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InterviewZöliakie immer als erstes ausschließen

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Herr Holtmeier, nur 0,5 Prozent der Deutschen leiden unter einer Glutenunverträglichkeit, der Zöliakie. Wieso misstrauen viele dennoch Weizenprodukten?

In letzter Zeit wurde in den Medien sehr viel über Nahrungsmittelunverträglichkeiten wie Laktoseintoleranz und Glutenunverträglichkeit und mögliche Beschwerden berichtet. Viele Patienten mit unspezifischen Symptomen wie Blähungen und Bauchkrämpfen fühlen sich hierdurch angesprochen.

Was raten Sie Patienten, die glauben, Brot nicht gut zu vertragen?

Man sollte auf keinen Fall einfach auf Weizenprodukte verzichten. Die glutenfreie Ernährung schadet zwar nicht, aber wer vermutet, eine Weizenunverträglichkeit zu haben, sollte zunächst eine Zöliakie ausschließen. Erst dann sollte eine glutenfreie Ernährung ausprobiert werden. Unter Diät lässt sich später ansonsten eine Zöliakie nicht mehr nachweisen.

Welche Getreidesorten enthalten besonders viel Gluten?

Weizen, Dinkel, Roggen und Gerste enthalten viel Gluten. Das Gluten wird auch als Klebereiweiß bezeichnet, da es Teig elastisch macht. Gluten wird aber auch in Fertigprodukten, Fruchtjoghurts oder Wurst eingesetzt, so dass eine glutenfreie Diät sehr komplex ist.

Was macht die Diagnose einer Weizensensitivität schwierig?

Die Beschwerden bei den Diagnosen Reizdarm, Zöliakie und Weizensensitivtät können identisch sein. Während eine Zöliakie sicher in Blut und Dünndarm nachweisbar ist, handelt es sich sowohl beim Reizdarm als auch bei der Weizensensitivität um eine Ausschlussdiagnose. Es müssen erst andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, bevor die Diagnose einer Weizensensitivität zulässig ist. Die Diagnose stützt sich alleine auf die Angaben des Patienten, dass er sich unter einer weizenfreien Diät besser fühlt.

Wie kann sich eine Zöliakie im schlimmsten Fall auswirken?

Das Immunsystem wird durch Gluten fälschlicherweise so aktiviert, dass es sich gegen das eigene Gewebe richtet und die Darmzotten zerstört. Schließlich kann es zu einer dauerhaften Entzündung der Dünndarmschleimhaut mit schweren Durchfällen kommen. Glücklicherweise erkranken heutzutage die meisten Patienten an einer leichten Form der Zöliakie, die jedoch häufig übersehen wird. Deshalb ist es so wichtig, dass immer an eine Zöliakie gedacht wird und diese ausgeschlossen wird, bevor eine glutenfreie Diät begonnen wird.