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„Captain Marvel“ neu im KinoBrie Larson als Superheldin mit ironischen Anwandlungen

3 min
Brie Larson

Brie Larson als Captain Marvel in einer Szene des Films

Der erste Marvel-Film um einen weiblichen Titelstar punktet mit sympathischer Hauptdarstellerin und überraschend amüsanten Dialogen.

Was dir gegeben wurde, das kann dir auch wieder genommen werden. Die junge Kämpferin Vers von der Rasse der Kree hat diese Warnung (oder Drohung?) von ihrem strengen Ausbilder Yon-Rogg schon öfters zu hören bekommen. Jedes Mal ging es darum, dass sie endlich lernen soll, ihre Gefühle zu zähmen statt die in ihr schlummernden Superkräfte im Affekt leichtfertig zu verschleudern. Der erzieherische Ansatz zeigt seine Berechtigung, als Vers bei einem Guerillaeinsatz zunächst in Gefangenschaft der feindlichen Skrull gerät und dann auf der Flucht auf den Planeten C-53 verschlagen wird, der hierzulande als Erde bekannt ist.

Zusammen mit dem Regierungsbeamten Nicholas Fury stößt Vers auf Hinweise, die erklären könnten, was es mit den eruptiv aufblitzenden Visionen auf sich hat, die offenkundig auf eine andere Existenz in einem früheren Leben hinweisen.

Der jüngste Beitrag aus dem Marvel Cinematic Universe führt nach dem „Infinity War“ der Avengers um einige wichtige Jahrzehnte zurück in der Historie, und selbst im Wissen um die zahlreichen parallel zueinander ausgelegten Comic-Universen des geschäftstüchtigen Marvel-Konzerns lässt sich feststellen: allmählich wird es kompliziert im Gesamtwurf!

Frau als alleinige Hauptrolle

Nimmt man den Film für sich, so ist dieser – wie eigentlich immer, wenn eine neue Heldengestalt eingeführt wird – ein guter geworden. Als einer der letzten von Stan Lee (wieder mit neckischem Kurzgastauftritt) mitproduzierten Marvel-Filme ist es zugleich der erste, in dem eine Frau die alleinige Hauptrolle bestreitet. Damit legt Marvel gegenüber DC („Catwoman“, „Wonder Woman“) endlich nach, allerdings mit anderen Akzenten. Erstens versieht Brie Larson ihre Superheldinnenrolle mit vergleichsweise wenig Athletik, weshalb ihre Action-Kampfszenen das digitale Trick-Drumherum bitter nötig haben. Im Gegenzug bringt Larson eine trotzige Renitenz ein, mit der sie immer wieder die lächerliche Ernsthaftigkeit der Grunderzählung unterspielen kann.

Wenn sie nicht gerade in Digitalflammen gehüllt ist oder tiefste Stürze abfedert, wirkt diese Superheldin wie die perfekte ältere Schwester für weiße Teenager. Sie ist eben eine, die sich nicht so schnell ein X für ein U vormachen lässt, wenn sie in einem Hochbahnzug mit hoch gerecktem Kinn einem noch unbekannten Gegner nachspürt, mit derselben Mimik aber auch ihrem irdischen Verbündeten Fury argumentativ lässig den Wind aus den Segeln nimmt.

Amüsante Details und amüsante Dialoge

Samuel L. Jackson mit computertechnisch verjüngtem Gesicht sieht irgendwie bizarr aus, während Jude Law als Yon-Rogg eine faszinierende Ähnlichkeit mit Tom Jones zu Anfang der 1970er Jahre aufweist. Solche amüsanten Details und die vielen nicht minder amüsant geschriebenen und gespielten Dialogszenen sichern dem Film immer dann besonderen Unterhaltungswert, wenn gemäß einschlägigen Erwartungen nichts passiert. Was auch darin begründet liegt, dass, sobald gerannt, gestürzt oder geschossen wird, der Film aussieht wie irgendein Marvel-Superheldenfilm – virtuos und aufwendig in der Umsetzung, aber auf die Dauer bleiben die Dinge sich arg gleich.

Fürs Superheldenkino ist die partielle Rückkehr zum ironisiert Menschlichen so erfrischend wie Thor, der in einem Kleintiergeschäft nach einem Pferd verlangt, und das kann nur eine gute Nachricht sein. Das eher unerfahrene Arthouse-Regieteam Boden & Fleck („Half Nelson“) darf sich dafür feiern lassen. Im Hintergrund lächelt wie zuvor bei „Black Panther“ der Produzent Kevin Feige, der eigentliche Strippenzieher für die Grundsatzentscheidungen. Marvel überlässt nichts dem Zufall.

Captain Marvel USA 2019, 125 M., R Anna Boden, Ryan Fleck, D Brie Larson, Samuel L. Jackson, Jude Law