Nürnberg – Im Fernsehen wird geschnippelt, gebraten und gedämpft, zu Hause stehen die Regale voller Rezeptbücher - und dennoch sind die Deutschen einer Umfrage zufolge eher Kochmuffel. Nicht einmal fünfeinhalb Stunden pro Woche stehen die Verbraucher hierzulande am Herd, wie das Marktforschungsunternehmen GfK am Montag in Nürnberg mitteilte. Damit liegen sie auf dem viertletzten Platz unter 22 Nationen. Nur in Brasilien, der Türkei und Südkorea verbringen die Menschen demnach noch weniger Zeit mit Kochen.
Das größte Engagement in der Küche zeigen demnach Inder und Ukrainer mit mehr als 13 Stunden pro Woche. In Westeuropa liegt Italien mit gut sieben Stunden vorne, gefolgt von Spanien. Die Menschen in Frankreich hingegen, die für ihre exquisiten, ausgedehnten Mahlzeiten bekannt sind, investieren nur wenige Minuten mehr als die Deutschen. Im internationalen Durchschnitt schwingen die rund 27 000 Befragten sechseinhalb Stunden pro Woche den Kochlöffel. Nicht berücksichtigt wurden Menschen, die überhaupt nicht kochen.
Ältere kochen mehr
In Deutschland stehen Frauen der Umfrage zufolge noch immer deutlich länger am Herd als Männer (6,5 im Vergleich zu 4 Stunden). Auch kochen Ältere wesentlich mehr als Jüngere: Bei den Unter-30-Jährigen sind es über vier Stunden, bei den Über-50-Jährigen hingegen mehr als sechs Stunden pro Woche. Für die Studie wurden in Deutschland 1500 Verbraucher auch ausländischer Abstammung ab dem Alter von 15 Jahren online befragt.
Der Nahrungsmittelkonzern Nestlé hatte 2011 in einer Studie festgestellt, dass nahezu alle Deutschen regelmäßig kochen. Demnach bereiten sich 95 Prozent aller Haushalte mindestens einmal in der Woche ein warmes Gericht zu; 61 Prozent kochen täglich. Mehr als die Hälfte berichtete, Spaß beim Kochen zu haben.
In der GfK-Umfrage gaben nun 26 Prozent der Befragten an, eine regelrechte Leidenschaft für Lebensmittel und Kochen zu haben - ebenso viele sagten über sich selbst, umfangreiches Wissen und Erfahrung zu haben. Der Anteil der leidenschaftlichen Köche ist bei Männern und Frauen relativ ähnlich. Besonders mit dem Herzen dabei sind die 50- bis 59-Jährigen - und die 20- bis 29-Jährigen.
An diese junge, oftmals hip-urbane Zielgruppe richten sich viele der jüngst veröffentlichten Kochbücher. Für jede Interessensgruppe gibt es inzwischen eigene Werke. So lagen vergangenes Jahr vegane Kochbücher im Trend. Auch 2013 waren Rezeptsammlungen gefragt: Die Warengruppe Hobby, Sport und Kochbücher steigerte ihren Umsatz nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels um fast sechs Prozent. (dpa)
