Behäbig fliegen sie von Blüte zu Blüte. Beim Landen erbebt dabei meist der ganze Blumenstängel. Das Verhalten und Wesen der Hummeln wirkt sympathisch auf uns Menschen. Auch das tiefe Summen klingt so ganz anders als das von Bienen, Wespen oder gar Hornissen. Doch auch Hummeln haben einen Stachel. Zum Einsatz kommt der allerdings nur selten.
Weder ihr ansprechendes Wesen noch ihre zurückhaltende Art hat den unter Naturschutz stehenden Hummeln geholfen, sich gut zu behaupten. 53 verschiedene Arten gibt es in Europa, 36 im deutschsprachigem Raum. Doch sieben davon sind vermutlich ausgestorben. Für die Tiere wird es immer schwieriger, in unserer Kulturlandschaft zu überleben.
Königinnen überwintern in Erdlöchern
Wer die behäbigen Insekten in den eignen Garten locken möchte, verzichtet auf gefüllte Blumensorten und pflanzt stattdessen Rittersporn, Mohn, Löwenmaul, Minze, Borretsch, Schwertlilie und Fingerhut an. Auch ein kleiner Kräutergarten auf dem Balkon mit Thymian, Majoran und Salbei wird gerne angeflogen. Bunte Blumenwiesen bieten Hummeln reichlich Nahrung.
Königinnen finden im Frühjahr geeignete Nistplätze in abgestorbenen Bäumen, Totholzhaufen, Erdlöchern und Mauerspalten.
Im Sommer, wenn das Nahrungsangebot schlechter wird, sind immer Hummeln zu finden, die apathisch auf einer Blüte, einem Blatt oder auf dem Boden hocken. Sie haben bei der Nahrungssuche so viel Energie verbracht, dass sie völlig erschöpft sind. Ein Tropfen Zuckerwasser, direkt vor ihrem Rüssel auf den Untergrund geträufelt, wirkt Wunder - kurze Zeit später ist das pelzige Insekt wieder flugbereit.
Die Dunkle Erdhummel gehört zu den größten und bekanntesten Hummelarten. Die Völker können aus bis zu 600 Tieren bestehen. Sie nisten gerne in Mäusebauten oder Maulwurfsgängen, fühlen sich aber auch in Hummelkästen sehr wohl. Die Dunkle Erdhummel ist schwarz, hat direkt hinter dem Kopf und im ersten Drittel des Hinterleibs einen leuchtend gelben Streifen. Das Ende des Hinterleibes ist weiß.
Die Steinhummel ist nicht ganz so groß wie die Dunkle Erdhummel. Sie hat einen samtschwarzen Körper und ein leuchtend rotbraunes Hinterleibsende. Ihr Volk kann am Ende des Sommers aus 300 Tieren bestehen. Auch diese Art ist bei uns weit verbreitet und gilt nicht in unseren heimischen Gefilden als nicht gefährdet.
Die Grashummel ist sehr selten anzutreffen. Sie ist überwiegend schwarz, nur am Hinterleib ist sie rötlich gelb gefärbt. Sie legen ihre Nester fast immer oberirdisch in kleinen Bodenmulden unter Moos oder trockenen Grasbüscheln an. Ihre Kolonien können aus bis zu 100 Tieren bestehen. Eine dauerhafte Ansiedlung - gar im Hummelkasten - gelingt nur selten. (ela)
Die ersten Hummeln fliegen schon im Februar. Es sind die Königinnen, die in einem Erdloch überwintert haben. Schon ab einer Temperatur von zwei Grad Celsius sind sie unterwegs und gehören damit zu den wichtigsten Bestäuberinsekten im zeitigen Frühjahr. Bei der Nahrungssuche sind sie sehr effektiv. Eine Hummel besucht bis zu 20 Einzelblüten pro Minute, bei einer Zählung steuerte eine Ackerhummel innerhalb von 100 Minuten sogar mehr als 2600 Blüten an. Honigbienen brauchen etwa fünfmal so lange. Hummeln bestäuben auch viele Nutzpflanzen mit komplizierten Blütenröhren wie Borretsch, Akelei oder Lupine.
Auch auf anderen Ebenen ist die Hummel den Bienen überlegen. Sie kann ihre Körpertemperatur längere Zeit konstant über 35 Grad halten und somit auch in den frühen Morgenstunden und bis in den Abend hinein fliegen, wenn die Bienen im Stock bleiben. Deshalb nutzen Hummeln solche Pflanzen als Nahrungsquelle, die nur zu diesen Zeiten ihre Blüten öffnen, Nachtkerzen zum Beispiel.
Ein paar Wochen nach ihrer Winterruhe beginnt die Königin, nach einem Nistplatz zu suchen. Je nach Hummelart werden hierfür Löcher und Spalten im Erdreich, an alten Gebäuden oder abgestorbenen Bäumen angeflogen. Totholzhaufen, Mäuselöcher und Mauerspalten sind interessant für Hummeln, auch Nisthilfen, wie sie in Gartencentern angeboten werden, haben sich bewährt.
Wenn sie eine neue Behausung gefunden hat, schafft die Königin einen Futtervorrat herbei und legt acht bis 16 Eier. Nach drei bis fünf Tagen schlüpfen die Larven, die sich nach acht Tagen verpuppen. Drei Wochen später schlüpfen dann bereits die ersten Arbeiterinnen.
Sie übernehmen die Futtersuche und pflegen die Brut. Die Königin kann sich ganz der Eiablage widmen.
Aus befruchteten Eiern schlüpfen Arbeiterinnen, aus unbefruchteten die Männchen, die sogenannten Drohnen. Im Gegensatz zu den Drohnen der Honigbienen, die nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen, helfen die Hummel-Drohnen jedoch bei der Brutpflege. Sie verlassen später das Nest und ernähren sich selbstständig. Je nach Hummelart wächst das Volk auf 50 bis 600 Tiere an. Zwar legen auch Hummeln einen gewissen Vorrat an Honig an, doch ist er wesentlich geringer als bei Honigbienen, eine Ernte lohnt sich daher nicht.
Als Honigsammler sind Hummeln für Menschen zwar uninteressant. Ihre Bestäubungsleistung wird allerdings in Gewächshauskulturen mit Tomaten, Paprika, Auberginen und Melonen genutzt. Im Freiland können sie die Bestäubung von Obstbäumen und Beerensträucher übernehmen, wenn es den Bienen zum Fliegen noch zu kalt ist.
Neigt sich das Hummeljahr im Herbst dem Ende zu, werden die letzten weiblichen Nachkommen zu Jungköniginnen herangezogen. Diese paaren sich mit den Drohnen und verbringen anschließend den Winter tief in der Erde bis zu nächsten Frühjahr. Die restlichen Hummeln des Volkes sterben.
