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Ausreden lassenStotterern besser nicht auf die Sprünge helfen

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Kristina Jung von der Kasseler Stottertherapie

Bad Emstal – Unterbrechen, Wegschauen, Satz beenden - stotternden Menschen ist damit nach Ansicht einer Therapeutin nicht geholfen. „Das Beste ist immer, denjenigen ausreden zu lassen. Ihm das Gefühl zu geben, dass man bis zum Ende zuhört“, sagte Kristina Jung von der Kasseler Stottertherapie in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. „Für jemanden, der stottert, ist es oft sehr unangenehm, wenn der Gegenüber in die andere Richtung schaut oder auch den Satz verbessert“, berichtete die Klinische Linguistin zum Welt-Stottertag am Montag, 22. Oktober.

In Deutschland stottern nach Angaben des Instituts rund 800 000 Menschen, etwa ein Prozent der Bevölkerung. Bei Kindern sind etwa fünf Prozent betroffen. „Da ist es aber so, dass manche es im jungen Alter wieder verlieren“, berichtete Jung. Wenn Menschen stottern, blockieren die Stimmenbänder. In einer Therapie könne der Betroffene lernen, seine Stimme mit einer speziellen Sprechtechnik zu kontrollieren, erklärt die therapeutische Leiterin des Instituts im nordhessischen Bad Emstal. „Stottern lässt sich nicht heilen. Aber man kann eben lernen, damit umzugehen“.

Seit etwa 15 Jahren therapieren die Experten Menschen mit Sprechstörungen. Mit einer speziellen Computersoftware erlernen und üben die Patienten die Sprechtechnik, Erwachsenen wird nach einem Intensivprogramm vor Ort auch via Teletherapie geholfen. „Alle zwei bis drei Wochen bekommen die Klienten zu Hause dann online eine Therapie“, sagte Jung. So wird mittlerweile auch Stotterern in Brasilien geholfen. Auf Englisch therapiert Jung seit September einen Mann in Kuwait. Denn Stottern sei nicht nur in der Schule ein Problem, sondern auch etwa später bei Vorstellungsgesprächen. (dpa)