Abo

Interview mit ExpertenSo wirkt Mascara besser

3 min

Dirk Fiebig ist ein Kölner Make-up-Artist

Herr Fiebig, wie findet man die richtige Wimperntusche?

Indem man sich zuerst überlegt, was man will: Volumen, Länge, Trennung oder Schwung. Und dann kommt es darauf an, ob ich fünf oder 30 Euro ausgeben will.

Auf Videos im Internet kann man sich anschauen, mit welchen Handgriffen welcher Applikator jeweils benutzt werden soll. Ist das wirklich sinnvoll?

Ja, viele Frauen bleiben beim Tuschen jahrzehntelang bei derselben Technik. Sie tuschen sich mit 60 genau so die Wimpern wie zu ihrer Schminkanfangszeit mit 14. Aber mit den Jahren verändern sich die Wimpern. Sie ähneln von der Struktur her unseren Kopfhaaren und können mit der Zeit weniger und dünner werden. Dann sollten Produkt und Technik angepasst werden.

Welche Fehler machen Frauen beim Tuschen am häufigsten?

Die meisten tuschen viel zu schnell vom Ansatz bis zu den Spitzen. Sie haben Angst, die Haut am Liddeckel zu berühren, und treffen daher oft nicht den Ansatz. Die Folge ist, dass die äußeren Wimpern verkleben.

Wie macht man es besser? Mit Zickzack-Bewegungen?

Lieber fünfmal langsam tuschen als einmal schnell, sonst kann die Bürste die Farbe nicht abgeben. Wenn ich eine dicke Volumen-Bürste benutze, wären Zickzack-Bewegungen zu viel, bei anderen, dünneren Bürstenformen ergibt das Sinn.

Und zweimal tuschen ist besser?

Nein, nicht jedes Produkt eignet sich zum Nachtuschen. Viele Tuschen, die zum Verlängern und Trennen entwickelt wurden, legen einen Film auf die Wimpern, der beim Nachtuschen aufgerissen würde. Es kommt immer auf das jeweilige Produkt an.

Auf den meisten Mascaras steht, dass sie sechs Monate lang haltbar sind. Müssen sie danach wirklich in die Tonne?

Ich rate meinen Kundinnen immer: Die Bürste ist rund, nutzt das aus und dreht sie beim Tuschen. Das ist viel besser, als jedes Mal neue Farbe aufzunehmen, dann halten die Produkte auch länger. Aber generell würde ich nach einem halben Jahr schon sagen, weg damit. Aus hygienischen Gründen ist es nicht ratsam, eine Tusche zu benutzen, die älter ist.

Sind "Fliegenbeine" für Sie als Profi ein absolutes No-Go?

Für ein Entfernungs-Make-up, also etwa für den Laufsteg, sind intensiv getuschte Wimpern super, da dürfen auch mal ein paar Härchen zusammenkleben. Andere Frauen haben Angst, nach dem Tuschen auszusehen wie Hildegard Knef, bei denen darf überhaupt nichts kleben. Es kommt also immer auf den persönlichen Geschmack und den Anlass an.

Worauf sollte man denn beim Schminken sonst noch besonders achten?

Rechtshändern gelingt meist das Make-up des rechten Auges besser. Sie sollten also immer zuerst ihr linkes Auge schminken, und das als Standard nehmen, damit das Augen-Make-up insgesamt gleichmäßig wirkt. Bei Linkshändern ist es anders herum.