 demonstrieren in Erftstadt für AfD-Verbot

Zahlreiche Menschen demonstrierten in Erftstadt für ein Verbot der AfD.
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„Besser hätte ich es auch nicht auf den Punkt bringen können“, sagte ein 68-jähriger FC-Fan am Sonntag und zitierte den neuen Trainer der Fußballnationalmannschaft, Jürgen Klopp: „Wir sollten unseren Nationalstolz nicht den falschen überlassen.“ Klopp habe ihm damit aus der Seele gesprochen.
Aus Sorge vor möglichen Anfeindungen von rechts wollte er zwar seinen Namen nicht sagen. Gleichwohl zeigte auch er am Sonntagnachmittag Flagge – zusammen mit weiteren rund 300 Demonstranten, so die Polizei, die sich auf dem Marktplatz in Erftstadt-Lechenich zur Kundgebung versammelt hatten, um laut und gemeinsam ein Verbot der AfD zu fordern. Die Veranstalter hatten auf deutlich mehr Zuspruch gehofft, hatten sie doch 1000 Teilnehmende bei der Polizei angemeldet. Möglicherweise hatten sich etliche vom schlechten Wetter abhalten lassen.
Bündnis von 15 Organisationen stand hinter der Kundgebung
Auch der Erftstädter Kunstschaffende Philipp Wasmund bemühte „Kloppo“: „Er hat ja auch gesagt: Lass uns die Fahne zurückholen.“ Er sage deswegen: „Lass uns unsere Demokratie zurückholen.“ Das aber gehe nur, wenn jeder mit anpackt.
Zu der Kundgebung aufgerufen hatten Tina Conrady und Thommy Mewes. Doch nicht als Grüne-Politiker traten sie auf die Bühne: „Heute gehört der Platz hier keiner Partei“, betonte Conrady sogar. Zusammen mit Mewes moderierte sie die Veranstaltung, der sich ein Bündnis von 15 Organisationen, Vereinen und Institutionen aus dem Rhein-Erft-Kreis angeschlossen hatte. So ganz stimmte ihre Aussage nicht. Auf dem Platz waren Fahnen und Banner der Grünen, der Piraten, der Linken und von Volt zu sehen.

Zahlreiche Teilnehmende wie diese Frau zeigten ihre Haltung auf Plakaten.
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Und viele Menschen – Familien mit Kindern, ältere Frauen und Männer, aber auch viele junge Leute aus der gesamten Region waren dem Aufruf gefolgt und zeigten Flagge – für die Demokratie, für das Grundgesetz, für die Vielfalt und für das bunte Miteinander. Viele Demonstranten hatten sich auch Plakate selber kreiert: „No braun – Erftstadt Town“, war zum Beispiel zu lesen. Und: „Nazis auf den Mond – wo keiner wohnt.“
Margret von Medem wies auf ihrem Plakat auch darauf hin: „Auch die Kartoffel hat Migrationshintergrund.“ Der aktuelle Rechtsruck mache ihr Angst. Dem pflichteten auch zwei 18-Jährige bei. „Ich habe Angst um unsere Demokratie und davor, dass Menschen ausgeschlossen werden, die hier sein dürfen“, sagte eine von ihnen. Ihre Freundin ergänzte: „Mir macht zudem Angst, dass eine gesichert rechtsextreme Partei in politische Verantwortung kommt.“
Die AfD einfach machen zu lassen, hält Marc Helmhold für Verrat an der Demokratie
Mit Freunden war Stefan Weber zur Kundgebung gekommen, um für Demokratie und Menschenrechte einzustehen. Eine Alternative zu dem, wie es jetzt noch in Deutschland ist, möchte er sich gar nicht vorstellen. Umso wichtiger sei es, dass sich die politischen Gruppen der Mitte gerade im ländlichen Raum zusammentun, um gemeinsam Haltung und Stärke zu zeigen – kreisweit gegen die AfD, findet Susanne Bourier von „Gemeinsam für Brühl“.
Nichtstun und die AfD machen lassen, hält Marc Helmhold von „Erftstadt für Demokratie“ sogar für einen Verrat an die Verfasser des Grundgesetzes. Damit nie wieder eine solche Schreckensherrschaft die Macht an sich reißen kann, hätten diese schließlich 1948/49 das Grundgesetz verfasst. Monika Bollin von „Omas gegen Rechts“ ergänzte: Aus gutem Grund und leidvoller eigener Erfahrung hätten die Mütter und Väter des Grundgesetzes schließlich den Schutzmechanismus des Prüfverfahrens eingebaut. Und dann forderte sie die Verantwortlichen auf: „Leitet das Prüfverfahren ein.“

Susanne Bourier aus Brühl findet es wichtig, dass sich die politischen Parteien der Mitte gerade im ländlichen Raum zusammentun, um gemeinsam Haltung und Stärke zu zeigen – kreisweit gegen die AfD.
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Zahlreiche Redner hatten sich angesagt, unter anderem der CDU-Kritiker und AfD-Verbotsforderer Dieter Breymann (CDU) aus Mönchengladbach, der Fernsehjournalist und Schriftsteller Dr. Ulrich Harbecke, Marc Helmhold (Erftstadt für Demokratie) und DGB-Funktionär Ingo Degenhardt.
