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Gefahr für GesundheitEntscheidung für gesundes Essen oft schwer

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Kochen nicht nötig: Tiefkühlpizza ist eine beliebte Abkürzung am Herd vorbei.

Noch nie konnte die Wohlstandsgesellschaft so aus dem Vollen schöpfen. Essen und Trinken sind längst in den Mittelpunkt der Gesellschaft gerückt. Essen und Trinken sind gesellschaftlicher Status und medialer Alltag geworden. Gefühlte hundert Kochsendungen pro Monat rieseln über die Fernsehbildschirme in deutsche Wohnzimmer. Jedes Küchenregal ist vollgestopft mit Kochbüchern. Im Handschuhfach des Autos liegen für alle Fälle diverse Restaurantführer von urig bis hochpreisig. Und Party-Smalltalk lässt sich mit Erlebnissen in Speise-Lokalitäten - am besten mit Stern oder Haube dekoriert - locker bestreiten.

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Wer kostenbewusster speist, muss dennoch nicht klein beigeben. Allgemein anerkannt ist, in jedem Restaurant, das oberhalb von Pommesbuden-Niveau rangiert, zuerst einmal mit dem Handy zu fotografieren, was sich da wunderbar auf dem Teller türmt. Freunde erhalten den Beleg solch praller Lebensfreude direkt zugesendet, alle anderen können sich das Posting im Internet anschauen.

Nie zuvor, sollte man meinen, wussten Menschen mehr über gesundes und gutes Essen. Rein theoretisch. Der Alltag sieht anders aus: Schnitzel à la Jäger, Holzfäller und Co., Pommes mit Mayo, Currywurst, Döner, Pizza und Nudeln aller Art, ertränkt in Saucen, bei deren Anblick sich echte Italiener schütteln, sind nach wie vor die Lieblings-Sattmacher der Deutschen. Dennoch geben weit mehr als 60 Prozent an, dass sie sich natürlich gesund ernähren wollen, gern beim Bauern um die Ecke einkaufen würden und auf jeden Fall den Metzger ihres Vertrauens zum privaten Fleischlieferanten auserkoren haben.

Fakt aber ist, dass laut Deutscher Gesellschaft für Konsumforschung immer weniger Deutsche selbst kochen. Zudem gibt die Mehrheit beim Einkauf dem Billig-Discounter den Vorzug vor heimischen Bauern und Metzgern. Das, was der Mund spricht, und das, was er verschlingt, sind offenbar verschiedene Dinge. Sind also die Kultur des gemeinsamen Genießens und die Lust auf Gesundes doch nur reine Lippenbekenntnisse? Und wenn ja, ist die Talfahrt noch aufzuhalten?

Der Psychiater, Arzt und Bestseller-Autor Manfred Lütz formuliert unverblümt: "Man hat das Fressen verfeinert und den Sex optimiert. Warum sind wir nicht glücklich?" In einem Essay zur Ausstellung über Essen und Trinken im Haus der Geschichte in Bonn schwelgt Lütz in Beschreibungen über ein richtiges Festmahl. Beim Palio im italienischen Siena, einem der härtesten Pferderennen der Welt, treten Ross und Reiter ausverschiedenen Stadtbezirken gegeneinander an. Pferdefreunden treibt es zwar aus Mitleid mit der Kreatur die Tränen in die Augen, anderen läuft das Wasser im Mund zusammen. "Ellenlange Tafeln biegen sich vor köstlichem Essen, man singt und tanzt (...) der Chianti fließt in Strömen (...). nichts beim Palio in Siena fördert die Gesundheit", schwärmt Lütz - und definiert dieses Ereignis gerade deshalb als reine Lebenslust. Eine Lust, zu der sich auch Alexa Iwan bekennt. Die Ernährungswissenschaftlerin, Buchautorin und TV-Moderatorin ist gertenschlank und sagt von sich: "Ich esse sehr gerne, denn das Gute, das wir uns einverleiben, kann auch Gutes im Körper bewirken." Iwan kocht für sich und ihre Familie meist zwei Mal am Tag, berät und informiert Menschen, die es lernen möchten und fragt: "Was hat das mit Genuss zu tun, wenn ich mit einer Plastikgabel aus einer Plastikschüssel esse und nach jeder Mahlzeit einen Haufen Müll hinterlasse?"

Aber die Ökotrophologin, die an einer Promotion über übergewichtige Kinder und Jugendliche an der Deutschen Sporthochschule Köln arbeitet, sagt auch: "Ich käme nie auf die Idee, jemandem, der als Alleinverdiener eine Familie ernähren muss, vorzuschreiben, wo und was er einzukaufen hat. Egal welche Empfehlungen ich gebe, eins ist klar: Sie müssen praktikabel und alltagstauglich sein." Der Ernährungsmediziner und Gastroenterologe Arno Dormann, Professor am Klinikum Köln-Holweide, stellt fest: "Wir laufen durch Fußgängerzonen wie die Höhlenmenschen und folgen unserem Trieb, Nahrung zu sammeln. Wir sind in der Lage, locker 7000 bis 8000 Kalorien am Tag aufzunehmen. Da tut uns nichts weh."

Gefahr der Fettleber

Magen, Darm und anderen Organen im Körper muten wir allerdings Schwerstarbeit zu, bis sie irgendwann vorzeitig wegen Erschlaffung kündigen. Beispiel Leber: Sie ist mit ihren 1500 bis 2000 Gramm Eigengewicht das schwerste menschliche Organ und zugleich Zentrum für den gesamten Stoffwechsel. Schon nach drei bis vier Tagen der Überfütterung ist so ein gewichtiges Kaliber wie die Leber verfettet.

"Dann wird sie gelb wie eine Gänsestopfleber, was ja auch nichts anderes ist als eine Fettleber", so Dormann. Es dauert zwar eine ziemliche Zeit, bis so eine Leber an den Fetten erstickt und das Gewebe sich aufgrund der Leberzirrhose zersetzt. Doch wenn das passiert, dann hilft nur noch eine Transplantation. Dormann: "In den USA ist die Fettleber die Hauptursache für Transplantationen, und zwar verursacht durch Essen."

Dabei ist es doch so einfach, gesund und lustvoll zu essen und zu leben. "Keine andere Generation vorher hatte die Chance, sich so gut zu ernähren. Und es ist so wenig Aufwand und Arbeit, das zu tun", sagt Arno Dormann. Dazu gehöre nicht automatisch, dass der Mensch sich auf Körnerkost zu beschränken habe, denn: "Wir sind ja keine Pferde." Niemand müsse sich, um gesund zu leben, zwangsläufig der vegetarischen Küche oder dem veganen Trend verschreiben. "Vegan ist ja prima, wenn ich allein bin und nur für mich all diese Lebensmittel zusammentragen muss. Dafür muss ich viel Zeit und Geld investieren", sagt Alexa Iwan.

Und Psychologe Manfred Lütz ordnet ein: "Lebenslust ist nichts für passionierte Müsli-Fans."