Abo

InterviewDie Patienten profitieren von der Notfallpraxis

2 min
Notaufnahme (1)

Symbolbild

Professor Frank M. Baer ist Internist und Ärztlicher Direktor am St. Antonius Krankenhaus in Bayenthal. Angela Horstmann sprach mit ihm über die positiven Erfahrungen der angegliederten Notfallpraxis.

Herr Professor Baer, in Ihrer Klinik gibt es eine kassenärztliche Notfallpraxis. Was sind Ihre Erfahrungen?

Durch die räumliche Nähe mit der kassenärztlichen Notfallpraxis sind wir in einer vorteilhaften Situation. Ein großer Teil der Patienten mit leichteren Beschwerden kann von den Ärzten der Notfallpraxis ambulant versorgt werden, so dass die Notfallambulanz für schwer erkrankte Patienten, etwa mit Herzinfarkt oder unklaren Bauchschmerzen Kapazität hat. Auf der anderen Seite profitieren die Patienten, die keine stationäre Krankenhausbehandlung brauchen, weil sie nicht stundenlang in der Ambulanz warten müssen.

Wie sieht das Prozedere aus?

Wir haben eine zentrale Patientenaufnahme. Eine erfahrene Pflegekraft schaut sich dort die Patienten an und entscheidet, wohin sie geschickt werden, in Praxis oder Ambulanz. Wer mit dem Rettungswagen oder Krankentransport kommt, wird automatisch in den Krankenhausbereich verwiesen. Wer zu Fuß auf eigene Initiative wird zunächst in der Notfallpraxis vorgestellt.

Und wenn sich die Pflegekraft in ihrer Einschätzung vertut?

Wenn der Arzt in der Notfallpraxis den Verdacht hat, dass doch etwas Ernsteres vorliegt, dann kann er den Patienten direkt in den Krankenhausbereich überweisen. Umgekehrt werden Patienten, bei denen der Verdacht auf eine schwerwiegende Erkrankung ausgeräumt werden konnte, ambulant behandelt.

Warum?

Zum einen ist die kassenärztliche Notfallpraxis nicht rund um die Uhr besetzt und die diensthabenden Ärzte dort werden auch zu Hausbesuchen gerufen. Die Notfallpraxis ist damit zeitweise unbesetzt. Die dort auflaufenden Patienten werden von den Krankenhausärzten dann mitversorgt, was zu längeren Wartezeiten führt. Darüber hinaus gibt es Stoßzeiten, da fehlt uns schlichtweg das Personal, um alle Notfälle zügig abzuarbeiten.

Wer gehört in die Notfallpraxis, wer in die Notfallambulanz?

Leichtere Beschwerden wie Kopfschmerzen, Fieber, Erkältungssymptome oder Übelkeit können in der Notfallpraxis abgeklärt werden. Dies gilt auch für Nasenbluten und kleinere Wunden. Patienten mit ausgeprägter Symptomatik wie Bauchschmerzen, Schmerzen im Brustkorb, Luftnot oder deutlich hohem Fieber und Schüttelfrost gehören in die Ambulanz des Krankenhauses.

Dies gilt auch für Patienten mit Bewusstseinsverlust, neurologischen Ausfallserscheinungen, chirurgischen Problemen wie Knochenbrüchen, größeren Verletzungen und Verdacht auf Entzündungen im Bauchraum, die einer umfangreichen Diagnostik und weiteren stationären Beobachtung bedürfen.