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Experten warnenMuttermilch aus dem Internet

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Muttermilch kann man heutzutage auch im Internet bekommen.

Das Internet ist ein idealer Handelsplatz für Waren aller Art. Jetzt ist eine Plattform für ein besonderes Gut hinzugekommen: Muttermilch. Bei muttermilch-boerse.de können stillende Mütter ihren Überfluss an Mütter, die keine Milch haben, verkaufen. Wer möchte, kann sie auch verschenken. "Muttermilch aus vegetarischer Ernährung", "Liebevolle vegane Stillmama sucht hungrigen Fratz" - so und ähnlich lauten die Inserate. Wer drauf klickt, öffnet eine Selbstbeschreibung der Verkäuferin/Spenderin. Bianca etwa:

"Mein drittes Kind stillt noch gern und häufig. Die Milchproduktion ist gut im Gang. Als Amme konnte ich bereits Erfahrungen sammeln und so biete ich hier meine Milch an. Ich ernähre mich vollwertig und gesund, hauptsächlich bio, und esse etwa zweimal pro Woche Fleisch (kein Schweinefleisch oder sonstige Produkte vom Schwein). Eine Tasse Kaffee am Morgen ist mein einziges Laster. Selbstverständlich nehme ich keine Drogen oder Medikamente (auch keine stillfreundlichen) ein. Ich rauche nicht, lebe in rauchfreier Umgebung und trinke seit über 20 Jahren keinen Alkohol, auch nicht "mal ein Glas".

Mit fünf Euro pro 100 Milliliter liegt Bianca preislich im Durchschnitt. Wie die Muttermilch versandfertig gemacht wird - mit Kühlakkus in Styroporboxen - wird auf der Seite erklärt. Auch auf die Risiken wird hingewiesen. Initiatorin ist die Hamburgerin Tanja Müller, die mit dem Stillen extreme Erfahrungen gemacht hat. Bei der Geburt ihres Sohnes konnte sie wegen einer Brustentzündung nicht stillen, als ein Jahr später ihre Tochter als Frühchen zur Welt kam, hatte sie zuviel Milch, die schließlich im Abfluss landete. Es war in der Klinik, in der ihre Tochter lag, nicht erlaubt, ihre Muttermilch an eine andere Mutter weiterzugeben. Diesem Missstand möchte Tanja Müller nun mit ihrer privaten Internet-Milch-Börse begegnen.

Werner Neuhaus, Chefarzt der Frauenklinik Holweide, wundert sich über das neue Portal. Abgesehen davon, dass keinerlei hygienische Standards verbindlich seien und das Risiko, unreine Milch zu erwerben unvertretbar sei, habe das Füttern mit fremder Muttermilch keinen erkennbaren Vorteil, so der Medizinprofessor. "Das, was am Stillen wichtig, ist, also der Allergieschutz des Säuglings, ist ja nur gegeben, wenn die Milch von der leiblichen Mutter stammt. Und auch das Bonding, die innige Mutterkind-Bindung, die durch das Stillen entsteht, kommt nicht zum Tragen." Pulvermilch sei im übrigen qualitativ absolut einwandfrei und mit Sicherheit hygienisch deutlich unbedenklicher als die Milch einer Fremden.

Prinzip der Frauenmilchbanken

Das Prinzip der Frauenmilchbanken ist nicht neu. In Leipzig wird seit 1952 Muttermilch gesammelt - unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. "Das Blut jeder Spenderin wird auf Hepatitis-B- und C-Viren, HIV und Syphilis untersucht. Außerdem muss sie gesund sein und noch genug Milch für ihr eigenes Kind haben", erklärt Corinna Gebauer, Kinderärztin an der Uniklinik Leipzig. Die Milch kommt ausschließlich Frühgeborenen und auch nur nach ärztlicher Verordnung zugute. "Insbesondere bei Frühgeburten kann mit Hilfe solcher Milchreserven die erste Versorgung vorgenommen werden." Muttermilch ist gerade für Frühchen geeignet, die weniger als 1000 Gramm wiegen, da der winzige Darm diese besser verdauen kann. Ein Geschäft macht hier keine der Frauen. "Wir zahlen nur eine Aufwandsentschädigung von 6,50 Euro pro Liter, die Spende soll von Herzen kommen", so Gebauer. In der größten Milchbank der Republik werden im Jahr 1200 bis 1400 Liter Muttermilch gesammelt. Darüber hinaus wird jede einzelne Flasche vor Verwendung mikrobiologisch auf Erreger getestet. Bei Tanja Müller ist der Austausch der Milch "basierend auf dem Vertrauen zwischen zwei Müttern, die das Beste für ihre Kinder wollen."