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InterviewFlexibel und kreativ

2 min

Kirsten Rückert ist Karriere-Coach und Personalberaterin ion Bensheim. Mit ihr sprach Lioba Lepping.

Frau Rückert, woran merke ich, dass ich den Job wechseln sollte? Wenn mein Chef nervt?

Dies sollte bestimmt nicht der alleinige Grund sein. Aber wenn alle Zeichen dafür sprechen, z.B. dass man kann nicht mehr ruhig schlafen, unter- oder überfordert ist, sich nicht mehr am rechten Platz ist. Wenn die Gedanken nur noch um das Büro kreisen, dann wird es Zeit, über einen Jobwechsel nachzudenken.

Wie stelle ich es an?

Da gibt es drei wesentliche Fragestellungen: Kenne ich meine eigenen Ressourcen? Welche Ziele habe ich? Was erwarte ich von meinem Job? Wenn ich weiß, was ich will, stelle ich mich zukunftsfähig auf. Das zweite ist die Methoden-Kompetenz: Was verlangt der Arbeitsmarkt der Zukunft von mir? Das dritte ist die Fachkompetenz: Bin ich gut aufgestellt für den Beruf der Zukunft? Brauche ich eine Weiterbildung oder Umschulung? Bin ich gut aufgestellt, um für einen neuen Arbeitgeber interessant zu sein?

Was sind Herausforderungen, die es früher vielleicht noch nicht so gab?

Digitalisierung und Globalisierung. Rund 65 Prozent der Berufe der Zukunft existieren noch gar nicht. Das heißt nicht, dass nur technische Berufe in der Zukunft wichtig werden. Auch soziale und kreative Berufe haben nach wie vor eine Zukunft. Lebenslanges Lernen wird jedoch in allen Bereichen immer wichtiger. Leute mit ungeraden Lebensläufen und Brüchen werden ebenfalls gebraucht, denn sie haben bewiesen, dass sie den Mut und die Flexibilität zum Wechsel haben. Das heißt, wenn sich der Arbeitsmarkt schnell entwickelt, muss auch jeder einzelne bereit sein, sich zu verändern. Eine hohe Flexibilität ist heute extrem wichtig. Aber auch die Bereitschaft, mit neuen Technologien umzugehen, analytisches und innovatives Denken sowie der Wille sich selbst neue Fähigkeiten anzueignen.

Welche Branchen sind derzeit auf der Suche?

In den sozialen Berufen werden am ehesten Ärzte und Pfleger gesucht, aber auch Lehrer, Erzieher und Sozialarbeiter und bei den Kreativ-Berufen Social-Media-Manger, Kommunikationsdesigner, Online-Marketing-Manager, Grafik-Designer, Texter sowie bei den technischen Berufen alles rund um IT, aber auch Vertriebsingenieure, Ingenieure für Energie- und Umwelttechnik, Mechatroniker oder Lebensmitteltechniker. Aber grundsätzlich fehlen in so gut wie allen Branchen gut qualifizierte Mitarbeiter. Lebenslanges Lernen ist, was uns die Zukunft mehr denn je abverlangen wird.