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Wie finde ich den richtigen Wein?Ein kleiner Pfadfinder durch den Rosé-Dschungel

4 min
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Köln – Rosé macht mittlerweile ein Zehntel der weltweiten Weinerzeugung aus. Seit Jahren boomt diese Weinkategorie. Die immer größer werdende Vielfalt kann einen allerdings schon überfordern. Denn der Geschmack des Rosés wird weniger von Herkunft und Traditionen bestimmt, sondern von Moden und der Kreativität der Winzerinnen und Winzer. Wahl der Rebsorte, Machart und Ausbau sind entscheidende Faktoren. Die Stile reichen von knochentrocken bis pappsüß, von kitschig bis dezent fruchtig und von leicht bis kräftig. Wie findet man also den Richtigen für seinen Geschmack?

Eine wichtige Orientierungshilfe bei der Qual der Wahl ist die Farbe. Das mag sich jetzt seltsam anhören, aber Farbe gehört beim Rosé zum Geschmack. Denn das Aussehen weckt im Kopf die Erwartung des Genießers, wie fruchtig oder dezent ein Rosé schmecken wird. Die Winzerinnen und Winzer stellen den Farbton deshalb ganz bewusst ein, um den Stil des Weines zu unterstreichen. Ist man also auf der Suche nach einem trockenen Gewächs, sollte der Wein eher eine hellrosa, lachsrote oder zwiebelschalen-farbene Schattierung haben. Je heller der Rosé, umso leichter ist er.

Weitere Orientierungen neben der Farbe

Quietsch pink oder gar neon-violette Exemplare sind in der Regel aromatisch-fruchtig und oft halbtrocken bis süß ausgebaut. Ein Hinweis auf den Stil gibt auch Etikett und Ausstattung. Orientiert sich das Design an Barbies Dollhouse, wird der Wein süß-fruchtig sein. Erinnert das Outfit an Armani Haute Couture bekommt man eher was Trockenes und Elegantes serviert.

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Wiegt die leere Flasche schon alleine drei Pfund, war darin ein trockener wie kräftiger Wein. Eine weitere Orientierung kann die Rebsorte geben. Schauen wir zunächst einmal nach Südfrankreich, wo ein Drittel der weltweiten Rosés herkommen. Dort können die Winzer auf eine Vielzahl von mediterranen Rotweinsorten zurückgreifen, die unterschiedliche Charaktere in den Rosé einbringen. So sorgt der Syrah für herbes Rückgrat und straffe Textur, Mourvédre bringt ledrige Würze, Cinsault sorgt für blumige Frische und eine gehörige Portion Grenache bringt als Rosé den kirschigen Schmelz, der wie ein überdimensioniertes Marshmallow alles fluffig umhüllt.

Bester Rosé zum Essen

Grenache lässt selbst die per gesetzlicher Vorgabe knochentrockenen Provence-Rosés rund und angenehm mollig wirken. In Deutschland werden Rosés gerne aus Spätburgunder bereitet und kommen dementsprechend frisch, beerig und kräuterduftig daher. Spannend sind die Rosés aus der sonst verschmähten Sorte Portugieser, die besonders kirschig, cremig und weniger spröde wirken. Beliebt sind auch hierzulande Verschnitte aus unterschiedlichen Sorten sowie der Fokus auf Spitzenqualität und Vielfalt.

Attraktive Farbe und unkomplizierte Handhabung sprechen ein junges Publikum an. Geschmack und Stil passen zu einer modernen Küche, die mit mehr Gemüse, Kräutern und Gewürzen hantiert. Würzige Rosés schmecken genial zur mediterranen Küche, leichte und dezent fruchtige Exemplare sind ideale Begleiter zu Sushi und kraftvolle Varianten sind der Allrounder zum Barbecue. Seit Jahren spricht man nun vom Trend Rosé. Man darf sich sicher sein, dass dieser Höhenflug noch einige Zeit weitergehen wird und bei steigenden Qualitäten Rosé nicht mehr nur im Sommer Hauptsaison hat.

Wein-Empfehlung für Rosé

Pia Strehn erlebte in der Provence, welche Bedeutung Rosé hat und wie sehr er das mediterrane Lebensgefühl unterstreicht. Zurück im elterlichen Weingut, im österreichischen Burgenland, wollte sie den stiefmütterlich behandelten Weinstil gehörig aufpolieren. „Früher hatte jeder Betrieb irgendeinen Rosé im Sortiment, der war als Sommergesöff nie richtig definiert“, erklärt die Winzerin. Sie probierte deshalb viel und entwickelte eine eigene Rosé-Serie. Der Spitzenwein ist der „Elefant im Porzellanladen“, der aus Blaufränkisch-Trauben bereitet und im Holzfass vergoren und ausgebaut wird.

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Leckerer Rosé „Elefant im Porzellanladen“.

Am besten serviert man den „Elefanten“ in einem großen Glas. Der Wein läuft mit einem mittelkräftigen Lachston ins Glas. Der Duft ist komplex mit Aromen von Waldbeeren, dunklen Kirschen, Kräutern, Milchkaramell und Toast. Der Wein verfügt über einen herrlich cremigen Schmelz. Trocken ausgebaut und mit 13% mittelkräftig ist es ein Rosé mit Struktur, der zu kräftigen Speisen passt.

www.zweigeltundco.de

2021 „Elefant im Porzellanladen“ / Pia Strehn / Burgenland – 21,50 Euro; erhältlich bei: Zweigelt & Co / Auf der Insel 1 / 50259 Pulheim