Köln – Steil führt der Pfad durch den Wald bergauf. Schritt für Schritt stapft der Wanderer hinauf - bis zu einem Bildstock am Waldrand. Dort hält er inne, betrachtet das Relief auf dem leicht verwitterten Sandstein. Der gefesselte Jesus in der Bildmitte ist noch gut zu erkennen, links und rechts von ihm: Soldaten, die den Gefangenen schlagen. Der Blick des Wanderers schweift über die Wiesen ins Tal, dann bekreuzigt er sich und geht weiter. Zur nächsten Kreuzwegstation.
Sieben dieser sogenannten Fußfälle, auf denen Szenen aus der Leidensgeschichte Jesu dargestellt sind, stehen am Weg zwischen Overath im Aggertal und dem Wallfahrtsort Marialinden auf dem angrenzenden Höhenzug. Seit Jahrhunderten gehen Menschen insbesondere in der Woche vor Ostern diesen Weg.
Zusammen mit einem aussichtsreichen Rückweg bietet der alte Pilgerweg allerdings auch nicht religiös motivierten Wanderern eine interessante Frühlingstour. Zumal seit dem vergangenen Jahr reich bebilderte Infotafeln des Projektes "Bergisches Wanderland" nicht nur den Inhalt der Kreuzweg-Stationen erläutern, sondern auch in den Alltag der Menschen entführen, die den Kreuzweg einst errichteten. Fast 300 Jahre ist das her. Vermutlich rief eine große Sterbewelle nach einer Epidemie im Jahr 1740 angesehene Overather Bürger auf den Plan, die für das Seelenheil der Verstorbenen wie der (Über-)Lebenden tätig werden wollten. In einer Gemeinschaftsaktion stifteten sie die sieben Kreuzwegstationen, entlang derer man von nun an betend aus dem Aggertal nach Marialinden pilgern konnte.
Vom Bahnhofplatz vor dem historischen Overather Bahnhofgebäude gehen wir zur Hauptstraße und folgen dieser nach rechts. Mit der Markierung des "Overather Pilgerwegs" (weiße "12" auf rotem Grund) geht es nach ca. 250m rechts in die Dr.-Ringens-Straße, über den Bahnübergang, dann links auf einem Fußweg mit Brücke über die Agger.
Auf der anderen Seite der Wohnstraße folgen, an T-Kreuzung links und an der nächsten T-Kreuzung rechts bis zur Landstraße. Diese überqueren wir an der Querungshilfe und folgen dem Gehweg auf der anderen Seite nach rechts. Die Straße "An der Ringmauer" und die "Marialindener Straße" lassen wir links liegen und biegen nach weiteren ca. 180m links in eine Stichstraße ein. An deren Ende steht der erste der sieben Fußfälle (Kreuzwegstationen).
Auf einem Pfad geht's steil bergauf, wir kreuzen Querwege und wandern weiter bergauf, vorbei an der zweiten Station des Kreuzwegs, bis wir an eine Wiese gelangen, an deren Rand entlang wir zur dritten Station kommen. Hier halten wir uns schräg rechts, schwenken vor der vierten Station nach links und erreichen eine Siedlung, in der wir der Querstraße nach links folgen. An der Einmündung auf eine weitere Straße mit der fünften Kreuzwegstation folgen wir der Straße nach rechts bergauf, passieren die sechste Station zur Rechten und die siebte Station zur Linken, bevor wir an der Einmündung der Alten Römerstraße auf die Pilgerstraße geradeaus zur Kirche St. Mariä Heimsuchung gehen. Dort biegen wir rechts (!) in die Straße "An den Sieben Linden" ein, an der nächsten Kreuzung rechts in die Herchenbachstraße und nach ca. 100m links durch einen Fußweg zur Franziskanerstraße, der wir nach rechts zur zweispurigen Straße folgen. An dieser entlang geht es nach links. Nach ca. 150m biegen wir links auf einen Fußweg ab. Dieser führt uns im Bachtal nach rechts, an einer T-Kreuzung gehen wir rechts, halten uns an einer Gabelung ebenfalls rechts und wandern wieder hinauf zur Landstraße, der wir nach links bis zum Kreisverkehr folgen. Dort folgen wir der Straße vor dem Landgasthaus Sonne nach rechts, um nach ca. 80m hinter einer Schulbushaltestelle links in eine Stichstraße einzubiegen. An deren Ende führt ein Wirtschaftsweg durch den Wald bergab nach Schiefenthal.
Im Weiler halten wir uns an der Gabelung rechts und folgen bald einem Wirtschaftsweg weiter bergab. An der Einmündung auf eine Straße folgen wir dieser nach rechts durch die Ortschaft Wasser ins Tal und biegen dort vor einem Parkstreifen links auf einen Fußweg ab, der uns bald am Steilufer der Agger entlang führt. Wir erreichen einen breiteren Weg und folgen ihm weiter an der Agger entlang bis zur Propsteistraße, mit dieser rechts über die Brücke, am Hallenbad Badino vorbei, dann am Kreisel geradeaus, durch eine Unterführung und dahinter rechts in die Straße "An den Gärten" zum Ausgangspunkt.
Länge: 8,8 km
Dauer: 2,5 Std.
Profil: Abwechslungsreiche Tour von Overath im Aggertal über einen historischen Pilgerweg hinauf nach Marialinden und auf aussichtsreichen Wegen zurück ins Tal. Gesamtsteigung/-gefälle: 204 Höhenmeter. Die Tour folgt dem Themenweg Overather Pilgerweg, einem von 24 Streifzügen des Projekts Bergisches Wanderland.
Anfahrt: Mit dem Auto: Von Köln über die A4 Richtung Olpe bis Abfahrt Overath, an der Ampel Richtung Overath (PLZ 51491). Auf B 55 durch Gewerbegebiet in den Ort. Nach der gelben Ortstafel am ersten Abzweig links in die Dr.-Ringens-Straße, Bahnlinie überqueren und nach ca. 150m rechts auf den Parkplatz. Zu Fuß durch Unterführung zum Bahnhofplatz. Mit ÖPNV: Von Köln mit der Regionalbahn RB 25 Richtung Overath/Marienheide bis Overath.
Karte: Wanderkarte Overath und Umgebung, hg. v. Bücken & Sulzer Verlag, 1:25000
Einkehrmöglichkeiten: Diverse in Overath und Marialinden
Weitere Infos: Faltblatt zum Overather Pilgerweg und gpx-Daten im Internet:
Unsere Tour beginnt noch etwas vor der ersten Station des historischen Pilgerwegs - am Overather Bahnhof, den die Stadt vor einigen Jahren zur Kulturstätte umbauen ließ. Unweit des Taxistandes bietet eine erste Infotafel einen Überblick über den Weg.
"Wir sind dann mal weg", möchten wir den Taxifahrern am liebsten zurufen - schließlich haben wir direkt vor der Haustür die kleine Alternative zum weltbekannten Pilgerweg ins spanische Santiago de Compostela gefunden.
Nach ein paar Metern entlang der Hauptstraße verlassen wir das Stadtzentrum, überqueren die Agger und erreichen bald den Talrand mit der ersten Kreuzwegstation. Anlieger haben eine kleine Grotte um das steinerne Denkmal gebaut - um es vor Wind und Wetter zu schützen. Die nagen über die Jahrhunderte ganz ordentlich an dem weichen Stein namens Grauwacke, den die Fußfall-Stifter 1741 aus dem nahen Lindlar heranschaffen und bearbeiten ließen. Wie das Wappen auf dem Sockel des Steins verrät, hat ihn offenbar ein gewisser Johann Jakob Codone gestiftet. Er war Kurpfälzischer Geheimrat aus Jülich, hatte seinen Dienstsitz in Köln und im Jahr 1715 den Overather Rittersitz Altbernsau erworben.
Auf dem steilen Pilgerweg gewinnen wir schnell an Höhe. Die Infotafeln zu den Fußfällen sind etwas "gestreckt": An der dritten Station steht keine Tafel, ab dort findet man die Infos zu den Stationen jeweils auf der folgenden Tafel. Die letzte steht unmittelbar vor der Kirche St. Mariä Heimsuchung, die mit ihrer Doppelturmfassade schon von Weitem zu sehen ist. In ihr befindet sich unter anderem eine Muttergottesdarstellung aus dem 15. Jahrhundert. Der Legende nach soll einst eine Marienfigur in einer alten Linde gefunden worden sein und nicht nur den Pilgerort begründet, sondern ihm auch den Namen gegeben haben.
Auf dem Weg zurück ins Tal bieten sich noch einige reizvolle Ausblicke, bevor wir über einen Pfad am Steilufer der Agger entlang zurück ins Overather Stadtzentrum gelangen.
