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Die Wein-KolumneGenuss kennt keine Grenzen in Europa

3 min
Wein dpa

Wie großartig das vereinte Europa ist, wird einem auch und nicht zuletzt beim Weintrinken bewusst.

Wie großartig das vereinte Europa ist, wird einem auch und nicht zuletzt beim Weintrinken bewusst. Nehmen wir das Weingut Gross aus der Steiermark. Seit 2004 engagiert es sich im benachbarten Slowenien.

„Eine Dame aus Wien hat mir geschrieben. Sie hatte Weinberge restituiert bekommen und hat gefragt, ob ich die übernehmen will“, erzählt Senior Alois Gross. So fuhr er in das 60 Kilometer südliche Gorca, um sich einen Eindruck zu verschaffen. „In meiner Jugend hat die Welt hinter Ratsch an der Weinstraße aufgehört. Es war erst mal komisch, dann einfach über die Grenze zu fahren“, erinnert sich Alois Gross.

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Dann hat er sich auf Anhieb in die Gegend und Weinberge verliebt: „Habe sofort gesehen: Das ist erstklassiges Terroir. Kalkige Böden, Südausrichtung, terrassierte Steilhänge - da konnte ich nicht widerstehen.“ Die Söhne Michael und Johannes sind vier Jahre später eingestiegen und haben mit dem Aufbau des slowenischen Tochter-Weingutes begonnen.

18 Hektar Rebfläche sind es, die sich über die Steilhänge verteilen. „Zunächst haben wir uns auf Sauvignon Blanc konzentriert“, erzählt Michael Gross. „Aber wir wollten auch etwas Heimisches, und so beschäftigten wir uns mit Furmint.“ Das ist eine weiße Sorte, die in Osteuropa zu Hause ist und dort unter anderem die Grundlage für feurigen Tokajer liefert. „Es war nicht einfach, gutes Pflanzmaterial zu bekommen,“ erzählt Michael Gross. „Die meisten Klone waren kommunistisch auf Massenertrag getrimmt.“ Vom ungarischen Spitzenwinzer István Szepsy bekamen sie schließlich das passende Rebmaterial.

Fünf Jahre bis zum ersten Wein

Bis die Reben gepflanzt und der erste Wein auf den Markt kam, dauerte es fünf Jahre. Mit dem Jahrgang 2016 ist nun auch ein eigenes Etikett entstanden. Damit hat sich der slowenische Teil des Weingutes abgenabelt. In Zukunft wird sich Michael Gross ausschließlich um Vino Gross kümmern und dafür auch nach Slowenien ziehen, während Johannes das Weingut in der Steiermark leitet. „Europa ist für mich nicht mehr in Landesgrenzen zu denken, sondern in Regionen. Wir sind persönlich und kulturell viel mehr mit Slowenien verbunden als mit Tirol. Das einzig Schwierige ist die andere Sprache“, sagt Michael Gross. Aus Erfahrung weiß man freilich: Bei einem guten Glas Wein ist noch jede Sprachbarriere überwunden worden.

Der Furmint läuft mit einem satten Limonengelb ins Glas. Die Nase ist zunächst verhalten. Langsam kommen Aromen von Lindenblüten, Akazien, Zitrusfrüchten und Steinobst zum Vorschein. Typisch für Furmint ist die rassige Säure, die hier perfekt eingebunden ist und von einem kräftigen Körper getragen wird. Ein trockener Wein mit pikantem Finish, der zu kräftigen, nicht zu mageren Gerichten passt.

2016 Gorca Furmint, Vino Gross, Slowenien, 15,90 Euro

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