Köln – Jahr für Jahr erkranken in Deutschland 62 430 Menschen neu an Darmkrebs, rund 26 000 sterben an den Folgen der Erkrankung. Damit ist Darmkrebs hierzulande nach Lungenkrebs die zweithäufigste Todesursache durch Krebs. Darauf weist die Felix-Burda-Stiftung zum Darmkrebs-Aktionsmonat im März hin. Dabei ist Darmkrebs verhinderbar. Denn er entsteht über viele Jahre hinweg aus gutartigen Vorstufen, sogenannten Adenomen. Werden diese bei einer Darmspiegelung entfernt, kann der Krebs erst gar nicht entstehen. Ab dem 55. Lebensjahr bezahlen die gesetzlichen Kassen ihren Versicherten eine Darmspiegelung, die bei negativem Befund nach zehn Jahren wiederholt werden kann.
Selbst wenn man keinerlei Beschwerden habe, sei eine Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme zu empfehlen, betont Gastroenterologin Elke Christiane Bästlein. Das Tückische an Darmkrebs sei nämlich, dass es keine frühen Anzeichen gebe. „Aufgrund des langsamen Wachstums und des gleichzeitig großen Platzangebot im Darm treten Symptome wie Blässe und Schwächegefühl, sichtbarer Blutabgang, Gewichtsverlust oder plötzliche Änderungen der Stuhlgewohnheiten und Bauchschmerzen oft sehr spät auf. In vielen Fällen erst, wenn der Tumor schon gestreut hat.“
Trotzdem gibt es für Darmkrebspatienten eine gute Nachricht: Dank einer rasanten wissenschaftlichen Entwicklung hat sich ihre Prognose im Laufe der vergangenen Jahre deutlich verbessert. „In der Therapie tut sich extrem viel. Ein Patient, der heute an Darmkrebs erkrankt, hat eine um nahezu ein Jahr längere Lebenserwartung als es noch vor ein paar Jahren der Fall war“, berichtet Privatdozent Thomas Zander vom Darmzentrum am Centrum für Integrierte Onkologie. Neben der medikamentösen Therapie gebe es vor allem die Fortschritte in der chirurgischen Therapie. „Die Grenze, wo wir noch heilend operieren können, hat sich in den vergangenen zehn Jahren verschoben.“ Selbst Krebserkrankte mit einer Fernmetastase hätten heute dank verbesserter Chirurgie eine realistische Heilungschance.
Auch Elmar Kleimann, chirurgischer Chefarzt am Franziskus-Hospital, bestätigt, dass die Chirurgie enorme Fortschritte gemacht habe. Inzwischen könnten viele Tumore sogar minimalinvasiv – ohne großen Bauchschnitt – operiert werden. Und selbst bei fortgeschrittenem Darmkrebs könne je nach Anzahl und Lokalisation der Metastasen noch viel erreicht werden. „Inzwischen gibt es sogar bei fortgeschrittenem Darmkrebs viele Langzeitüberlegende“, so Kleimann. Ein Rückgang der Rezidivrate etwa bei fortgeschrittenem Mastdarmkrebs sei erreicht worden, weil man vor die OP eine Radio-Chemotherapie schalte.
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Einen weiteren Grund für die insgesamt verbesserte Prognose für Darmkrebspatienten sieht Onkologe Kai Severin in der immer individueller und passgenauer werdenden Therapie. „Wir müssen nicht mehr eine Chemotherapie-Gießkanne einsetzen, sondern können dank der Molekulardiagnostik spezifische und passgenau für einzelne Patienten zugeschnittene Medikationen einsetzen.“ Zudem profitierten Patienten davon, dass alle einen Krebspatienten betreuenden Ärzte Hand in Hand arbeiten. „Gerade im Bereich Köln gibt es eine extrem gute Vernetzung.“
Trotz allen Fortschritts: Wie Darmkrebs entsteht, ist noch immer nicht hinreichend erklärt. „Als Risikofaktoren gelten Übergewicht, Zuckerkrankheit und der häufige Konsum von »rotem« Fleisch“, erklärt Elke Bästlein. Die Häufigkeit nehme zudem mit dem Alter zu. Eine gesonderte Rolle spielen familiäre Dispositionen. Bästlein schätzt, dass zwar nur drei bis fünf Prozent der Darmkrebserkrankungen auf eine erbliche Veranlagung zurückgehen, die aber kann das Erkrankungsrisiko auf 60 bis 100 Prozent steigern.