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DemenzGemeinsame Reise ohne Erinnerungen

4 min

Trotz der fremden Umgebung fühlt sich die demenzkranke Elke Gärtner geborgen - weil ihr Mann Lothar Gärtner da ist.

Ein Mann und eine Frau, beide schon älter. Gemeinsam unterwegs, mit dem Wohnwagen, zusammen auf dem Campingplatz, am See, in der urwüchsigen Natur des Baltikums. Es könnte ein ganz normaler Sommerurlaub sein, den das Ehepaar Gärtner auf den subtil stimmungsvollen Fotos von Sibylle Fendt verbringt. Aber schon die ersten Bilder dieses Bandes machen deutlich, dass etwas anders ist: "Ich will, dass du bist" steht in unsicheren Buchstaben auf einem Zettel, gleich dreimal, Frau Gärtner weint darüber am Küchentisch, betrachtet versunken ihren Schatten, und dann sind da diese Wunden an ihren Händen und Beinen.

Elke Gärtner ist durch ihre Demenzerkrankung schon deutlich eingeschränkt, als die Fotografin Sibylle Fendt sie und ihren Mann Lothar Anfang 2008 kennenlernt. Fendt hatte schon zuvor mehrfach Menschen in den Mittelpunkt ihrer Arbeiten gerückt, die angesichts einer Krankheit um die Selbstbehauptung kämpfen. Sie hat das Ehepaar Gärtner über Monate begleitet, unter anderem auf einer Urlaubsreise vom Heimatort in Süddeutschland bis nach Sankt Petersburg. Fendts Fotografien erzählen von dieser Reise, gleichzeitig erzählen sie davon, wie eine Krankheit mehr und mehr Besitz ergreift vom Leben eines Paares - aber sie erzählen vor allem von einer großen Liebe.

Lothar Gärtner ist die Belastung, nicht nur die Reise komplett allein zu organisieren, sondern zugleich auf seine Frau aufpassen und sie umsorgen zu müssen, auf den Bildern anzusehen. Elke Gärtner allerdings sieht man an, dass sie sich trotz der fremden Umgebung geborgen fühlt - weil er da ist. Der Alltag von Demenzkranken und ihren Angehörigen ist immer auch ein Kampf um Normalität. Die Gärtners haben diesen Kampf auf ihrer Reise noch einmal gewonnen. Das mitansehen zu können, macht Mut - trotz dieses unterschwelligen Gefühls der Verlorenheit.

Es gibt viele Urlaubsangebote für Demenzkranke und Angehörigen: von der betreuten Gruppenreise bis zum individuellen Hotelaufenthalt, ob in Deutschland, auf Mallorca oder in Thailand. Vermitteln können Reisebüros (Stichwort: Reisen mit Handicap), Listen mit Anbietern hält z.B. auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft vor. Auch Pflegedienste bieten zum Teil Urlaubsbegleitung an.

"Sie müssen schauen, was Sie können, nicht nur, was Sie wollen", sagt Dagmar Wüstenberg, die für die Alzheimer-Gesellschaft Schleswig Holstein ein Reiseprojekt betreut. Diese Fragen sollten Sie sich stellen:

Wie organisieren Sie die Anreise?

Das ist mit einem Demenzkranken manchmal nicht einfach.

Wollen Sie eine Rundum-Betreuung oder individuelle Spielräume?

Je durchorganisierter die Reise, desto mehr Sicherheit haben Sie, desto kompromissbereiter müssen Sie aber auch sein.

Informieren Sie sich: Wie ist die Betreuung gestaltet? Welche Erfahrung und Ausbildung haben die Betreuer?

Können sie getauscht werden, wenn der Betroffene nicht mit ihnen klarkommt? Gibt es Einzelbetreuung oder nur Gruppen?

Möchten Sie den Tag allein verbringen und einen demenzkranken Angehörigen so lange gut betreut wissen? Oder möchten Sie die Zeit gemeinsam verbringen, eventuell mit stundenweisen Entlastungsangeboten?

Möchten Sie vor Ort nur ausspannen oder eventuell eine Schulung für Angehörige machen, während der Kranke betreut ist?

Wie körperlich eingeschränkt sind Sie und Ihr demenzkranker Angehöriger? Wird die Ausstattung des Hotels dem gerecht? Passen die örtlichen Gegebenheiten - beispielsweise die Distanz zum nächsten Ort - zum persönlichen Radius? Brauchen Sie einen Pflegedienst vor Ort - und gibt es den? Fahren evtl. sogar Pflegekräfte mit? Dies ist bei einigen Gruppenangeboten der Fall.

Machen Sie sich klar: Im Urlaub ist nichts so wie zu Hause. Das Bett steht woanders, der Sessel nicht wie gewohnt am Fenster, die Steckdose im Bad ist auf der anderen Seite des Waschbeckens, der Spiegel hängt an anderer Stelle. Das hat Auswirkungen auf Demenzkranke und verwirrt sie womöglich.

Wenn eine Pflegestufe vorliegt, können Pflegeleistungen von den Kassen unter Umständen wie zu Hause übernommen werden, die Dienste vor Ort rechnen dann mit der Pflegekasse ab. Das sollten Sie aber vorab mit der Kasse klären.

Für Betreuungsangebote vor Ort können auch Leistungen der Verhinderungspflege (1550 Euro pro Kalenderjahr) eingesetzt werden. Zusätzliche Leistungen für besonderen Betreuungsbedarf (1200 bzw. 2400 Euro im Jahr) können häufig nicht eingesetzt werden, da ein Kriterium für ihre Auszahlung die Kontinuität des Angebotes ist. Diese ist aber nicht gewährleistet, wenn die Betreuung letztlich nur eine Woche im Jahr stattfindet. Bieten Hotels allerdings dauerhaft Betreuungsleistungen an, kann das anders sein - besprechen Sie auch das vorab mit Ihrer Kasse. Die Betreuung eines Demenzkranken während einer Reise kann, je nach Anbieter und Aufwand, etwa zwischen 400 und 1000 Euro zusätzlich zum Reisepreis kosten. (sio)

Deutsche Alzheimer Gesellschaft: im Internet unter Hilfen/Entlastungsangebote/Betreuter Urlaub mit Patienten, bestellbar unter

info@deutsche-alzheimer.de

www.dalzg.de

Alzheimer-Telefon: 01803/17 10 17 (9 Ct/Min. aus dem dt. Festnetz) oder 030/2 59 37 95 14,

Mo-Do 9-18 Uhr, Fr 9-15 Uhr

Demenz-Servicezentren: online

unter Unterstützung/Urlaubsangebote, Ansprechpartner: Koordinierungsstelle 0221/93 18 47 27

www.demenz-service-nrw.de