Für Pollenallergiker beginnt dieser Tage wieder die Zeit des Niesens und der tränenden Augen, es ist Heuschnupfenzeit. Je schöner das Wetter, desto größer das Leiden der betroffenen Menschen. Wer herausfindet, welche Pollen ihm besonders zu schaffen machen, kann sich rechtzeitig dagegen wappnen. Die Kölner Allergologin Doktor Astrid Schareina und Professor Karl-Christian Bergmann, Leiter des Polleninformationsdiensts beantworteten zehn Fragen zum Thema Allergien:
Wie lange bleiben Pollen in der Wohnung?
So merkwürdig es klingt: Zum Thema Pollen in Wohnungen gibt es weltweit tatsächlich fast noch keine Untersuchungen.
Sicher ist, dass Pollen durch geöffnete Fenster in die Wohnung kommen, sich dort ablagern und erst bei Bewegungen - etwa beim Staubsaugen - aufgewirbelt werden und dabei Heuschnupfen-Symptome hervorrufen. Experten schätzen, dass Pollen mindestens drei Monate ihre allergene Aktivität beibehalten.
Wie viele Pollen lösen eine allergische Reaktion aus?
Das kommt auf die Pollen an. Ambrosia-Pollen etwa sind sehr allergen.
Bei diesen haben Forscher in Versuchen eine untere Grenze von zehn Pollen ermittelt, die - wenn sie auf die Nasenschleimhaut kommen - zu akuten Symptomen wie Niesen und Jucken führen.
Schützt ein Mundschutz gegen Augenjucken?
Nein, das ist falsch. Pollen kommen auch direkt mit den Augen in Kontakt und lösen dort Tränen, Juckreiz und Rötung der Augenbindehäute aus, dagegen hilft leider auch kein Mundschutz.
Kann man auf Menschen allergisch reagieren?
Nein, nicht im eigentlichen Sinne. Allerdings kann der Mensch als "Übermittler" von allergischen Stoffen dienen: Wenn die Menschen Allergene auf der Kleidung tragen - zum Beispiel Katzenhaare. Dann reagiert der Allergiker auch auf diese Stoffe, obwohl die Katze nicht im Raum ist.
Sind Allergiker vor Krankheiten geschützt?
Tatsächlich zeigte erst im vergangenen Jahr eine US-Studie, dass der erhöhte Gehalt an Immunglobulin E im Blut von Allergikern verbunden ist mit einem geringeren Risiko, ein Gliom, also einen bösartigen Hirntumor, zu entwickeln.
Kann man eine Allergie vererben?
Ja, das ist ein gesicherter Befund. Kinder von Eltern, bei denen beide Elternteile unter Heuschnupfen leiden, haben ein Risiko von 70 bis 80 Prozent gegenüber Kindern, bei denen kein Elternteil Allergiker ist.
Hängen die Symptome von der Tagesform ab?
Tatsächlich wird eine allergische Reaktion durch sogenannte Kofaktoren verstärkt. Das können virale oder bakterielle Infektionen sein, aber auch körperliche Anstrengung, Stress, Schmerzmittel oder Alkohol. Allergie bedeutet immer eine Entzündung. Deshalb kommt es auch zu einer verstärkten Reaktion, wenn die Schleimhäute bereits entzündet sind.
Wann kann man mit Immuntherapien starten?
Die klassische Hyposensibilisierung wurde mit reinen, also unveränderten Allergenen durchgeführt. Wenn die in der Pollensaison, in der die betroffenen Organe durch den Kontakt mit Allergenen bereits sehr empfindlich waren, gespritzt wurden, war die Gefahr schwerer allergischen Reaktionen groß. Deshalb riet man Patienten von der Therapie in der Saison ab.
Inzwischen gibt es aber auch Präparate, in denen die Allergene chemisch vorbehandelt wurden, man spricht dann von Allergoiden. Bei Therapien mit ihnen treten schwere allergische Reaktionen sehr viel seltener auf. Deshalb kann man sogar noch zu Anfang der Pollensaison mit einer Immuntherapie mit Allergoiden beginnen. Allerdings: Vergleichsstudien zwischen den Allergenen und den Allergoiden gibt es noch nicht.
Ist Kortison eine Lösung für Allergiker?
Ja, Kortison ist eine Lösung für Allergiker, weil es gut gegen Entzündungen wirkt. Bei der Therapie kommt es allerdings auf die Anwendungsform an.
Um die schwerwiegenden Nebenwirkungen zu vermeiden, sollten Allergiepatienten das Mittel nicht in Tablettenform nehmen, sondern lokal anwenden - etwa in Form von Nasensprays, die bei Heuschnupfen sehr effektiv sind.
Kann man sich bald gegen Allergien impfen lassen?
Gegen bereits ausgebrochenen Heuschnupfen kann man sich schon jetzt impfen - mittels der Immuntherapie. Aber eine Impfung gegen das Auftreten einer Allergie ist bislang unmöglich.
