Köln – Auf tierische Inhaltsstoffe im Essen zu verzichten hat seit einigen Jahren eine Bezeichnung, die inzwischen in aller Munde ist: vegan. Der Vegetarierbund beziffert die Anzahl der Veganer in Deutschland inzwischen auf 900 000.
Doch wer glaubt, vegan sei automatisch gesund, glaubt falsch. Denn viele Veganer schnippeln nicht nur Apfel- und Möhren-Schnitze - viele greifen auch gerne zu Fertigprodukten und industriell verarbeiteten Ersatzprodukten. Die Promi-Köchin Sarah Wiener bezeichnete die vegane Ernährungsweise jüngst als Mangelernährung und für Kinder als alles andere als sinnvoll. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) ist dieser Ansicht.
Wiener hatte schon im März dieses Jahres die vegane Ernährung als ökologisch inkonsequent gegeißelt: "Auch vegane Industrieprodukte lassen Böden erodieren, versauen das Klima und vergiften das Wasser. Das System, in dem sie entstehen, ist ebenso grundlegend falsch wie das System der Fleischproduktion", schrieb Wiener in einem Gastbeitrag für das Magazin Enorm. Verbraucherschützer unterscheiden gering verarbeitete Produkte wie Sojamilch, Tofu und Tempe und stark verarbeitete Produkte, wie Wurst- oder Käseersatzprodukte. "Generell gilt, je stärker industriell verarbeitet, umso genauer sollte man hinschauen", sagt Gabriele Graf, Ernährungsexpertin von der Verbraucherzentrale in Düsseldorf. In Rheinland-Pfalz nahmen Grafs Kollegen 115 Fleischersatz-Produkte in den Markt-Check und prüften sie auf Fett-, Zucker- und Salzgehalt, aber auch den Anteil von ungesättigten Fettsäuren. Ergebnis: 77 Prozent enthalten zu viel Salz.
Jede Menge Chemie im Essen
Problematisch sei, dass traditionelle Hersteller von Wurstwaren nun ihre fleischlosen Produkte auf den Markt brächten und dabei den Fleischgeschmack mit Aromastoffen, Stabilisatoren und Salz zu imitieren versuchten. Eine Alternative könne es sein, auf Produkte aus dem Bio-Segment zurückzugreifen. Hier gäbe es viele Hersteller, die sich auf pflanzliche Brotaufstriche und vegane Alternativen spezialisiert hätten, so Graf.
Wer sich vegan ernährt, müsse besonders darauf achten, dass er sich ausreichend mit Nährstoffen versorgt, sagt Professor Heike Englert, Ernährungswissenschaftlerin von der FH Münster. Zum Beispiel müssen Veganer darauf achten, dass sie Eiweiß-Lieferanten, wie Vollkorn, Nüsse, Getreide und Hülsenfrüchte zu sich nehmen, um den Mangel an tierischem Eiweiß auszugleichen. Auch Eisen, Kalzium und Jod, das in Fleisch, Milchprodukten und Fisch steckt, müssen Veganer durch gezielten Verzehr etwa von eisenhaltigem Gemüse, kalziumhaltigen Mineralwasser und jodhaltigem Speisesalz ersetzen.
Was sich nicht ausgleichen lässt durch spezielle Lebensmittel, muss auf künstliche Art zugeführt werden : "Vitamin B12 sollten Veganer als Nahrungsergänzungsmittel zu sich nehmen, das steckt nun mal nur in Fleisch und nirgendwo sonst", so Englert.