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Experten-TippsSchutz vor Schädlingen im Garten

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Die roten Wegschnecken hinterlassen Schleimspuren und Fraßstellen, sind allerdings leicht zu entfernen. (Foto:dpa)

Frischen Salat ernten, sonnengereifte Tomaten, eigene Äpfel und im Winter Grünkohl: Zu Beginn der Gartensaison sind Pläne und Optimismus groß. Doch dann kommt alles ganz anders: Der Salat fällt Schnecken zum Opfer, durch die Äpfel haben sich Larven gefressen, und der Grünkohl sitzt voller unappetitlicher weißer Fliegen. Auch mit guter Pflege lässt sich das Geschehen im Garten nie ganz beherrschen. Eine Schnecke oder zehn Blattläuse sind noch kein Grund, einzugreifen. Doch wenn die Schädlinge das Gleichgewicht stören oder wenn sich Krankheiten ausbreiten, heißt es: Gegensteuern. Beispiele, wie das möglichst naturnah geschehen kann, zeigt Experte Ralf Jung von der Landwirtschaftskammer NRW auf dieser Seite.

Schnecken

Schadbild: Fraßstellen, Schleimspuren.

Schädling: Die rötliche Spanische Wegschnecke (Arion lusitanicus) und die kleinere dunkelgraue Gartenwegschnecke (Arion hortensis) sind überwiegend nachts aktiv. Eier legen sie als gut sichtbare weiße Klumpen in den Boden.

Hilfe: Bretter und Steine auslegen, Schnecken darunter absammeln und aus dem Garten entfernen. Aufbau eines Schneckenzaunes. Einsatz von Bio-Molluskizid (u.a. Ferramol Schneckenkorn). Fadenwürmer (Nematoden) wirken nur bei der Genetzten Ackerschnecke. Förderung der Nützlingsfauna (Nützlingshotel, Mischkultur, Blütenpflanzen).

Kirschfruchtfliege

Schadbild: Bis sechs Millimeter lange weiße Maden in reifen Kirschen. Besonders gefährdet sind mittlere und späte Sorten.

Schädling: Die Kirschfruchtfliege (Rhagoletis cerasi) legt ihre Eier in Früchte, wenn diese sich von grün nach gelb verfärben. Die Larve verlässt die Frucht und verpuppt sich in der obersten Bodenschicht. Aus der Puppe schlüpft im nächsten Mai/Juni eine neue Kirschfruchtfliege.

Hilfe: Gelbe, beleimte Kirschfruchtfliegenfallen aufhängen. Hühner fressen befallene Früchte vom Boden. Frühreifende Sorten bieten einen gewissen Schutz. Kleine Bäume einnetzen.

Frostspanner

Schadbild: Ab Mitte April fressen kleine grüne Raupen an Triebspitzen.

Schädling: Unscheinbarer Kleinschmetterling. Mit Beginn der Nachtfröste ab Oktober schlüpfen die Tiere aus ihrem Bodenversteck, in dem sie den Sommer als Puppe verbringen. Männchen fliegen bei Dunkelheit, die flugunfähigen Weibchen krabbeln an Stämmen empor und legen Eier an junge Triebe. Larven schlüpfen im Frühjahr.

Hilfe: Gehölze ab Anfang Oktober mit Leimringen schützen, am Stamm und gegebenenfalls auch am Pfahl befestigen. So kommen die Weibchen nicht in die Baumkrone. Nach Knospenaufbruch gegebenenfalls mit Bio-Insektizid spritzen (unter anderem Raupenfrei Xentari).

Brombeergallmilbe

Schadbild: Unregelmäßiges Ausreifen der Früchte. Brombeeren bleiben ganz oder teilweise rot.

Schädling: Gallmilbe (Acalitus essigi) wird 0,1 bis 0,17 Millimeter lang. Die Brombeergallmilbe überwintert unter Knospenschuppen, an Stängelteilen oder vertrockneten, am Strauch hängengebliebenen Früchten. Im Frühjahr wandern die Milben direkt auf Blüten und junge Beeren und schädigen sie durch Saugen.

Hilfe: Zur Beseitigung der Winterverstecke sind Brombeerranken im Herbst möglichst weit zurückzuschneiden. Zum Austrieb Einsatz Bio-Insektizid sprühen, zum Beispiel Naturen Bio Schädlingsfrei.

Apfelschorf

Schadbild: Auf Früchten kleine, runde, dunkle Flecke, die sich ausdehnen. Bei starkem Befall reißt die Fruchtschale schorfig auf. Auf Blättern graubraune Flecken mit samtigem Aussehen.

Erreger: Die Krankheit wird durch Schorfpilz (Venturia inaequalis) verursacht.

Hilfe: Bei Neupflanzung resistente Sorten auswählen, zum Beispiel "Topas". Baumkronen durch Schnitt locker und luftdurchlässig halten. Befallenes Laub einsammeln und in Bio-Tonne entsorgen. Mit Bio-Fungiziden (unter anderem Netzschwefel, Atempo Kupfer Pilzfrei) spritzen, ab Austrieb bis Ende der Blüte. Vom Austrieb an Pflanze mit Acker-schachtelhalmbrühe (s. links unten) stärken.

Monilia Spitzendürre

Schadbild: Nach dem Austrieb wird ein großer Teil der Blüten braun und stirbt ab. Vertrocknetes bleibt bis zum Winter hinein am Baum hängen.

Erreger: Der Monilia-Pilz (Monilia laxa) dringt über die Blüte in die Pflanze ein. Regen während der Blühperiode fördert die Infektionsgefahr.

Hilfe: Abgestorbene Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneiden. Vitale Bäume mit kräftigen Trieben sind widerstandsfähiger als vergreiste Sauerkirschen mit langen Peitschentrieben. Bei Neupflanzungen widerstandsfähige Sorten ("Achat", "Morina") wählen. Ab Beginn Blüte Pflanzenstärkung mit Ackerschachtelhalmbrühe.

Birnengitterrost

Schadbild: Kleine gelbe, dann größere, orange Flecken auf den Blättern. Im Spätsommer und Herbst höckerähnliche Gebilde auf den Blattunterseiten, die Sporenlager.

Erreger: Der Rostpilz (Gymnosporangium sabinae) befällt neben der Birne auch Wacholderarten. Die Infektion geht im Frühjahr zur Zeit der Birnenblüte von befallenen Wacholderpflanzen aus.

Hilfe: Nur in der Nähe stehende befallenen Wacholder entfernen. Ab Beginn des Austriebs die Pflanze mit Ackerschachtelhalmbrühe stärken, ab Austrieb mit Mitteln wie zum Beispiel Neudo-Vital.

Echter Mehltau

Schadbild: Ein weißer und mehlartiger Belag auf Früchten und Trieben, der sich später samtartig dunkelbraun verfärbt.

Erreger: Der Belag wird von verwobenen Pilzfäden gebildet, auf denen sich Sporen entwickeln. Dadurch werden weitere Blätter und Beeren angesteckt. Der Pilz (Sphaerotheca mors-uvae) überwintert auf den Trieben.

Hilfe: Befallene Früchte und Triebe auspflücken und -schneiden und in der Bio-Tonne entsorgen. Durch Schnitt für luftigen Strauch sorgen. Ab Beginn des Austriebs Ackerschachtelhalmbrühe gießen. Ab Austrieb kann mit Bio-Fungizid (unter anderem Netzschwefel) gespritzt werden. Bei Neupflanzung widerstandsfähige Sorten wie "Invicta" und "Remarka" wählen.