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150 Jahre SchreberbewegungGrünes Glück im Kleinformat

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Klein, aber mein: Vor allem in deutschen Großstädten entdecken immer mehr junge Menschen die Schrebergartenidylle - allerdings wird die Kleingartenarbeit mitunter unterschätzt. (Foto: Fotolia)

Auf den ersten Blick sieht die Kleingartenanlage nahe dem Leipziger Zentrum aus wie jede andere: In akkurat abgesteckten Grundstücken blühen die Erdbeeren vor kleinen Lauben. Doch im Zentrum der Anlage liegt ein altmodisch anmutender Spielplatz mit hohen Schaukelgerüsten und Kletterstangen an einer großen Wiese. Mit diesem Spielplatz begann vor 150 Jahren eine Bewegung, die heute oft als Synonym für den Kleingarten dient: die Schreberbewegung.

An diesem Wochenende feiert der erste Schreberverein dieses Jubiläum mit einem großen Familienfest in seiner 160 Parzellen zählenden Anlage, die auch das Deutsche Kleingärtnermuseum beherbergt.

Beim Begriff "Schrebergarten" denken viele an Wochenenden im Grünen, mancher auch an sorgfältig getrimmten Rasen und Spießigkeit. Doch der Namensgeber, der Leipziger Arzt Moritz Schreber (1808-1861), hat die Kleingärten gar nicht erfunden. Sie gehen ursprünglich auf Armengärten zurück, kleine Grundstücke zur Selbstversorgung der Armen, die es bereits seit 1814 gab.

Tummelplätze für Kinder

Genau genommen hatte Schreber mit Gärtnern überhaupt nichts am Hut, wie die Leiterin des Deutschen Kleingärtnermuseums, Caterina Hildebrand, erklärt. Vielmehr habe er kritisch die orthopädischen Probleme der von ihm behandelten Kinder beobachtet und von "Tummelplätzen" geträumt, auf denen sie sich austoben und bewegen konnten. Erst nach seinem Tod, im Mai 1864, setzten einige Leipziger die Idee um und benannten ihren Verein nach ihm. Einige Jahre später legten sie erste Kinder- und Familienbeete an.

Eine Idee, die just zum 150. Jubiläum hip ist. "Gerade in den Großstädten suchen wieder mehr junge Familien einen Kleingarten", berichtet Peter Paschke. Er führt als Präsident sowohl den sächsischen Landes- als auch den Bundesverband der Kleingärtner. Bewegung in der Natur sei vielen Eltern wichtig. In Dresden gebe es lange Wartelisten, in Leipzig seien nur noch wenige Parzellen frei.

"In Berlin gibt es inzwischen sogar 12 000 Bewerber für eine Parzelle, aber nur 3000 Pächterwechsel pro Jahr", so Paschke. Den Leerstand in ländlichen Gebieten mit hohem Wegzug wiege das aber nicht auf. Die Zahl der Mitglieder im Bundesverband sei in den vergangenen Jahren von einer Million auf 970 000 gesunken. Schrebers Idee von Spiel- und Tummelplätzen für die Kleinen soll die Parzellen nun wieder füllen.

"Wir fördern seit einigen Jahren Patengärten für Kitas und Schulen sowie grüne Klassenzimmer in ganz Sachsen", erzählt Paschke. In Torgau pflegten und ernteten so Hunderte Schüler wöchentlich Obst und Gemüse. Zudem werden in vielen Anlagen Spielplätze gebaut, um Familien anzulocken.

Trends statt Spießer

Das Image der Schrebergärten verändert sich also. Das sieht man auch: Wo früher Salatköpfe und Gartenzwerge in Reih und Glied standen, sind jetzt mitunter neueste Gartentrends zu bewundern. Spießig war gestern. Allerdings: Es gibt immer noch Regeln im Kleingartenparadies. "Zumindest ein Drittel der Fläche müssen als Nutzgarten angelegt sein", nennt Michael Franssen, Geschäftsführer des Kreisverbandes der Kölner Kleingärtner, die wichtigste. Blumen statt Blumenkohl - so geht das nicht. Vereine, die die Parzellengemeinschaften betreuen, sorgen dafür, dass keiner zu sehr ausschert aus dem Grundgedankengut.

Das wiederum treibt zeitgeistige Blüten: In Köln etwa bieten Bauern Saisongärten an - reine Nutzgärten für Selbstversorger. "Immer mehr Menschen", sagt Franssen, "wollen wissen, wo das, was sie essen, herkommt. Und da ist es am besten, sie bauen das Gemüse gleich selbst an."

Sogar mobile Gärten gibt es in Köln: Auf dem Gelände der ehemaligen Küppers-Brauerei kann man Gärten auf Paletten mieten. Gut für jene, die sich nicht auf lange Zeit festlegen wollen. Gerade junge Familien, beobachtet Franssen, "unterschätzen oft, wieviel Arbeit ein Schrebergarten macht". Da ist dann unter Umständen nach zwei, drei Jahren die Gartenlust vorbei. Die ältere Generation ist da treuer: "Viele haben den Schrebergarten seit 40 Jahren", sagt Fransen. Also ein echtes Gärtnerleben lang.