Köln – Selten fällt es schwerer, dass man im Museum nichts anfassen darf. Und die weiblichen Besucher der Schau "Look! Modedesigner von A bis Z" dürften sicherlich auch Umkleidekabinen vermissen, um doch vielleicht mal in das eine oder andere Outfit hineinschlüpfen zu können.
Und da hängen nun - sicher in extra angefertigten Vitrinen - auch wirkliche Modeträume von A wie Alexander McQueens Abendkleid im Raubtiermuster bis Z wie die Tasche des Labels Zadig & Voltaire. Man habe sich für diese Präsentation entschieden, weil es ja auch Aufgabe des MAKK sei, die Dinge zu erhalten, erklärt Kuratorin Patricia Brattig die Präsentation hinter Glas. "Wir alle stauben!" Und viele der Outfits können nicht gereinigt werden.
So etwa das ältestes Stück der Sammlung, ein blaues Cocktailkleid von Emilio Pucci, das 1967/68 entstanden ist. Die aufwendigen Strass- und Glassteinarbeiten am Bustier machen die Reinigung unmöglich. Das ist auch der Grund, warum es leicht verknittert ausgestellt werden musste. "Hätte man es gebügelt, wäre der Schmutz eingetragen worden", erklärt Patricia Brattig.
66 Exponate von 42 Designern
Halb kuschelig, halb intim wie in einem exklusiven Geschäft im hohen Preissegment werden in kleinen Nischen die 66 Exponate der 42 Designer präsentiert. Durch die (fast durchweg) alphabetische Anordnung kommt es zu interessanten Kombinationen und Konfrontationen. Da stehen sich ein klassisches, türkisfarbenes Chanel-Kostüm und ein strenges Lederkostüm von Christian Dior gegenüber. Und gleich um die Ecke protzen hippe Turnschuhe des belgischen Labels Bernhard Willhelm in Sichtweite von Gummistiefeln von Emilio Pucci mit dem putzigen Namen "Rubber Baby Oval Brown".
Dem Team ist es gelungen, in den zwei Jahren Vorbereitungszeit das Alphabet durchzubuchstabieren - das "G" ist gleich mehrfach vertreten. Gianni Versace ist durch eine hellblaue Kaninchenfell-Handtasche vertreten, Goldpfeil mit einer seiner Baguette-Handtaschen in Bordeaux. Für Gucci steht ein weißgrundiges Sommerkleid mit einem an die 60er Jahre erinnernden Muster in Rottönen. Und von Audrey Hepburns Lieblingsdesigner Givenchy wurde dem Museum von der Stifterin Ingrid Müller Sünner ein schlichtes schwarzes Abendkleid mit einem raffinierten Rückendekolletee geschenkt.
Viele prominente Träger
Alle Stücke sind Teil der Sammlung - und eine ganze Reihe wurden von den Schenkenden auch selber getragen. Wie das Vivienne-Westwood-Kleid, von Adele Schlombs, der Leiterin des Museums für Ostasiatische Kunst. Sie hat dem Haus einige Kreationen der schrägen Britin vermacht. Das Ausgestellte "habe ich Anfang der 90er Jahre in ihrem Londoner Geschäft gekauft, aber es gab nur wenige Gelegenheiten, es zu tragen", erzählt sie.
Doch gerade dieses Outfit stellte die Ausstellungsmacherinnen vor große Probleme. Es ist aus knallrotem, dehnbarem Stoff (Viskose mit zwei Prozent Lycra), der anschließend mit goldfarbener Folie bedruckt wurde. Das Kleid muss hauteng am Körper der Trägerin anliegen. Aber eine viermonatige Ausstellung auf einer Figurine hätte es zerstört, sagt Textilrestauratorin Elke Beck. Also entschied man sich, es als einziges Exponat liegend zu präsentieren.
Das Westwood-Stück ist aber auch Beleg dafür, dass Mode eine Kunst ist und hinter den Kollektionen oft mehr steckt als nur der schöne Schein. So ließ sich Vivienne Westwood für ihre Präsentation "Portrait" 1990/91 von der Wallace Collection in London inspirieren. So sind die Drucke am Oberkörper Kopien von Intarsien eines Spiegels des Möbeldesigners André-Charles Boulle von 1713.
Aber es geht auch anders: Karl Lagerfeld ist mit einem T-Shirt vertreten, das er für H&M entworfen hatte. Man sei von der Lagerfeld-Schau in Bonn kalt erwischt worden und habe damit auch nicht konkurrieren wollen. Stimmt, manchmal reicht ein schickes T-Shirt.
Ab Samstag bis 28.2.2016, tgl. außer Mo 11 bis 17 Uhr. Katalog bei E.A Seemann, 328 S., 29,95 Euro, im Museum 24,90 Euro.
