Kölner Parks (4)Mit der Pferdebahn zum Sehnsuchtsort Stadtwald

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts indes war der Dreizehn-Linden-Platz ein Sehnsuchtsort.
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- Sie sind die grüne Lunge der Großstadt – die Kölner Parks.
- Darin Spazieren zu gehen ist auch in Corona-Zeiten erlaubt – mit gebührendem Abstand, versteht sich.
- Wir stellen die schönsten Parks in einer Rundschau-Serie vor.
Köln – Der Stadtwald mit seinen großen Wiesen und zwei Weihern gehört zu den größten zusammenhängenden Grünflächen Kölns. Auf dem weit verzweigten über 200 Hektar großen Gelände zwischen Stadtwaldgürtel und Müngersdorf finden Erholungssuchende, Familien und Sportler ihre Nische. Kinder lieben besonders den Lindenthaler Tierpark mit seinen Eseln, Ziegen, Schafen, Hochlandrindern und dem Damwild.
Der Stadtwald hat einen urkölschen „Geburtstag“: Am 11.11. vor 125 Jahren wird mit den Arbeiten auf dem zu dieser Zeit 105 Hektar großen Gelände begonnen. Die Herstellungskosten des mit den Pferdebahnen auf der Aachener und Dürener Straße leicht zu erreichenden Parks betragen rund zweieinhalb Millionen Mark. Der von Gartendirektor Adolf Kowallek ausgearbeitete Entwurf sieht zwei Bereiche für Bepflanzung vor. Der stadtwärts gerichtete Teil um den großen Weiher wird parkartig mit ausländischen Baumarten bepflanzt. Der übrige Teil mit Eichen, Buchen, Tannen und Kiefern, um einen einheimischen Waldcharakter zu erzielen. Die Wiesen werden zur Heugewinnung genutzt. Den Kölnern steht anfangs nur die zentral gelegene Volkswiese zur Verfügung. Mit dem Aushub des Weihers wird im März 1896 unter Einsatz einer Feldeisenbahn mit Dampfbetrieb begonnen. Insgesamt wird eine Bodenmasse von 54 000 Kubikmetern bewegt.

Wasserflächen und Wald, der Schatten spendet, machen den großen Park zu einem beliebten Ausflugsziel.
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Die Speisung des Teiches erfolgt zunächst durch eine Einleitung des Frechener Baches. 1898 wird eine Pumpstation errichtet, die einen kräftigen Springstrahl von 150 Kubikmetern in der Stunde betreiben kann. Neben dem großen Weiher wird nahe der Waldschänke ein kleiner Teich angelegt. Auf beiden Gewässern genießen die Parkbesucher im Sommer ausgiebige Kahnpartien. Im Jahr 1920 werden die Weiher mit einem Kanal für die Ausweitung des Eissports in der kalten Jahreszeit verbunden.

Auch in der Nachkriegszeit traf man sich am Seeufer.
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Feste Einrichtungen für den Sport hat das Konzept von Kowallek von Anfang an vorgesehen. Im nördlichen Bereich liegen eine Reitbahn, eine 400 Meter lange Radfahrbahn sowie elf Tennisplätze. Gesellschaftlicher Treffpunkt im Kölner Westen sind die Restauration in der Villa Kitschburg und die Waldschänke, wo auch Willi Ostermann oft einkehrt. Auf der Wiese hinter der Waldschänke amüsieren sich die Pänz im Planschweiher, dem ersten Wasserspielplatz der Stadt.

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Mit dem Stadtwald entsteht erstmals ein großes zusammenhängendes Waldareal, das viele Erholungsmöglichkeiten für alle Schichten bereithält. Hermann Robert Jung, Leiter der Kölner Gartenbauschule, beschreibt die Bedeutung: „Wenn nach Jahren der Wald einmal herangewachsen und Tausenden nach des Tages Last und Mühe Waldesschatten Erholung und Erquickung biete, dann wird die Großstadt mit ihren Hunderttausenden, sich aus Zimmerdunst und staubigen Straßengewirr nach frischer, freier Luft sehnenden Lungen erst den Wert des Waldes ermessen.“ Ein Sehnsuchtsort der Großstädter ist der leicht erhöhte Dreizehn-Linden-Platz mit seiner Aussicht auf das pittoreske Landschaftsbild.
Stadtwald

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Der Stadtwald ist von Süden mit der Linie 7 und dem Bus 136, Haltestelle Brahmsstraße erreichbar. An der Ostseite des Parks halten die Bahnlinien 7 und 13 (Wüllnerstraße), an der Nordseite die Linie 1 (Maarweg und Clarenbachstift) sowie die Busse 172 und 173 (Maarweg) .(bro)
In den vergangenen Monaten sind Teile des Stadtwaldes zum Opfer des Klimawandels geworden. Hitze und Dürre der Sommer haben dafür gesorgt, dass viele Bäume ihre natürlichen Abwehrkräfte verloren haben. 250 Bäume mussten bis Ende letzten Jahres gefällt werden. Mit gezielten Eingriffen sorgt die Stadt dafür, dass nun die hitzebeständigeren Buchen und Linden wachsen können. Die vergangen Sommer haben auch zahlreiche Bäume im Tierpark hinweggerafft. Nun sollen neue gepflanzt werden, die den klimatischen Belastungen gewachsen sind – Rotbuchen, Stileichen und Winterlinden. 17 000 Euro muss der Förderverein des Tierparks für die Neupflanzungen zusammen bekommen. Um das Geld aufzubringen, bietet der Verein eine Baumpatenschaft für 250 Euro an. Der Name des Spenders wird auf einer Stele vermerkt, die an den jeweiligen Baum gestellt wird.
