Köln – Es ist so eine Sache mit Zahlen. Je nachdem, wer sie in die Hände bekommt und wie sich die Zahlen für den Betreffenden anfühlen, kommt bei dem einen dies, beim anderen das heraus. Eine aktuelle Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid hat jetzt ergeben, dass 78 Prozent der Deutschen wissen, warum wir Ostern feiern. Andersherum: Jeder fünfte Deutsche, 22 Prozent, weiß es nicht.
Es wird noch komplizierter. Von denen, die es wissen, weiß nämlich jeder etwas anderes. Ostern ist das Fest des Frühlingsanfangs - glauben fünf Prozent. Es ist die Rückkehr Jesu Christi zu Gott - sagen vier Prozent. Es ist die Geburt Jesu (drei Prozent). Oder die Entsendung des Heiligen Geistes (ein Prozent).
Immerhin gab eine Mehrheit die richtige Antwort: Ostern ist das Fest der Auferstehung Christi. Und das macht in Zeiten wie diesen zufrieden: "Erfreulich" findet Kardinal Reinhard Marx, Ratsvorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, das Ergebnis. Natürlich wünsche man sich immer 100 Prozent, aber die Zahlen zeigten, "dass die christliche Botschaft nicht vergessen ist".
Naja. Andere Zahlen zeigen, dass die christliche Botschaft, wenn man sie denn kennt, jedenfalls nicht unbedingt im Vordergrund des Festes steht. Eine Umfrage von deals.com ergab, dass 85 Prozent der Ostdeutschen mit Begeisterung Osterbräuche pflegen, im Westen dagegen sind es nur 70 Prozent. Osterbrauch Nummer eins: Eier suchen. Osterbrauch Nummer zwei: Geschenke! Immerhin 32 Euro berappen die Deutschen im Osten im Schnitt für Osterpräsente. Wer sich jetzt an Weihnachten erinnert fühlt - jawohl: Jeder zehnte Ostdeutsche mag den Osterhasen mehr als den Weihnachtsmann. Was beide gemeinsam haben: Sie kommen im christlichen Glauben nicht vor.
Christlich betrachtet, liest sich Ostern so: Gründonnerstag steht für den Tag, an dem Jesus von Judas verraten wurde - wichtigste Botschaft dieses Tages ist die Nächstenliebe. Karfreitag wurde der biblischen Überlieferung nach Jesus verurteilt und gekreuzigt. Ostersonntag wird die Auferstehung Jesu von den Toten gefeiert. An Ostermontag, so die Bibel, trafen zwei Jünger auf dem Weg nach Emmaus einen Mann, den sie später als Christus erkannten - sie gingen daraufhin zurück nach Jerusalem und erzählten, Christus sei auferstanden. Daraus entwickelte sich der Brauch des Emmaus-Ganges - oder schlicht des Oster-Spazierganges.
Die reine Lehre gibt es dennoch nicht. Viele christliche Bräuche sind zuerst heidnische Bräuche gewesen - die Osterkerze zum Beispiel. Der Osterhase dagegen ist weder heidnisch noch christlich. Erstmals erwähnt hat ihn der deutsche Medizinprofessor Georg Franck von Franckenau anno 1682. Er schrieb, der Osterhase sei "eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet". Das Aufbinden klappt bis heute, wie wiederum Umfragen belegen: Jeder dritte Westdeutsche und jeder vierte Ostdeutsche glauben laut deals.com an ihn - als Kinder.
