Tausende begeisterte Brettspieler fiebern seit Wochen diesem Tag entgegen: Morgen beginnen in Essen die Internationalen Spieltage, die weltgrößte Messe für Brett- und Kartenspiele. Schon bevor sich die Tore öffnen, bilden sich lange Schlangen. Die Besucher wollen eine gute Startposition einnehmen.
Die Internationalen Spieltage finden vom 8. bis 11. Oktober in der Messe Essen, Norbertstraße 2, statt. Die Messe ist von 10 bis 19 Uhr geöffnet (Sonntag bis 18 Uhr).
Die Tageskarte kostet 11,50 Euro, Kinder bis 12 Jahre zahlen 6,50 Euro. Es gibt Dauerkarten sowie Gruppenkarten und Ermäßigungen unter anderem für Kinder, Schüler, Rentner. Wer zwei Euro mehr für das Ticket zahlt, kann es auch als Fahrausweis für Bus und Bahn nutzen.
Im Vorverkauf gibt es Karten im Internet beim Veranstalter Merz Verlag unter www.merz-verlag.com oder bei Eventim unter www.eventim.de.
Telefonisch bestellen können Sie bei Tickets by Callunter 0201/724429 und der Eventim-Ticket-Hotline 01806/570070.
Wenn es um 10 Uhr losgeht, rennen sie, um einen der Plätze an einem Spieltisch zu ergattern und die neuen Titel endlich selbst auszuprobieren. Denn seit Monaten diskutieren die Fans im Internet weltweit über die angekündigten Spiele. Jede Information wird sofort weiterverbreitet und intensiv im Netz kommentiert, von Köln bis Los Angeles, von Oslo bis Brisbane.
Rund 900 Aussteller aus 40 Nationen präsentieren mehr als 800 Neuheiten. Die Flut neuer Titel hängt auch mit der technischen Entwicklung zusammen. Mit dem PC ist es recht einfach, die Vorlagen zu erstellen, aus denen spezialisierte Firmen das Spielmaterial drucken und verpacken. So gründen viele Spieleerfinder Kleinstverlage und vertreiben ihre Produkte über das Internet in die ganze Welt.
Weil man sein eigenes Werk nur selten kritisch-nüchtern beurteilt, weisen diese Eigenveröffentlichungen häufig Mängel auf, die der Autor nicht erkannt hat. Wirklich gute Spielideen setzen sich aber auf Dauer durch. Meist findet man sie ein oder zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung im Programm eines etablierten Verlags, der ihnen den nötigen Feinschliff gegeben hat.
Wir konnten für Sie viele Spiele vorab ausprobieren. Daraus haben wir sechs ausgewählt. Sie zeigen die enorme Bandbreite des Angebots. Ob komplexe Strategie oder eher das Glück gefragt ist – hier ist für jeden Geschmack etwas dabei.
Die Portale von Molthar
Bei diesem spannenden und originellen Kartenspiel betritt man eine Fantasywelt. Über magische Portale reist man in eine fremde Welt und sucht dort mächtige Verbündete. Wer zuerst zwölf Machtpunkte gesammelt hat, gewinnt das Spiel. Liegt eine interessante Karte aus, nimmt man sie an sich. Aber eine Karte zählt nur dann, wenn sie auch aktiviert ist – und das ist nicht so einfach. Neben den Verbündeten sammelt man Perlenkarten. Nur mit diesen lassen sich die Verbündeten aktivieren. Einmal aktive Karten zählen als Machtpunkte und erlauben zusätzlich weitere Aktionen. Nur wer flexibel immer wieder neu plant, kann das Beste aus den vorhandenen Karten machen. Neben etwas Glück ist wichtig, das Zusammenwirken aus Sonderaktionen und der eigenen Kartenhand optimal zu nutzen. Das ist spannend und sehr abwechslungsreich. Die schöne Grafik und Glanzeffekte beim Druck der Karten machen dieses feine Spiel noch attraktiver.
Die Portale von Molthar von J. Schmidauer-König, 2-5 Personen ab 10 Jahren, ca. 45 Min., Amigo, ca. 10 Euro
Pandemie - Die Heilung
Unsere Aufgabe? Die Welt zu retten. Vier tödliche Krankheiten bedrohen die Menschheit. Auf allen Kontinenten grassieren Epidemien. Wir bilden ein Team, in dem jeder seine Rolle mit besonderen Fähigkeiten übernimmt. Da gibt es den Logistiker, die Forscherin, den Sanitäter und die Krisenmanagerin. Wir kämpfen an zwei Fronten zugleich. Einerseits sammeln wir Proben und versuchen, ein Heilmittel gegen die Seuchen zu entwickeln. Andererseits müssen die weltweiten Infektionen eingedämmt werden, damit keine verheerende Seuche ausbricht. Das ungeheuer spannende Geschehen wird mit Spezialwürfeln gesteuert, was dem Spiel eine große Dynamik gibt. Neben etwas Glück ist planvolles, abgestimmtes Handeln im Team entscheidend. Vor Jahren gab es mit „Pandemie“ vom selben Autor bereits ein ganz ähnliches Spiel. Der neue Titel spielt sich konzentrierter und schneller.
Pandemie – Die Heilung von Matt Leacock, 2-5 Personen ab 8 Jahren, ca. 45 Min., Z-Man Games (Vertrieb Asmodee), ca. 40 Euro
Discoveries
Von 1804 bis 1806 erkundete eine Expedition den noch weitgehend unbekannten Nordwesten Amerikas. Flüsse und Berge wurden kartographiert, Flora und Fauna erfasst und Kontakt zu den Ureinwohnern aufgenommen. Diese historische Mission vollziehen die Spieler nach. Wer die meisten Daten in seinem Tagebuch sammeln konnte, gewinnt. Ein sehr ungewöhnlicher Würfelmechanismus steuert die Aktionen. Karten zeigen das anstehende Gelände. Würfelsymbole erlauben es, Flüsse zu befahren und Berge zu besteigen. Hat man das Gebiet einer Karte erkundet, stehen die erforschten Daten im Tagebuch. Kontakte zu Indianerstämmen bringen weitere Erkenntnisse. Außerdem helfen die Stämme beim Erkunden des Landes. „Discoveries“ ist sehr originell. Deswegen muss man sich vor der ersten Partie das Prinzip erarbeiten, die Beispiele nachvollziehen und die Regel genau lesen. Das faszinierende Spiel entschädigt für diese kleine Mühe.
Discoveries von C. Chaboussit und V. Dutrait, 2-4 Personen ab 14 Jahren, ca. 60 Min., Ludonaute (Vertrieb Asmodee), ca. 35 Euro
Im nächsten Abschnitt erfahren Sie mehr über drei weitere spannende neue Spiele
Schatzjäger
Sagenhafte Reichtümer finden sich auf den eisigen Frostbergen, im heißen Dschungel und den Tiefen der Lavahöhlen. Manche Schätze sind aber verflucht und bringen Unglück. Und wer mit Reichtümern beladen zurückkehrt, muss sich der räuberischen Goblins erwehren und seine Hunde auf sie hetzen. Das alles wird mit Karten abgewickelt. Schätze bekommen nur die beiden, die den höchsten beziehungsweise niedrigsten Wert an Berg-, Dschungel- oder Höhlenkarten gelegt haben. Goblins wehrt man mit Hundekarten ab. Weitere Karten ermöglichen Sonderaktionen. Raffiniert: Jeder bekommt neun Karten, behält eine und gibt den Rest weiter – so lange, bis man wieder neun auf der Hand hat. Da ist das Gejammer groß, dass einem die Konkurrenten nur Schrott rüberschieben. Herrlich die Schadenfreude, wenn eine Sonderaktion im letzten Moment die Kartenwerte ändert und jemand einen verfluchten Schatz nehmen muss. „Schatzjäger“ bietet schöne, leicht-lockere Unterhaltung.
Schatzjäger von Richard Garfield, 2-6 Personen ab 8 Jahren, ca. 45 min., Queen Games, ca. 40 Euro
Imperial Settlers
Fünf Runden haben die Spieler, um ein florierendes Reich aufzubauen. Der Spielablauf wird mit Karten geregelt. Jedes Volk startet mit einem unterschiedlichen Grundeinkommen und besonderen Fähigkeitskarten. Es gilt, mit den in der Runde zur Verfügung stehenden Karten und Ressourcen die optimale Kombination zu finden. Produktionskarten und Handelsabkommen bringen neue Ressourcen wie Holz, Steine und Arbeiter. Wer aufrüstet, kann bei den Konkurrenten Karten zerstören und Waren rauben. So ist keine Investition ganz sicher. Die Aktions- und Fähigkeitskarten wirken mit den anderen Karten zusammen und erweitern deren Handlungsmöglichkeiten. „Imperial Settlers“ bietet ein sehr vielseitiges Spielsystem. Trotz einfacher Regeln bedarf es einiger Partien, um das Zusammenwirken der Karten optimal in den Griff zu bekommen. Notorische Grübler können das Spiel etwas in die Länge ziehen.
Imperial Settlers von Ignacy Trzewiczek, 1-4 Personen ab 8 Jahren, ca. 90+ Min., Pegasus, ca. 35 Euro
Bermuda
Wertvolle Schätze ruhen auf dem Meeresgrund im Bermudadreieck. Nur sehr mutige Taucher haben eine Chance, die Reichtümer zu heben, denn eine böse Nixe lauert in der Tiefe auf die Schatzjäger. Die Schätze werden durch Karten dargestellt. Jede zeigt an, in welcher Tiefe der Schatz liegt. Die Schatzkarten werden ausgelegt, dann beginnt ein Tauchgang. Gleichzeitig legen die Spieler ihre Tauchkarten zu den Schätzen. Ein Schatz ist aber nur dann gehoben, wenn seine Tauchtiefe genau erreicht wird, also weder zu viele noch zu wenige Karten gelegt werden. Außerdem müssen die Werte der Tauchkarten zueinander passen. Das Besondere: Alle Spieler halten während des Tauchens die Luft an. Sobald einer atmet, dürfen keine Karten mehr gelegt werden. Das ergibt ein herrliches Chaos, wenn alle zugleich mit brennender Lunge hektisch die passenden Karten suchen. Die Spieler gewinnen, wenn sie der Nixe viele Schätze entreißen können.
Bermuda von C. E. Lanzavecchia, 3-6 Personen ab 10 Jahren, ca. 15 Min., Huch! & Friends, ca. 8 Euro