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Kölner Messe1000 Aussteller auf der Intermot

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Die Veranstalter rechnen mit rund 200 000 Besuchern über alle fünf Tage.

Köln – Größer, schwerer, stärker: Was beim Auto über Jahre zum Standard geworden ist, hält nun auch bei Motorrädern Einzug. Kein Hersteller ohne Dickschiff mit ausgeprägten Tourer-Qualitäten und moderater Geländegängigkeit - es ist die große Zeit der SUVs auf zwei Rädern. Ausgestattet mit langen Federwegen, einer aufrechten Sitzhaltung und betitelt mit klangvollen Bezeichnungen wie "Adventure" und "Explorer" tragen sie der Sehnsucht nach dem Ende der Welt Rechnung. Ein bisschen kommod darf es bei der Reise in die große Freiheit allerdings schon zugehen: Ohne ABS, GPS, Traktionskontrolle, Bordcomputer und maßgeschneidertes Gepäcksystem will man sich ja auch nicht aufmachen. Und weil der Weg ins Unbekannte von hier aus in aller Regel erst einmal über deutsche Autobahnen führt, sollten auch ausreichend Pferdchen zur schnellen Hatz versammelt sein.

Damit das aufmüpfige Jungwild dem Platzhirsch in diesem Segment nicht allzu sehr in die Quere kommt, präsentiert BMW auf der Intermot in Köln erstmals die neuen, wassergekühlten Boxer-Modelle der GS-Baureihe, Urahnin aller Groß-Enduros und bis heute das Maß der Dinge. Die Bayern sind sich treu geblieben: Auch die neue GS trägt das unverkennbare Markendesign, leistet nun 125 PS und stellt auf Knopfdruck vier Fahrwerks-Abstimmungen zur Verfügung. Die Preise sind noch nicht bekannt, dürften sich aber in etwa an der bisherigen Baureihe orientieren - um die 16 000 Euro sollte man einkalkulieren.

Damit kommt man bei einer anderen, jüngst zu neuem Leben erweckten deutschen Zweiradschmiede allerdings nicht hin. Horex ist wieder da. Vor zwei Jahren als Prototyp vorgestellt, steht sie nun endgültig in den Startlöchern. Sechs Zylinder, in einer komplexen Mixtur aus Reihen- und V-Motor angeordnet, feinste Fahrwerks-Komponenten, handgearbeitet im Retro-Design - selbstbewusst und eigenständig setzten sich die Augsburger in Szene. Wenn auch momentan "nur" mit 160 PS, die 200er-Marke soll später geknackt werden. Preis: Um die 22 000 Euro. Irgendwo da liegt auch Ducatis neues Edelstück, die "Panigale". Ein kompromissloses Sportgerät ohne konventionellen Rahmen, deren erster Gang ausreichen würden, um bei konsequenter Ausreizung aller Möglichkeiten auf längere Zeit den Führerschein abzugeben. Allerdings muss man sich zunächst einmal durch ein 157-Seiten- Handbuch für den Bordcomputer wälzen, um die geeignete Abstimmung zu finden.

Die Intermot gilt als weltweit größte Motorrad- und Zweiradmesse.Zwar trägt sie auch die Bezeichnung „Fahrrad“ im Untertitel, aber Zweiräder ohne Motor spielen auf der Intermottraditionsgemäß kaum eine Rolle. Die Veranstalter rechnen mit rund 200 000 Besuchern über alle fünf Tage.Öffnungszeiten: Freitag 9 bis 20Uhr, zwischen 18 und 20 Uhrkostenfrei. Samstag und Sonntagjeweils 9 bis 18 Uhr.Eintrittspreise: Tageskarte 14Euro, Zwei-Tages-Ticket 19 Euro,Jugendliche bis 17 Jahre 2,50Euro.

Rahmenprogramm: Stuntshows, amFreitag Probefahr-Parcours mit 200Motorrädern (alle Marken, alle Hubraumklassen).Außerdem gibt es Supermoto-Veranstaltungen, Marken-Cups und den Enduro-Parcours.Besonderer Beliebtheit erfreut sich das Fahren ohne Führerschein. Unter Anleitung erfahrener Instruktoren können hier die ersten Rollversuche auf abgesperrtem Terrain gestartetwerden.Außerdem gibt es einen E-Bike-Parcours, Kinderfahrrad- und Laufrad- Parcours, einen Kindergarten sowieein eigenes Terrain für Quads – sie dürfen auch mit dem Autoführerschein gefahren werden. (two)

Die meisten Volumenhersteller gehen andere Wege. Wobei Volumen zumindest hierzulande neu interpretiert werden muss: Erstmals blieb Suzuki beispielsweise in Deutschland in den Verkaufszahlen hinter Harley-Davidson zurück. Die Amerikaner überlassen zwar nach wie vor technische Neuerungen weitgehend der Konkurrenz, aber sie erfinden sich doch immer wieder selbst. Neuester Coup: Die Wiederentdeckung der 70er Jahre. Der Farbton "Hard Candy Big Red Flake" der neuen XL1200V führt dem ungewappneten Betrachter gnadenlos vor Augen, warum das ästhetische Empfinden dieser Zeit heute zumindest gewöhnungsbedürftig ist.

Es gibt aber auch alltagstauglichen Motorräder zu moderaten Preisen. Suzukis Gladius, Yamahas XJ6, Hondas CBF oder Kawasakis ER6 spielen in der Zulassungsstatistik vorne mit und bieten ansprechendes Design und gesunde Fahrleistungen. Die Bandbreite der Japaner ist dabei ungleich größer als die der Europäer, sie bedienen vom Leichtkraftrad bis zum 200-PS-Brenner das komplette Spektrum. Kawasaki stellt auf der Intermot erstmals das neue Mittelklasse-Modell Z 800 vor, Honda die CB 1100 - eine Hommage an Hondas ganz große Zeiten, mit luftgekühltem Reihenvierzylinder und bestückt mit einer verschlungenen Vier-in-eins-Auspuffanlage. Überhaupt fällt auf, dass viele Hersteller - so sie nicht direkt ein Retro-Bike anbieten - die ruhmreiche Vergangenheit mittels Museums-Exponaten bemühen.

Honda erzielt mit seiner neuen NC-Baureihe zurzeit erstaunliche Erfolge. Das Baukasten-Prinzip erlaubt es den Japanern, ohne allzu großen Aufwand ganz unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen. Für 6750 Euro bekommt man ein ausgewogenes Motorrad mit elektro-mechanischer Getriebeautomatik und integriertem Helmfach unter der Tank-Attrappe. Die Grenzen zum Roller verschwimmen. Apropos Roller: Hier verzeichnet der Markt ständig Zuwächse. Mit der altehrwürdigen Vespa - die sich im Übrigen nach wie vor eines festen Freundeskreises erfreut - haben die Neuentwicklungen allerdings so gar nichts mehr gemein. Hubräume in Halbliter-Größe, Fahrleistungen im ausgewachsenen Motorrad-Bereich sowie jede Menge Gimmicks und elektronische Helferlein machen aus den einstigen Blechbüchsen solide Alternativen zum Kleinwagen. Peugeot etwa geht mit dem neuen "Metropolis" an den Start, ähnlich dem Piaggio MP3 mit zwei Fronträdern ausgestattet - und noch mit Autoführerschein zu fahren.

Nach wie vor keine große Rolle spielen bei den Motorrädern E-Bikes oder Hybrid-Konzepte. Zwar gibt es Nischenhersteller wie Zero, die ganz auf Strom setzen. Über 300 Kilometer Reichweite und Geschwindigkeiten bis 150 Stundenkilometern sollen machbar sein. Aber nur im Roller-Segment tummeln sich ernsthaft Hersteller mit alternativen Antriebskonzepten. Auch BMW ist aktiv und will einen E-Roller zur Serienreife entwickeln.