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IFABlick in die digitale Fernseh-Zukunft

6 min

Eine große Installation von Bosch - Elektrogeräten mit geringem Energieverbrauch und einem IFA-Logo fotografiert eine Person am 04.09.2013 am IFA-Pressetag auf dem Messegelände in Berlin. Auf der IFA gibt es viele Technik-Neuheiten zu bestaunen.

Berlin – Die Internationale Funkausstellung stellt die umfassende Produktvielfalt des digitalen Lebens vor.

Sehr aktuell:

UHD/4 K

Kein neuer Formatstreit, sondern einfach nur unterschiedliche Bezeichnungen für die gleiche Technik stecken hinter den Kürzeln UHD und 4 K. Gemeint sind damit TV-Geräte mit 3840 x 2160 Pixeln und einer Auflösung von 8,3 Millionen Bildpunkten. Das sind viermal mehr Pixel als bei aktuellen HD-Fernsehern, also "Ultra-HD". Um so viele Details auch erkennen zu können, muss man entweder nahe genug am Bildschirm sitzen oder dieser muss groß genug sein. Experten gehen davon aus, dass das 4-K-Bild erst ab einer Größe von 65 Zoll, also einer Bilddiagonalen von 1,65 Metern, und bei einem Abstand von maximal 2,5 Metern richtig zur Geltung kommt. Der optimale Betrachtungsabstand zum 4-K-Display liegt etwa beim 1,5-Fachen der Bildhöhe. Bei aktuellen Full-HD-TVs sitzt man noch bei einer Entfernung ideal, die dem Dreifachen der Bildhöhe entspricht.

Weil kleine Bildschirmformate mit UHD-Auflösung eigentlich keinen Sinn ergeben, setzen die Hersteller auf Gigantomanie. So misst das 85-Zoll-Ungetüm UHD-TV S9 von Samsung rund zwei Meter in der Breite und 1,60 Meter in der Höhe. Der Preis von 35 000 Euro dürfte wohl die meisten Budgets sprengen. Wie die Zeitschrift "Audio-Video-Foto-Bild" ausgerechnet hat, kommen auf den Besitzer bei einem durchschnittlichen Fernsehkonsum von vier Stunden pro Tag rund 107 Euro Stromkosten pro Jahr hinzu. Hersteller wie Toshiba oder Sony wollen ihre UHDs für rund 100 Dollar pro Zoll anbieten. Aufgrund der harten Konkurrenz auf dem TV-Mark dürfte diese Marge bald unterboten werden. Der 50-Zöller T880 von Hisense soll bereits kurz nach der Ifa für nur rund 2000 Euro zu haben sein.

Smart-TV

Einen hohen Stellenwert räumen die TV-Hersteller auch in diesem Jahr dem Thema Smart-TV ein. Schnellere Prozessoren im Inneren sorgen für eine flüssigere Darstellung, herunterladbare Apps und Widgets erweitern das Informationsangebot und die Funktionalität. Für eine bequemere Bedienung gibt es Fernbedienungen mit QWERTZ-Tastatur sowie Smartphone- und Tablet-Apps, die die mobilen Begleiter zu Hightech-Fernbedienungen machen. Noch mehr Bedienkomfort verspricht die in den Startlöchern stehende Sprach- und Gestensteuerung. Samsungs Smart TV-Modelle F7090 und F8090 haben sie bereits an Bord, Panasonic hat entsprechende Geräte angekündigt. Microsofts Xbox One, die voraussichtlich im September erscheint, verfügt mit der Kinect-Kamera über ein entsprechendes Eingabegerät, das angeblich sogar die Stimmung der Menschen vor dem Fernseher erkennen können soll. Mehr als eine Ergänzung zur gewöhnlichen Fernbedienung ist diese Technik jedoch derzeit noch nicht.

Ein Internetanschluss gehört dagegen mittlerweile zur Grundausstattung. 58 Prozent der bisher in diesem Jahr verkauften Geräte sind laut der Gesellschaft für Konsumforschung damit ausgestattet, bis zum Jahresende sollen es über 70 Prozent sein. "Smart-TVs machen den Zuschauer unabhängiger vom aktuellen Programm, weil sie per Knopfdruck Zugriff auf zahlreiche Online-Dienste wie die Mediatheken der TV-Sender bieten", sagt Michael Schidlack, Bitkom-Experte für Unterhaltungselektronik. Schidlak geht davon aus, dass "künftig Fernsehgeräte standardmäßig im Netz starten, das heißt mit einer Netz-Bedieneroberfläche, und dann erst in lineare Programme abgezweigt wird." Immer mehr Nutzer griffen für ihre Programmauswahl auf Empfehlungen von Freunden in sozialen Netzwerke zurück. Deshalb sei es wahrscheinlich, "dass es irgendwann auch eine technische Möglichkeit gibt, diese Empfehlungen direkt zum Fernsehgerät zu senden."

Oled

Die aus der Smartphone-Welt bekannten Oled-Displays, die mit organischen Leuchtdioden arbeiten, erobern die TV-Technik. Wie Plasma-Displays kommen Oled-Bildschirme ohne separate Hintergrundbeleuchtung aus. Dadurch wird ein deutlich größeres Kontrastverhältnis erzielt als beispielsweise mit LCD. Gleichzeitig ist die Leuchtkraft stärker als bei Plasma-Bildschirmen, und weniger Strom brauchen sie obendrein. Ein weiterer Vorteil ist die extrem geringe Bautiefe, dank derer Oled-Displays sogar gebogen werden können. Mit diesen "Curved-Displays" (curved heißt auf Deutsch so viel wie gekrümmt) soll sich der Zuschauer noch mehr wie im Kino fühlen.

Waren Oled-Panels noch vor kurzem zu teuer für größere Bildschirme, starten Samsung und LG nun mit ersten Geräten durch. LGs 55AE9809 mit gebogenem Display, Full-HD-Auflösung und 55-Zoll-Diagonale wird auf der Ifa zu sehen sein und soll für rund 9000 Euro in den deutschen Handel kommen. Samsungs KN55S9CAF ist sogar schon 1000 Euro günstiger zu haben. Bislang läuft der Oled-Trend allerdings einem anderen Trend zuwider: Auflösungen jenseits von HD waren nicht möglich. Auf einer hauseigenen Veranstaltung in Nizza führte Panasonic im Frühjahr aber bereits einen Prototypen vor, der auf 56 Zoll beide Techniken vereint - ein beeindruckender Blick in die Zukunft, der selbst bei anspruchsvollen Heimcineasten kaum Wünsche offen lassen dürfte.

Nicht mehr aktuell:

Plasma

Plasma oder LCD - das ist noch immer eine Glaubensfrage. Plasma-Fans verweisen auf die überragende Bildqualität mit Schwarzwerten, Kontrasten und Reaktionszeiten, die mit der Konkurrenztechnologie kaum erreichbar sind. Noch vor wenigen Monaten ließ Panasonics Plasma TX-P65VT50E bei einer Leserwahl die gesamte LCD-Konkurrenz hinter sich. Doch nun zieht sich das japanische Unternehmen als einer der letzten Unterstützer der Plasma-Technik aus dem Geschäft zurück. Auf dem hartumkämpften TV-Markt kann es sich kein Hersteller mehr leisten, auf eine Technik zu setzen, die sich zu einem Nischenprodukt für Heimkino-Enthusiasten entwickelt hat. Das LCD-Lager darf trotzdem nicht triumphieren: Auch die Produktion von Flüssigkristallbildschirmen hat ihren Zenit längst überschritten. Die Zukunft gehört eindeutig der Oled-Technik.

HD-Ready

HD-Ready-Fernseher mit 720 Bildzeilen galten einst als kostengünstige Alternative zu den noch teuren HD-TV-Modellen. Durch die bei gleichzeitig fallenden Preisen immer größer werdenden Bildschirme hat sich dieser Gerätetyp überlebt. Denn ab einer Größe von 37 Zoll sollte man unbedingt zu einem Modell mit 1080 Bildzeilen greifen. Wenn man das Gerät auch als PC-Monitor nutzen will, empfiehlt sich die volle HD-Auflösung auch für kleinere Modelle. Wer dennoch auf HD-Ready setzen will, beispielsweise weil er sich dadurch Einsparungen beim Stromverbrauch verspricht, wird Mühe haben, ein passendes Modell zu finden: Full-HD mit 1920 x 1080 Pixeln ist mittlerweile weitgehend Standard, Fernseher mit geringerer Auflösung findet man im Handel kaum noch.

3-D

Es ist paradox: 3-D-Fernseher kann man überall kaufen, aber niemanden scheint das zu interessieren. Aufgrund der Erfahrungen auf der Branchenmesse CES zu Beginn dieses Jahres konstatierte das Technologie-Blog "The Verge": "Es ist offiziell: 3-D ist tot." In den Messehallen in Las Vegas musste man Hinweise auf 3-D mit der Lupe suchen, in den Pressekonferenzen wurde das einstige "Fernsehen der Zukunft" mit keinem Wort erwähnt. Ein wesentlicher Grund: Nach Jahren des Hypes haben die Hersteller begonnen, die dritte Dimension als Zusatzfunktion zu vermarkten. Damit ist 3-D langweilig geworden. Den neuen Pixar-Film schaut man sich im Kino gerne in 3-D an, zu Hause jedoch mag kaum jemand ernsthaft mit einer Polarisationsbrille im Pantoffelkino Platz nehmen.