Köln – Essen ist heutzutage eine komplizierte Angelegenheit. Denn einfach einkaufen war gestern. Viele Verbraucher achten heute besonders darauf, was in ihrem Einkaufswagen landet und was in ihren Lebensmitteln nicht enthalten ist. Besonders laktose- und glutenfreie Produkte haben enorm an Marktanteilen gewonnen.
Das haben die im niederländischen Arnheim ansässigen Marktforscher von Innova Market Insights für eine umfassende Präsentation auf der Lebensmittelmesse Anuga recherchiert. In bunten Charts stellten sie Zahlen rund um die Trends auf unseren Tellern dar. 9,5 Prozent aller neuen Produkte, die im vergangenen Jahr auf den westeuropäischen Lebensmittelmarkt kamen, sind glutenfrei, das ist jedes fünfte neue Lebensmittelprodukt. In Nord- und Südamerika waren es sogar knapp 20 Prozent.
Große Supermarktketten haben längst entsprechende Lebensmittel im Regal: Bei Kaufland gibt es seit dem Jahr 2003 glutenfreie Produkte, insgesamt hat der in Neckarsulm ansässige Vollsortimenter 210 glutenfreie Produkte im Programm, bei den laktosefreien sind es bis zu 510. "Wir schätzen die Prognose positiv ein und gehen davon aus, dass sich die Nachfrage nach gluten- und laktosefreien Produkten zukünftig weiter steigern wird", sagt Pressesprecherin Andrea Kübler.
Zutaten: 500 g Buchweizenmehl, 1 Packung Bio Weinsteinbackpulver, 2 TL Salz, 2 EL Brotgewürz (Anis, Fenchel, Koriander), 4 EL Sesam, 6 EL Kürbiskerne, 2 EL Sonnenblumenkerne, 3 EL Leinsamen, 1 EL Chiasamen, 1 EL Flohsamenschalen
Zubereitung: Alle Zutaten vermischen und mit einem halben Liter Mineralwasser mit Kohlensäure vorsichtig durchkneten. Dann bei 180 Grad und Heißluft eine Stunde backen.
Die Verbraucherzentrale Düsseldorf hat ein Faltblatt zusammen gestellt mit Fakten über laktose- und glutenfreie Lebensmittel.
Telefonische Ernährungsberatung bieten die Experten dienstags und donnerstags von 10 bis 12 Uhr 02 11/3 80 92 02
Rewe hat seit dem Jahr 2012 eine eigene Produktpalette im Programm. "Ziel war es zusätzlich zu den Markenprodukten eine eigene preisgünstige Alternative anzubieten", sagt Thomas Bonrath von Rewe. Insgesamt haben die Kölner 35 eigene laktose- und glutenfreien Produkte im Programm.
Produkte meist deutlich teurer
Tatsächlich sind gluten- oder laktosefreie Produkte oft teurer als die normalen. Die Verbraucherzentrale hat bei einem bundesweiten Marktcheck im Februar 2013 herausgefunden, dass viele Firmen ihren Produkten ohne Not das Label laktosefrei oder glutenfrei verpassen. So war etwa eine Salami mit dem Label laktosefrei versehen, dafür aber 266 Prozent teurer als eine herkömmliche Wurst. "Werben mit Selbstverständlichkeit" nennen das die Verbraucherschützer. "Die Bezeichnung laktose- oder glutenfrei wird oft als Werbestrategie benutzt für Produkte, die von Natur aus keine Laktose oder Gluten enthalten", sagt Nora Dittrich, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale in Düsseldorf.
Denn natürlich enthält eine Salami keine Laktose, genauso wenig, wie Camembert, Feta-Käse oder Mozzarella. Diese Käse-Erzeugnisse sind von Natur aus laktosearm. Was Hersteller nicht davon abhält, den Hinweis "laktosefrei" aufzudrucken , und einen kräftigen Preisaufschlag dafür zu nehmen. Gravierende Preisunterschiede zeigen sich nicht nur bei Käse, sondern auch bei Frühstücksflocken und Schokokeksen.
"Hersteller versuchen häufig, ihren Produkten mit »Frei-von-Siegeln« ein gesundes Image zu verpassen. Gluten- oder laktose-freie Produkte sind für Betroffene ein großes Plus, für alle anderen bieten sie jedoch keine Vorteile", betont Dittrich. Doch die wunderbare Warenwelt verleitet viele Konsumenten zum freien Experimentieren.
Intensive Beschäftigung mit Essen
Die Heilpraktikerin Kerstin Wolf aus Bensberg erlebt, dass sich viele Menschen heute intensiv mit dem was sie essen, auseinander setzen. In ihre Kochkursen, in denen sie glutenfreie Rezepte vorstellt, kommen Menschen jeden Alters, die sich oft unwohl fühlen. "Das sind Menschen ab 30, die sich oft einfach nicht wohl fühlen und neugierig sind. Die wollen wissen, was es sonst noch so gibt außerhalb der ausgetretenen Ernährungspfade." Wolf selbst ist davon überzeugt, dass Weizen- und auch Vollkornbrot die Darmschleimhaut bei andauernd hohem Brotkonsum schädigen können.
Sie empfiehlt, Brot selbst zu backen, am besten aus Buchweizen. "Der ist sehr mineralstoffhaltig, am besten man lässt ihn über Nacht keimen." Gemischt mit Leinsamen, Sonnenblumenkernen und Chiasamen stellt sie ihren Brotteig her. "Da ist dann nichts mehr drin, was den Verdauungsapparat belasten könnte."
Ob mit oder ohne - Verbraucherhaben heute die Qual der Wahl: Zwischen dem Gebot der Zeit, sich möglichst gesund zu ernähren und dem immerwährenden Wunsch nach Genuss, suchen viele Konsumenten nach Leitlinien im Ernährungsdschungel. Am Ende entscheidet wohl der Bauch.
