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Mit der ganzen Familie aufräumenSo bringen Sie Ordnung ins Kinderzimmer

5 min

Bei uns zu Hause ist es die Truhe. Der Ort, an dem ewiges Chaos herrscht. Angeschafft wurde sie ursprünglich, um die Masse an Spielzeug im Wohnzimmer zu bändigen. Mit dem Ergebnis, dass Autos, Töpfe aus der Kinderküche, Bausteine, Ü-Ei-Figuren und lose Puzzleteile von uns und dem Kind einfach nur hineingestopft werden. Deckel zu, Sachen weg. Das Problem ist nur: Das Kind spielt dann auch nicht mehr mit all dem Kram. Es hat keine Lust, in der großen Holzkiste zu wühlen. Die Truhe wird zum Spielzeuggrab und der Sohn nörgelig. „Ist doch logisch“, würde jede Kita-Erzieherin jetzt sagen. Zwei von ihnen haben uns erklärt, wie es besser klappt mit dem Ordnung halten zu Hause.

Sortieren hilft

Wenn es mir egal ist, wo das Spielzeug – auch beim Aufräumen – landet, wird es dem Kind auch egal sein. Wer alle Spielsachen zusammen in eine Kiste stopft, ist zwar schneller fertig, wird aber merken, dass das Kind nicht mehr wirklich mit dem Sammelsurium spielt.

Jedem Ding seine Heimat

Eigentlich lieben Kinder Ordnung in und mit den Dingen. Sie mögen es zum Beispiel nicht, wenn Möbel plötzlich anders hingestellt oder Gegenstände in der Wohnung umgeräumt werden. Das sollten Eltern sich zunutze machen, indem jedes Spielzeug einen bestimmten Platz zugewiesen bekommt – die Bücher kommen ins Regal, die Bausteine in die Papptonne.

Klare Ansagen

Das Kleinkind nicht mit dem Spielzeug-Wust alleine lassen, sondern gemeinsam Ordnung schaffen. Und nicht einfach nur sagen: „Räum auf!“, sondern konkrete Anweisungen geben. Etwa: „Du räumst die Autos in die Kiste und ich sammele die Bücher ein.“

Wettkampf macht Spaß

Aus der Aufräumerei ein Spiel machen: Wer hat zuerst alle Autos gefunden? Du räumst alle roten Teile weg, ich die grünen – wer ist schneller fertig?

Nicht auf den letzten Drücker

Wer das Kind erst fünf Minuten vor dem Aufbruch zum Kinderarzt zum Aufräumen motivieren will, wird es schwer haben. Effektiver: genug Zeit lassen und nicht hetzen. Kinder sind oft ins Spiel vertieft, nehmen die Aufforderung erstmal gar nicht wahr. Besser ist es, sie ihr Spiel zunächst beenden zu lassen.

Erstandenes wertschätzen

Ein kunstvoller Bausteine-Turm oder die halbfertige Ritterburg aus Lego dürfen auch mal über Nacht stehenbleiben. Man kann das Werk ja gemeinsam aufs Fensterbrett oder auf ein Regal stellen. Am nächsten Tag kann dann aufgeräumt werden.

Gut gemacht!

Wenn es mit dem Aufräumen geklappt hat, dürfen die Eltern loben. Als Ansporn fürs nächste Mal.

Mit Kisten arbeiten

Nicole Glorius’ persönlicher Lieblingstipp für alle Kleinkind-Eltern: „Besorgen Sie sich mehrere Kisten, mit denen das Spielzeug der Kinder einfach sortiert werden kann. Das spart viel Zeit und Nerven.“ So gibt es eine Kiste für alles, was Räder hat, eine für Bücher, eine für Malsachen, eine für Stofftiere. „Ideal ist auch eine Kiste für wertfreie Materialien, so nennen wir hier im Kindergarten Klorollen, leere Joghurtbecher und Pappschachteln. Alles, was nichts kostet, womit man aber prima basteln kann.“ Wer mag, beklebt die Kisten noch mit Symbolen wie einem ausgeschnittenen Auto, damit die Kinder auf einen Blick sehen, was rein gehört. Der Vorteil: Durch die Kisten fliegt nichts mehr herum und die Kinder können viel besser mit den Sachen spielen, als wenn alles durcheinandergewürfelt irgendwo im Kinderzimmer lagert.

Signale nutzen

In der Kita, in der Nicole Glorius tätig ist, wird viel mit Signalen gearbeitet – etwa mit dem Ton einer Klangschale. Einmal Läuten bedeutet „Wir gehen in den Morgenkreis.“ Zweimal Läuten heißt: „Wir räumen auf.“ Dabei werden die Kinder einbezogen, sie dürfen auch selbst die Klangschale in die Hand nehmen und läuten. Sobald der Ton erklingt, wissen alle, was zu tun ist und machen wie selbstverständlich mit.

Feste Zeiten etablieren

Aufgeräumt wird in der Kindergarten-Gruppe vormittags gegen 10 Uhr und nachmittags nach der Ruhephase. Die Kinder gewöhnen sich an die Zeiten, das Aufräumen gehört zum Tagesablauf.

Feste Regeln für bestimmtes Spielzeug – ohne Kompromiss

In einem der Gruppenräume steht eine Sandkiste mit feinem Sand. Nach dem Spielen hier gilt die klare Regel: Erst bürstet das Kind sich selber in der Kiste ab, danach fegt es die Umgebung der Kiste sauber. „Diese Regel wiederholen wir immer wieder und auch die älteren Kinder bringen das Prozedere den Jüngeren bei. Meistens wachen sie bei den anderen sogar sehr streng über die Einhaltung dieser Regel.“

Erst stehenlassen – am festen Termin aufräumen

Im Bauraum darf die ganze Woche lang gebaut werden. Jedes Kind darf sein laminiertes Foto an den halbfertigen Turm oder an die vollständige Ritterburg lehnen, dann wird das Bauwerk von den anderen nicht angerührt. Aber: Jeden Freitag müssen die Kinder den Bauraum aufräumen, alle Holzsteine kommen wieder in die Kisten, die Erzieher helfen dabei. „Das klappt meist innerhalb von zehn Minuten. Da die Kinder wissen, dass freitags aufgeräumt wird, gibt es dabei auch kein Theater.“

Bei Widerspruch klar und prägnant bleiben

„Gibt es doch einmal Stress ums Thema Aufräumen, erklären wir Erzieher kurz, warum das jetzt sein muss. Keine langen Belehrungen, kein »Totquatschen« – durch kurze und prägnante Worte verstehen die Kinder das, was wir wollen, am besten.“

Fotos helfen beim Sortieren

Jeder Gegenstand hat seinen Platz und damit die Kinder diesen auch nicht vergessen, helfen Fotos an den Regalen und Schränken. Sie bilden zum Beispiel ab, wie die Schuhe und Klamotten im Verkleidungsschrank eingeräumt werden.

Erst das eine aufräumen, dann das andere holen

Eine einfache Regel, die Eltern auch gut zu Hause umsetzen können: Ein neues Spielzeug wird erst aus dem Schrank geholt, wenn das alte weggeräumt wurde. „Anfangs lohnt es sich, hier wirklich konsequent zu bleiben. Bis sich diese Regel eingespielt hat, braucht es meist etwas Zeit, aber die Umsetzung lohnt sich.“