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Eltern und LehrerWir müssen reden!

5 min

Wenn Eltern und Lehrer streiten, stehen sie dazwischen: Die Schüler.

Ein Anruf in der Redaktion. Judith Meier (Name geändert) möchte über ihre schlechten Erfahrungen mit einer Lehrerin berichten. Eines Tages sei ihr Sohn aufgelöst aus der Grundschule gekommen: Er traue sich im Unterricht von Frau L. nichts mehr zu sagen, weil sie ihn immer nur anschreie. Als er seine Beschwerden in den nächsten Tagen wiederholt, fragt Meier bei anderen Eltern nach. "Es kam heraus, dass das Geschrei der Lehrerin zwei Klassen weiter zu hören war - und sie sich offenbar öfter so lautstark mit Schülern verständigt", erzählt die 52-Jährige. Als die Pädagogin, angesprochen auf ihre Lehrmethoden, abwiegelt, bittet Meier den Schulleiter um ein Gespräch. "Das ging aus wie das Hornberger Schießen", sagt sie. "Es gab zwar eine schriftliche Vereinbarung. Passiert ist danach aber gar nichts." Frustriert habe sie sich dann an die Schulaufsichtsbehörde gewandt. "Der Mann vom Schulamt sagte, er wüsste schon länger von den Schwächen der Kollegin. Man müsse sie schützen. Die Frau habe private Probleme und schon mehrere Schulwechsel hinter sich." Wenn man Lehrer vor nervigen Eltern schützen müsse, fragt Meier: "Wer schützt dann unsere Kinder vor schlechten Lehrern?" Geschichten wie diese hört man in Elternkreisen immer wieder. Sogenannte Problemlehrer sind ein beliebtes Gesprächsthema. Auf Pädagogen-Partys bekommt man aber oft die umgekehrte Klage zu hören: Eltern, die sich wegen jeder Kleinigkeit einschalten und für bessere Noten ihrer Kinder auch mal mit rechtlichen Schritten drohen. "Helikoptereltern" nennen Medien wie "Der Spiegel" neuerdings solche überbehütenden Erziehungsberechtigten. "Eltern, die sich wie ein Beobachtungs-Hubschrauber ständig in der Nähe ihrer Kinder aufhalten, um diese zu überwachen und zu behüten", definiert Wikipedia. Problemlehrer und Helikoptereltern: zwei Kampfbegriffe, die der Schulalltag in den vergangenen Jahren geprägt hat. Sie legen nahe, dass es um das Verhältnis zwischen Lehrern und Eltern in Zeiten steigenden Schuldrucks immer schlechter bestellt ist. Aber stimmt das auch?

"Machen wir uns nichts vor, es gibt gute Lehrer und es gibt Problemlehrer", sagt Barbara Kols-Teichmann, Geschäftsführerin der Landeselternschaft Gymnasien in NRW. Zweifellos gebe es Pädagogen, die Schüler und Eltern an den Rande des Nervenzusammenbruchs brächten, ebenso wie manche Mütter und Väter den Klassenfrieden durch ihre dauernde Einmischungen störten. Aber die Grundstimmung an deutschen Schulen spiegeln solche Negativ-Beispiele offenbar nicht wieder. Zumindest drehten sich nur 27 der mehr als 1300 Elternberatungen bei der Landeselternschaft Gymnasien NRW um das Thema "Problemlehrer".

Auch Bildungsforscher geben Entwarnung. "Aktuelle Studien zeigen, dass sich das Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule positiv entwickelt hat", erklärt Dagmar Killus, Professorin für Erziehungswissenschaft an der Uni Hamburg. So schätzen Eltern laut einer aktuellen Emnid-Umfrage im Auftrag des Kindermodenherstellers Jako-O die Beziehungen zu den Lehrern ihrer Kinder überwiegend positiv ein (siehe Grafik). Ihre Sicht deckt sich mit der von Lehrern: Nach den Ergebnissen einer Allensbach-Studie, ebenfalls aus diesem Jahr, beschreiben 74 Prozent der Lehrer das Verhalten von Eltern ihnen gegenüber als "eher gut" oder "sehr gut".

Also alles halb so schlimm an der Eltern-Lehrer-Front? "Es gibt Einschränkungen", sagt Killus, die als Forscherin federführend an der Jako-O-Befragung mitgewirkt hat. "Nach den Ergebnissen unserer Studie nehmen Eltern Lehrer als sehr kooperationsbereit wahr. Allerdings berichten relativ wenige davon, dass Lehrer auch von ihnen etwas über ihr Kind erfahren wollen." Zudem hängt der Schulfrieden offenbar auch von der Schulform ab; Grundschuleltern äußern sich positiver als Eltern, deren Kind eine weiterführende Schule besucht. So sagen etwa 90 Prozent der Grundschuleltern, dass Lehrer sehr gut erklären können. Von den Gymnasialeltern behaupten das nur 66 Prozent. Dass Lehrer alles tun, damit auch die Schwächeren mitziehen, glauben 76 Prozent der Eltern an der Grundschule - am Gymnasium denkt das nur knapp die Hälfte.

Über "atmosphärische Störungen" mit Lehrern klagen vor allem jene Mütter und Väter, die sehen, dass ihr Kind vom Stoff überfordert ist. "Oft belasten enttäuschte Bildungserwartungen das Verhältnis", sagt Dagmar Killus. "Eltern hoffen auf Schulererfolg, Lehrer entscheiden darüber mit ihren Noten." Das gehe solange gut, bis die ersten schlechten Noten kämen. Dass Eltern hier empfindlich reagierten, sei nachvollziehbar, meint die Forscherin: "Lehrer müssen dann professionell genug sein, Verständnis aufzubringen, Brücken zu bauen und eine gemeinsame Lösung zu finden." Leider werde aber gerade die Kommunikation mit Eltern in der Lehrerausbildung sträflich vernachlässigt.

Und was sollten Eltern tun, wenn es zwischen ihrem Kind und einem Lehrer kracht? Barbara Kols-Teichmann rät zunächst zum "vertrauensvollem Gespräch" mit dem Lehrer. Oft sei die Sache gar nicht so schlimm, wie das Kind sie ausmale. Findet sich keine Lösung, sollte man das Problem auch mit dem Schulleiter besprechen (siehe dazu das Interview unten).

Von Hospitationen im Unterricht hält die Elternvertreterin ab einem bestimmten Alter der Schüler wenig: "Muten Sie einem pubertierenden Jungen nicht zu, dass sich seine Mutter zu ihm in den Unterricht setzt!" Stelle sich ein Lehrer dann tatsächlich als "Problemlehrer" heraus, rät die Landeselternschaft meist dazu, dass der Pädagoge zunächst mal die Klasse wechsele, sagt Kols-Teichmann.

"Manchmal stimmt einfach die Chemie zwischen einem Lehrer und einer bestimmten Klasse nicht. In einer anderen hat er dann vielleicht sogar Fans."

Von solchen Verschiebemaßnahmen hält Judith Meier wenig. Dass Lehrer oder Schüler die Klasse oder gar die Schule wechseln, sei doch keine Lösung für schulische Probleme, sagt die Mutter. Oder eben nur die allerletzte.