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Ganz der VaterDen Eltern in den Beruf folgen

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Wie der Vater, so der Sohn: Kronprinz Felipe folgt Juan Carlos irgendwann auf den Thron.

Der Schauspieler Götz George hat wohl eine der extremsten Arten der Annäherung an den Vater gewählt. Er hat nicht nur denselben Beruf ergriffen wie sein Vater Heinrich George. Nun spielt er auch den übergroßen und auch umstrittenen Schauspieler, den fernen, doch übermächtigen Vater in einer ARD-Dokumentation, die in diesem Jahr ausgestrahlt werden soll.

Der Sohn war erst sechs Jahre alt, als der Vater starb. Doch die Verbindung hat Götz George nie losgelassen und sein ganzes Leben beschäftigt. Und er hat es immer auch als Druck empfunden, den- selben Beruf auszuüben wie der Vater. "War ich so gut wie Heinrich?", fragte er, als er seine erste große Rolle auf der Bühne spielte - das schrieb er in seiner Autobiografie.

"Ein Genie in der Familie reicht"

Dabei wollte Vater George nicht, dass der Sohn Schauspieler wird. "Ein Genie in der Familie reicht!", soll er gesagt haben. Doch dem Sog des Berufs hat sich der Sohn dann doch nicht entziehen können, zumal seine Mutter Berta Drews ebenfalls eine bedeutende Schauspielerin war.

Eigentlich sei der früh verstorbene Vater für ihn ein Phantom gewesen. "Durch die Erzählungen der Mutter ist diese große, große Liebe entstanden", so George. Ihn zu spielen, davon hat sich Götz George erst nach langem Zögern überzeugen lassen. "So einen Giganten 60 Jahre später darzustellen, ist eigentlich illusorisch", sagt der 74-Jährige.

Ob Heinrich George stolz auf seinen Sohn wäre, wenn er noch miterlebt hätte, dass dieser zu einem der populärsten Schauspieler Deutschlands geworden ist? Oder hätte er an ihm herumgemäkelt, was denn wohl diese albernen "Tatorte" sollen und überhaupt dieses Fernsehen?

Wenn Eltern und Kinder den gleichen Beruf haben, dann bedeutet das besondere Nähe, aber auch besonderen Druck. Es ist das klassische Familiendrama, wenn Eltern ihre Kinder zu etwas zwingen wollen - weil die Ehre der Familie, die wirtschaftliche Existenz oder vermeintlich sogar das Glück des Landes davon abhängt, dass das Werk der Eltern fortgesetzt wird. Das Phänomen zieht sich durch die Jahrhunderte, durch die Geschichte und Literatur. Blut ist dicker als Wasser - das gilt immer.

Ein Beispiel ist die Geschichte des preußischen Thronfolgers Friedrich. Sein Vater Friedrich Wilhelm I. befiehlt ihm, mit Zinnsoldaten und Spielzeugkanonen zu spielen. Der Sohn rebelliert früh, hasst das Schießen und die Jagd.

Rebellion und Unterordnung

Friedrich flieht schließlich 1730 vom Hof. Der Fluchtversuch misslingt, der Kronprinz wird unter Arrest gestellt. Sein Freund und Fluchthelfer Hans Hermann von Katte wird hingerichtet. Friedrich selbst wird begnadigt. Nun ordnet sich Friedrich zumindest nach außen seinem Vater unter.

Erst gegen Ende der Regierungszeit Friedrich Wilhelm I. entspannt sich das Verhältnis. Im Mai 1740 wird Friedrich Nachfolger seines Vaters auf dem preußischen Thron. Der Traum des Vaters hatte sich erfüllt.

Tragischer endet die Geschichte des Sohns von Wolfgang Amadeus Mozart. Er verlor sich geradezu im Schatten des genialen Vaters. Franz Xaver Wolfgang Mozart wurde steht "W. A. Mozart Sohn" (oder "fils" oder "figlio") genannt - als habe er nie eine eigene Persönlichkeit besessen.

Seine Mutter hatte beschlossen, dass auch er - natürlich - ein berühmter Musiker werden müsse. Der Sohn bemühte sich. Doch das Werk von Franz Xaver Wolfgang Mozart ist heute nahezu vergessen.

Der Sohn wusste, was mit ihm geschehen war. Auf seinen Grabstein hat er schreiben lassen: "Wovon so viele einzig leben, was Stolz und Wahn so gerne hört, des Vaters Name war es eben, was deiner Tatkraft Keim gestört. Begabt, um höher aufzuragen, hielt ein Gedanke deinen Flug. Was würde wohl mein Vater sagen, war dich zu hemmen schon genug?"

Thomas Mann beschreibt das Familiendruckthema in seinen "Buddenbrooks". Der kleine Hanno soll die Kaufmannsgeschäfte fortsetzen. Doch er ist ein schwächliches Kind, das lieber mit seinem Papiertheater spielt, als sich mit Zahlen zu beschäftigen. Hanno zerbricht unter dem riesigen Druck, der auf ihm lastet und stirbt - und damit hört die Familie auf zu existieren.

"Aus dem Ruder: Hanno B"

Die Theatergruppe der Käthe-Kollwitz-Gesamtschule Grevenbroich fand das Thema so aktuell, dass sie daraus das Stück "Aus dem Ruder: Hanno B" machte. Die Jugendlichen nannten Hanno ein "Fallbeispiel für alle Jungen und Mädchen auch heute, die dem Erwartungsdruck ihrer Eltern und der Gesellschaft nichts entgegenzusetzen haben".

Immer noch, das zeigen Forschungen, haben Eltern den größten Einfluss auf die Berufswahl der Kinder. Doch das Verhältnis von Eltern und Kindern hat sich verändert - der Druck wird schwächer, Wünsche und Begabungen werden beachtet. Und oft machen Kinder auch ganz gerne das, was ihnen Vater oder Mutter vorgelebt haben.