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Die neuen GroßväterOpa auf Augenhöhe mit den Enkeln

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An ihrem Ritual halten sie fest. Wenn Johanna (5) und Samuel (7) mittwochs ihre Großeltern besuchen, geht es zuerst zum Bäcker. Da darf sich jeder etwas aussuchen, auch Opa. Zurück im Haus wird gemeinsam Tee getrunken, das Gebäck verspeist und dann zusammen gespielt. Bei gutem Wetter mit dem Fußball im Garten, bei schlechtem am großen Holztisch im Esszimmer mit den Schwarzer-Peter-Karten. Zum Beispiel. An anderen Tagen erfindet der Großvater mit den Enkeln eigene Fantasie-Spiele, sie bauen einen Zug aus Wasserbehältern hinter dem Haus oder machen Musik mit der Holzrassel und dem Tamburin. Auch mal lauter. Dieter Golombek genießt es.

Vier Kinder, fünf Enkel

Vier Kinder und fünf Enkel hat der 74-Jährige, über die Erlebnisse mit den beiden Jüngsten, Samuel und Johanna, schreibt er Kurzgeschichten (siehe Kasten). Der Königswinterer ist leidenschaftlich gern Großvater: „Das Schönste ist die Lebensfreude der Kinder. Diese Lust am Entdecken der Welt.“ Während er das erzählt, blitzen seine Augen und ein Lächeln umspielt seinen Mund.

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Opa war Chefredakteur

Da der Vater von Johanna und Samuel alleinerziehend ist, sehen die Kinder ihre Großeltern oft, nicht nur mittwochs zum Spielen, auch sonntags, zum Mittagessen, wenn Oma lecker kocht. Dieter Golombek hat heute Zeit für seine Enkel. Das weiß er zu schätzen, weil es nicht immer so war. Als seine erste Enkelin vor 23 Jahren geboren wurde, stand er noch mitten im Berufsleben in leitender Funktion bei der Bundeszentrale für politische Bildung. Er war Chefredakteur verschiedener Magazine und entwickelte für die Konrad-Adenauer-Stiftung den Deutschen Lokaljournalistenpreis, bis zum vergangenen Jahr war er Vorsitzender der Jury.

Fit bleiben

Sein journalistisches Credo: „Sei ein Fragensteller, kein Antwortengeber“. Das passt auch auf den Umgang mit den Enkeln. „Wenn ich mit Johanna und Samuel zusammen bin, tue ich nicht so, als hätte ich den Stein der Weisen gefunden. Ich will auch mal provozieren und ihnen Offenheit für die Welt vermitteln. Auf Augenhöhe zu sein mit ihnen, das ist mir wichtig.“ Dass Großväter so sprechen, ist neu. Früher saß Opa im Lehnstuhl, rauchte Pfeife und erklärte der Jugend der Welt. Oder er beschwerte sich bei Oma, dass die Kinder heute wieder mal so laut sind. Fußball, basteln, vorlesen? Ach was.

Antworten gemeinsam erarbeiten

Dieter Golombek findet: „Heute bin ich als Großvater aus meiner Belehrungsrolle raus. Viel schöner ist es doch, sich die Antworten gemeinsam mit den Enkeln zu erarbeiten.“ Die Kinder wahr- und ernst zu nehmen, etwa wenn diese beim Besuch im Krankenhaus fragen: „Kann man da auch tot werden?“ Oder wenn sie beim Zweige-Aufsammeln im Garten sagen: „Das ist eine lange Arbeit, ich mag aber lieber kurze Arbeit.“

Wenn beide Generationen profitieren

Im Idealfall profitieren beide Generationen voneinander: Die Jungen von der Zeit und Erfahrung der Älteren, und Letztere vom Forschergeist, der Spontaneität und der puren kindlichen Freude am Leben. Großeltern spielen heute im Alltag ihrer Enkel und Kinder eine wichtige Rolle. Jedes dritte Kind unter sechs Jahren wird mindestens einmal pro Woche bei Oma und Opa betreut. Perfekt, wenn die Eltern der Eltern in der Nähe wohnen. Und wenn sie gesundheitlich noch fit sind.

Auch Dieter Golombek spielt immer noch Tennis, mit 74 keine Selbstverständlichkeit. Wenn er seine Morgengymnastik macht und die Enkel im Haus sind, machen diese begeistert mit. Die neuen Großeltern sind körperlich und geistig so gut drauf wie keine ältere Generation vor ihnen. Und im Regelfall sind sie verliebt in ihre Enkel.

Eltern bleiben die Spielführer

Doch bei den Golombeks gilt: Die Eltern sind die Spielführer und erzogen wird zu Hause. Wenn der Vater dabei ist, sagt er, wo es lang geht und seine Autorität wird auch vom Großvater nicht untergraben.

Aber Großeltern dürfen doch verwöhnen, oder? Mit Zeit immer, mit Materiellem nicht andauernd. „Wir beglücken unsere Enkel nicht ständig mit Kleinkram, sondern kaufen ihnen wenn, dann gezielt Dinge. Und zwar lieber Werkzeuge als fertige Spielzeuge.“ Das Schönste, was man mit Kindern tun könne, sei sowieso, gemeinsam etwas zu unternehmen.

Es darf auch Krach geben

Doch auch das Zusammensein mit den süßesten Enkeln ist nicht immer Rosarot. Dieter Golombek räumt offen ein, dass Samuel und Johanna „manchmal auch lästig werden können“, wenn sie da sind. „Mensch ärgere dich nicht“ zum Beispiel – mit beiden Kindern zusammen macht dieses Spiel so viel Spaß wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. „Weil sie in verschiedenen Altersstufen sind, gibt es dabei immer Krach, das klappt einfach nicht.“ Auch die Mittwoch-Enkeltage wurden inzwischen aufgeteilt: In der einen Woche kommt Samuel allein, in der anderen Johanna. So ist es stressfreier und fröhlicher für alle.

Überhaupt, die Fröhlichkeit. Eine der vielen Eigenschaften, die Dieter Golombek an seinen Enkeln bewundert. „Wenn sie bei uns übernachten, dann wachen sie morgens immer mit einem Lachen auf. Diese positive Welteinstellung und dieses täglich neue Sich-die-Welt-Erobern, das muss auch im Alter nicht aufhören.“ Das können auch moderne Großväter noch lernen. Die Enkel machen vor, wie es geht und das lässt sich imitieren. Man muss sich nur darauf einlassen. Am besten immer wieder.