Der Jüngling Narziss war eitel. Er ergötzte sich an seinem Spiegelbild - und verliebte sich in sich selbst, erzählte der römische Dichter Ovid in seinen "Metamorphosen". Unglücklich darüber, dass Narziss sich selbst nicht lieben konnte, starb er. Seine Leiche verschwand, aber zurück blieb die Frühlingsschönheit Narzisse. Die Beschreibung der Blume durch den Dichter entspricht recht eindeutig der Dichternarzisse (Narcissus poeticus), die im Frühling mit ihren weißen Blüten einen intensiven Duft in die Gärten bringt.
Das goldgelbe Blütenmeer, das meist um Ostern herum im Garten zum Vorschein kommt, stillt die Sehnsucht nach Wärme und Farbe nach dem langen Winter. Sie ist auch ein Sonnengewächs: "Der Ursprung der Narzissen-Arten liegt auf der iberischen Halbinsel", sagt Armin Jagel, Vorstandsmitglied im Botanischen Verein Bochum. "Hier kommen die allermeisten der etwa 60 Wildarten vor."
Zwei Arten sind in Deutschland heimisch
Die typische Blüte ist rundlich aufgebaut. Der Biologe nennt sie radiärsymmetrisch. "Das Besondere ist die Nebenkrone", sagt Jagel. Eine Tulpe habe sechs einzelne Blütenblätter. "Bei der Narzisse sind es auch sechs, aber sie sind miteinander verwachsen. Im Zentrum steht eine breite oder schmale Röhre, die Nebenkrone heißt." Sie ist der einzige duftende Teil der Blüte, denn hierein werden die Insekten gelockt, um die Bestäubung zu vollziehen.
In Deutschland sind nach Angaben des Diplom-Biologen zwei Arten heimisch. "Die Gelbe Narzisse (Narcissus pseudonarcissus) wächst beispielsweise in der Eifel, wo man sie einfach nur Osterglocke nennt", erläutert Jagel. In den westlichen Alpen kommt die Stern-Narzisse (Narcissus radiiflorus, Syn. N. poeticus subsp. radiiflorus) wild vor. Beide Arten gelten als gefährdet oder stark gefährdet.
"Narzissen, die man in Gärten und im Blumencenter findet, sind Sorten, die durch Hybridisierung der genannten Arten mit weiteren Arten aus dem Mittelmeerraum entstanden sind", sagt der Botaniker Jagel. Es gebe rund 24 000 verschiedene Sorten. Allerdings findet man nur etwa 50 Sorten tatsächlich im Handel.
Unterschiedliche Sorten
Die Sorten unterscheiden sich in der Blütengröße, -form und -farbe sowie in Wuchshöhe und Blütezeit. Auch Winterhärte und Blühwilligkeit sind Aspekte, die Züchter berücksichtigen. Das Farbspektrum variiert von Weiß über Gelb bis Lachsrosa, wobei der äußere Kranz und Nebenkrone unterschiedlich gefärbt sein können. Schaut man sich den natürlichen Standort der Gelben Narzisse an, kann man Rückschlüsse auf einen optimalen Platz im Garten ziehen. "Auf Wiesen, die im Frühjahr nass sind, fühlen sich viele Narzissen wohl", sagt Katharina Adams, Präsidentin der Gesellschaft der Staudenfreunde (GdS) in Ettenheim (Baden-Württemberg). "Das ist anders als bei den meisten Zwiebelpflanzen." Sie rät daher, Tulpen und Narzissen nicht zusammenzupflanzen.
"Ideal ist beispielsweise ein nasser Rasen." Dieser wird natürlich regelmäßig gemäht - man sollte die Blätter der Narzissen aber stehen lassen, bis sie gelb werden. Auch im Beet schneidet man das Laub nicht zurück, sondern zupft es erst ab, wenn es sich leicht löst. "Im Staudenbeet verwendet man Narzissen vor allem als Vorblüher", sagt Adams. Die später treibenden Prachtstauden verdecken das gelb werdende Laub, wenn die Zwiebeln im mittleren bis hinteren Bereich gepflanzt werden.
Frische Erde ist wichtig
Wichtig sei eine gut versorgte, im Frühjahr frische Erde. "Zwischen Wiesenstauden fühlen sich die Narzissen sehr wohl", erläutert die Buchautorin. Für halbschattige Waldbereiche empfiehlt Adams Narzissen als Unterpflanzung von Rhododendren. "Gerade mit Hosta kann man die Frühlingsblüher gut verbinden, da das gelb werdende Laub von den großen Blättern der Funkien verdeckt wird." Zu den Polsterstauden im Steingarten passen die kleineren Arten. Auch Sorten, an denen Arten aus dem Mittelmeerraum beteiligt sind, vertragen nach Angaben von Jagel besser lockere Böden mit einem guten Wasserabzug, da sie sonst leicht faulen können.
Sehr weit verbreitet ist die Sorte "Tête-à-tête" mit kleinen gelben Blüten. "Sie heißt so, weil oft zwei Blüten an einem Stängel zusammenstehen - also Kopf an Kopf", erläutert Jagel. Sie gedeiht nicht nur im Garten, sondern auch auf der Fensterbank. An diesem Standort kommt seit einigen Jahren die Sorte "Bridal Crown" mit cremefarbenen gefüllten und stark duftenden Blüten gut an.
Will man Narzissen in Töpfe oder Kästen auf Balkon und Terrasse pflanzen, so rät Jagel zu Vorsicht: "Die Zwiebeln vieler Sorten und Arten scheinen mir sehr frostempfindlich", sagt der Diplom-Biologe. Im Boden sitzen die Zwiebeln so tief, dass sie vor Kälte geschützt sind. Im Topf frieren die Zwiebeln aber leicht durch und verfaulen nach dem Auftauen. Es empfiehlt sich daher, die Narzissen für Balkonkästen und Kübel im Freien erst im Frühjahr vorgetrieben zu kaufen. Nach der Blüte können sie dann in den Garten ausgepflanzt werden.
Von Jahr zu Jahr ein dichterer Horst
Haben sich die Narzissen im Garten etabliert, bilden sie von Jahr zu Jahr einen dichteren Horst. Blühen sie nicht mehr so gut, ist der Zeitpunkt zum Teilen gekommen. Dazu nehme man die Zwiebeln, wenn sie das Laub eingezogen haben, aus dem Boden und schüttele die Erde ab, erläutert Adams. Dann erkenne man, dass sich rund um die einst gepflanzte Zwiebel kleinere gebildet haben. "Beim Teilen nimmt man diese Seitenzwiebeln vorsichtig mit der Hand ab", sagt die Verbandspräsidentin. Sie rät davon ab, die Horste grob mit Spaten oder Messern zu zerteilen - das zerstöre die Zwiebeln.
