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Fernwanderwege in NRW
„Der schönste Weg, den es gibt“ ist der Bergische Panoramasteig

Lesezeit 7 Minuten
Hinweisschild auf einem Pfahl, im Hintergrund ein Feld und eine wandernde Person

Das gelbe Schild des Bergischen Panoramasteigs zeigt den Weg.

Fernwanderwege haben auch kleinere Etappen, die Wandernden zur Genüge Highlights bieten. Einer davon ist der Bergische Panoramasteig.

Hufe klappern auf der Straße, eine Kutsche biegt um die Ecke, die Kutscherin grüßt freundlich. Unwillkürlich folgt der Blick dem Zweispänner und schweift über die Höhen der Landschaft, in der der Wagen auf geschwungenen Wegen verschwindet. Weite Ausblicke, sonnige Höhen und kühle Waldpassagen prägen den Bergischen Panoramasteig, der in zwölf Etappen auf 244 Kilometern durch das Rheinisch-Bergische und das Oberbergische führt. Eine der abwechslungsreichsten und schönsten Etappen verläuft zwischen Nümbrecht und Ründeroth.

„Die größten Ereignisse sind nicht unsere lautesten, sondern unsere stillsten Stunden“, steht auf dem Grauwackeblock, der wie 26 weitere Steine dieser Art mit jeweils unterschiedlichen Sprüchen übers Wandern die Anfangs- und Endpunkte der Etappen des Bergischen Panoramasteigs und seines großen Bruders, des Bergischen Wegs von Essen nach Königswinter (260 Kilometer, 14 Etappen), markiert.

Wir starten an diesem Morgen also mit einem Nietzsche-Zitat, nachdem wir die mit einem Kringel auf gelbem Grund markierte Hauptroute des Bergischen Panoramasteigs am Ortsrand von Nümbrecht erreicht haben (der Weg dorthin ist aus der Ortsmitte mit einer anthrazit-blauen Zuweg-Markierung ausgewiesen).

Malerischer Blick auf Panoramasteig und Schloss

Bevor’s auf die gut 20 Kilometer lange eigentliche Panoramasteig-Etappe geht, lohnt ein kleiner Abstecher zum Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“, der vom Etappenstein in wenigen Minuten mit der Markierung des Klangpfads (weiße „21“ auf rotem Grund) zu erreichen ist. Von dem 34 Meter hohen Turm kann man nicht nur über den Ort Nümbrecht mit seiner mehr als 1000 Jahre alten Kirche sowie am Horizont bis zum Siebengebirge sehen, sondern auch einen guten Teil des Bergischen Panoramasteigs überblicken.

Einen malerischen Blick gibt’s auch auf Schloss Homburg, unser nächstes Zwischenziel. Mit seinen runden Türmen wirkt es wie geradewegs aus dem Märchen entsprungen. In seiner heutigen Form ist der Bau das Ergebnis zahlreicher Umbauten eines Herrschaftssitzes, der bis ins 11. Jahrhundert zurückreicht. Da die Herrschaft lange Zeit unabhängig von denen der Grafen von Berg war, heißt der Landstrich hier auch Homburger Ländchen.

Panoramasteig mit vielen Highlights

Auf einem aussichtsreichen Weg mit Blick bis zum Unnenberg bei Marienheide und den Höhen von Eckenhagen-Blockhaus an der Grenze zum Sauerland geht’s hinüber zum Wald, in dem Schloss Homburg liegt. Am Wegesrand laden Hörstationen eines Erlebniswegs der Biologischen Station und des Klangpfads dazu ein, dem Gezirpe und Gezwitscher von Wiesenbewohnern zu lauschen oder den eigenen Kopf in einen Summstein zu stecken.

Ein schattiger Weg führt hinunter zum Schloss Homburg, in dem ein Museum zur Geschichte von Schloss und Region sowie wechselnde Ausstellungen zu sehen sind. Auch die Gastronomie hat seit kurzem wieder geöffnet und lädt zu einer ersten Rast am Fuße der Schlossmauern ein. Auf dem weiteren Weg ins Tal lockt auf halber Höhe rechts ein Abstecher zu den „Dicken Steinen“, riesigen Quarzitbrocken, die etwa 350 Millionen Jahre alt sind und Abdrücke urzeitlicher Seelilien aufweisen.

„Holstein's Mühle“ und Borkenkäfer auf dem Weg

Malerisch liegt unten im Tal das Fachwerkensemble von „Holsteins Mühle“. Erstmals 1276 erwähnt, gehörte sie früher zur Wasserburg Holstein an der Homburger Bröl und zählt heute zu den ältesten Gebäuden im Oberbergischen Kreis.

Eichen und Buchen säumen den Weg durch den Wald, ein glucksender Bach begleitet unseren Pfad. Bei Stockheim geht’s durch Wiesen hinauf zu einer Kreuzung, an der ein Zuweg zur 1,2 Kilometer entfernten Wiehler Tropfsteinhöhle abzweigt. Die Hauptroute des Panoramasteigs führt unterdessen nach links und bald nach rechts wieder aus dem Wald hinaus. Auf dem ersten Teil der Panoramasteig-Etappe ist der Weg gut anhand der Markierungen zu finden, erst ab Bielstein ist es zu empfehlen, mit Hilfe der Karte oder der App des Bergischen Wanderlands zu schauen, dass man auch auf der richtigen Route bleibt, da die Markierung dort etwas ausgedünnt ist.

Vielerorts sind in den vergangenen Jahren große Fichtenbestände im Bergischen Land den Schäden von Borkenkäfer und Hitze zum Opfer gefallen. Mit den Bäumen verschwanden auch einige Markierungen. Was Wegepaten und Wegemanager eine Menge Arbeit beim Nachmarkieren beschert, hat für Wanderinnen und Wanderer einen besonderen Reiz, der gleichwohl vergänglich ist. Vielerorts entstanden neue Aus- und Panoramablicke, die allerdings in wenigen Jahren wieder von neuem Wald zugewachsen sein dürften. Gerade jetzt lohnt es sich also, den Bergischen Panoramasteig unter die Wanderschuhe zu nehmen.

„Der schönste Weg, den es gibt“

Das braucht man Egon Erb, den wir bei Hengstenberg auf dem vom Deutschen Wanderverband zertifizierten Steig treffen, nicht zu sagen: „Ich bin den Bergischen Panoramasteig schon in beide Richtungen komplett gegangen“, sagt der 82-Jährige aus Gummersbach. Sein Fazit: „Der schönste Weg, den es gibt.“ Und Erb muss es wissen, schließlich ist er schon viele Fernwanderwege gewandert, hat allein 1200 Wandertouren dokumentiert. „In mir schlägt das Wanderherz“, sagt er lächelnd und schwärmt vom Abwechslungsreichtum des Panoramasteigs, der auch mehrere der bergischen Talsperren passiert.

Apropos Wasser: Eine kleine Abkühlung wäre nach dem sonnenreichen Abschnitt nicht schlecht. Wie gut, dass wir vorab einen der Erdkühlschränke haben befüllen lassen, die am Bierweg installiert sind, der hier ein Stück parallel zum Panoramasteig verläuft. So haben wir einen Zahlencode erhalten, mit dem wir nun eine kühle Fassbrause aus einer der im Boden eingelassenen „Hopfenhöhlen“ holen können (siehe „Extra-Tipp“). Das tut gut. Und am Horizont ist bereits der Aussichtsturm auf der Hohen Warte zu sehen, der höchste Punkt unserer Tour – kurz vor dem Etappenziel. Zunächst geht’s hinunter ins Brauereidorf Bielstein.

Pause oder Abkürzung möglich

Etwa auf der Hälfte der Etappe lockt hier eine Einkehr (vom Panoramasteig vor der Kirche rechts auf dem Fußweg hinunter in den Ort). Wer genug vom Wandern hat, kann vom Busbahnhof den Heimweg antreten. Wer weiter wandern möchte, den führt ein schmaler Pfad an steilen Hängen entlang in ein Seitental des Flüsschens Wiehl. Angesichts der zurzeit etwas spärlicheren Markierung ist ab und an ein Blick auf Karte oder Wander-Navi zu empfehlen. Bei Fahrbetrieb schon von Ferne zu hören ist die Moto-Cross-Strecke des „Bielsteiner Waldkurses“, an der wir etwas Rennatmosphäre schnuppern können, bevor es zwischen Wiesen und Weiden hinauf zum Immerkopf geht. Auf seiner Kuppe liegen ökologisch wertvolle Hochmoorflächen, zum Schutz ihrer seltenen Tier- und Pflanzenwelt führen die Wege unterdessen um die Flächen herum.

Der nächste Anstieg hat es in sich. Zum Aussichtsturm auf der „Hohen Warte“ führt das steilste Stück der Etappe. Oben entschädigt noch einmal ein großartiger 360-Grad-Ausblick, bevor uns der Panoramasteig durch den Wald hinunter ins Tal der Agger absteigen lässt. Am Ufer des Flusses wartet dort nicht nur das reizvolle Örtchen Ründeroth mit einigen Einkehrmöglichkeiten, sondern auch der ersehnte Etappenstein. Dem Zitat von Theodor Heuss darauf ist nach der schönen Etappe nichts mehr hinzuzufügen: „Der Sinn des Reisens ist, an ein Ziel zu kommen, der Sinn des Wanderns, unterwegs zu sein.“


Diesen Weg sind wir zuletzt im Sommer 2022 gewandert.


Infos zur Wanderung auf Etappe 12 des Bergischen Panoramasteigs

Von Nümbrecht nach Ründeroth

Länge: 23,3 km (mit Zuwegen), bei Abkürzung: 12,2 km | Dauer: 7,5 Std., bei Abkürzung: 3,5 Std. | Profil: Pfade, Wiesen- und Wirtschaftswege, Fernblicke, zwei Aussichtstürme Gesamtsteigung: ca. 420 Höhenmeter, Gesamtgefälle ca. 570 Höhenmeter.

Anfahrt: Auto: A4 Rtg. Olpe bis AS Gummersbach, Rtg. Wiehl/Nümbrecht, in Nümbrecht (Lindchenweg), Parkbuchten rechts der Straße. | ÖPNV: Von Köln Hbf RB 25 bis Dieringhausen, Bus 302 Rtg. Waldbröl bis Nümbrecht-Ortsmitte. | Rückfahrt: Von Bf Ründeroth Bus 312 (Mo-Sa) Rtg. Waldbröl bis Nümbrecht-Ortsmitte oder mit RB 25 Rtg. Lüdenscheid bis Dieringhausen, Bus 302 Rtg. Waldbröl bis Nümbrecht-Ortsmitte. | Abkürzung: Vom Busbhf. Bielstein mit Bus 302 Rtg. Waldbröl bis Nümbrecht-Ortsmitte (Mo-Sa auch Linie 312) Karte: Wanderkarte Leporello Bergischer Panoramasteig, Publicpress

Einkehren: Café „Fuchs und Igel“ am Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“, Höhenstraße 99, 51588 Nümbrecht | Kai's Restaurant an Schloss Homburg, www.kais-restaurant.de | Haus Kranenberg, Bielsteiner Str. 92, 51674 Wiehl-Bielstein, www.haus-kranenberg.de

Extra-Tipp: Vor einer Wanderung kann die Füllung eines Erdkühlschranks („Hopfenhöhle“, zwei davon [Nr. 2+3] liegen direkt am Panoramasteig) mit Getränken gebucht werden, die sich dann per Zahlencode unterwegs entnehmen lassen. 30 Euro für 15 Flaschen, Buchung über Haus Kranenberg: Tel.: 02262/ 7976 59 8, WhatsApp: 0170/59 29 817

Sehenswürdigkeiten: Aussichtsturm „Auf dem Lindchen“, Nümbrecht | Schloss Homburg, 51588 Nümbrecht; www.schloss-homburg.de | Aussichtsturm Hohe Warte, Ründeroth | GPS-Daten von Etappe und Zuwegen: www.bergisches-wanderland.de / bergisches-wanderland-app.de