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„Bergischer Weg“Gute Aussichten im Land der „Heufresser“

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Zu Fuß vom Essener Baldeneysee zum Drachenfels bei Königswinter? In 13 Tagesetappen ist das jetzt auf dem komplett neu ausgewiesenen „Bergischen Weg“ möglich. Selbst ambitionierte Wanderer lassen es auf dem 262 Kilometer langen Fernwanderweg allerdings auch ruhiger angehen. Schließlich hat es manche Etappe mit mehr als 30 Kilometern und über 500 Höhenmetern in sich. Noch dazu gibt es am Wegesrand eine Menge zu entdecken: von der Müngstener Brücke über Schloss Burg und den Altenberger Dom bis hin zum Bensberger Schloss.

Wir haben uns zum Kennenlernen des Fernwanderweges, der nach den Qualitätskriterien des Deutschen Wanderverbandes mit möglichst wenig Asphalt und möglichst vielen naturnahen Pfaden geplant wurde, die einsamere, aber keineswegs weniger reizvolle achte Etappe ausgesucht. Sie führt von Overath im Aggertal nach Much am Oberlauf des Wahnbachs und zeichnet sich durch malerische Wege und immer wieder neue Fern- und Panoramablicke aus, die gerade bei klarer Sicht im Herbst besonders eindrucksvoll sind.

Vor der Aussicht ist freilich der Aufstieg zu absolvieren. In einer Flussschleife der Agger durchstreifen wir zunächst den neu gestalteten Landschaftsgarten von Gut Eichthal. Das Anwesen gehörte einst dem Besitzer des Kölner Kaufhauses Peters (später Karstadt) und ist heute Sitz einer Außenstelle des LVR-Amtes für Bodendenkmalpflege sowie ein außerschulischer Lernort mit modernen Pavillons.

Ein steiler Pfad lässt uns auf der anderen Seite des Flusses rasch an Höhe gewinnen. Die Mühen des Aufstiegs belohnt bei guter Sicht ein Fernblick über Seelscheid, Neunkirchen und Lohmar-Birk bis ins Siebengebirge und zu den Höhen von Eifel und Westerwald.

Nun geht’s hinunter in ein Naturparadies: das Naafbachtal. Eigentlich sollte hier einmal eine Trinkwassertalsperre entstehen. Glücklicherweise jedoch stieg der Wasserverbrauch ab den 1970er Jahren weniger stark als vermutet, so dass das Tal bis heute nicht geflutet wurde. Auf einsamen Pfaden geht’s hinauf nach Falkemich, wo am ersten Wegekreuz ein Blick zurück zur doppeltürmigen Wallfahrtskirche von Marialinden lohnt. Im Naafbachtal passieren wir nun bald die Fischermühle, um die einst der Erzbergbau blühte. Alte Halden und Straßennamen wie „Grube Nikolaus“ erinnern noch heute daran.

Hinter Eckhausen ist bereits der Kirchturm von St. Martinus in Much zu sehen. Der Legende nach sollen Bürgermeister und Dorfarzt dort einst mit dem Pfarrer gewettet haben, dass dieser seine Gläubigen nicht dazu bringe, Heu zu essen. Der aber nahm nach der Predigt ein Bündel Heu und verkündete, dass es sich dabei um Heilkräuter aus Jerusalem handele. Die Kirchgänger probierten davon, der Pastor hatte seine Wette gewonnen und die Mucher ihren Spitznamen: „Heufresser“. Mittlerweile nutzen sie ihn selbstbewusst als Markenzeichen und veranstalten sogar Heufresser-Wettkämpfe. Unsere Tour können wir indes auch ohne Heumahlzeit bei einer Einkehr im beschaulichen Much prima ausklingen lassen.