Restaurant-Kritik„Mondial“ wagt Neustart mit Pulled Hämmche und Kölscher Pizza

Lesezeit 3 Minuten
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Das Interieur wurde angenehm neu gestaltet.

  • Unser Restaurantkritiker Carsten Henn probiert sich alle zwei Wochen durch die Restaurants in Köln und der Region.
  • Dieses Mal hat es ihn ins wiedereröffnete Restaurants im Hotel Mondial, jetzt mit dem neuen Namen „Mondial 1516“, verschlagen.
  • Begeistern kann hier der Ausblick auf den Dom. Doch wie sieht es mit dem Essen aus? Ein Besuch.

Köln – Die Kölner Hotelgastronomie ist bis auf wenige Ausnahmen ein echtes Trauerspiel. Jetzt wagte das Mondial einen Neustart: Aus dem „Reissdorf im Mondial“ wurde das „Mondial 1516“, wobei der Bierbezug bleibt, denn die Jahreszahl steht für die Entstehung des deutschen Reinheitsgebots.

Vom Fass gibt es vier Biersorten, weitere zehn in der Flasche. Dazu knapp zwanzig verschiedene Weine, darunter Tropfen von Stars wie Fritz Haag und Salwey – allerdings recht hochkalkuliert. Die Speisekarte will vor allem einen „Streifzug durch die deutschsprachige Küche“ bieten, enthält aber auch kölsche Klassiker oder Exotischeres wie Hummus, Flanksteak mit Chili-Limettendip oder Amerikanisches wie das unvermeidliche Duo Caesar Salad und Burger – also das übliche Vielerlei, das für jeden etwas bereitzuhalten versucht.

Einige Speisen lassen aufhorchen

Einige Speisen lassen dabei allerdings aufhorchen, wie die „Kölsche Pizza“. Was dann auf den Teller kommt: Rösti statt Rievkooche? Mettenden statt Flönz? Und auf dem knusprigen Rösti liegt feuchtes Senfkraut? Zudem fehlte es an Salz, und obwohl der Teller heiß war, war es die Speise nicht. Ein Gericht also, das weder bei der Namensgebung noch der Kombination der Zutaten aufgeht.

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Ein Blick in die Küche.

Der „Mondial-1516“-Burger mit „Pulled Hämmche“ klingt nach einer besseren Idee, aber das saftige Fleisch wird von einer plumpen Barbecue-Sauce übertönt, und für das belanglose Kimchi würde sich jeder Koreaner schämen. Beim Hämmche steht extra „hausgemacht“ auf der Karte. Was mich an diesem Zusatz immer irritiert ist: Bedeutet dies, dass andere Gerichte angeliefert wurden?

Auf Nummer Sicher gehen

Ambitioniert klingt das in Weißbier geschmorte Schwarzfederhuhn, aber die Sauce ist von geleeartiger Konsistenz, und in ihr finden sich fast nur Perlzwiebeln, aber kaum Champignons. Das begleitende Kartoffelpüree schmeckt nach Trüffelöl. Geschmacklich etwas erfreulicher gelingt die Ochsenschwanzsuppe, allerdings mangelt es an Sherry PX, der auf der Speisekarte versprochen wird, und die Ravioli waren von laffer Konsistenz – das Brot allerdings von guter Qualität.

Abteilung Schnarch

Auch im Dessertbereich geht man auf Nummer sicher: Neben Apfel-Crumble, gehören die Standards Crème brûlée („hausgemacht“) und Schoko-Lava-Kuchen zum Angebot. Abteilung Schnarch. Aber die Crème brûlée kommt fehlerlos auf den Tisch, mit genau der richtigen Karamellschicht.

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Der Ausblick auf den Dom ist ein klares Plus.

Reserviert hatte ich extra einen Platz mit Blick auf den Dom – erhielt dann aber einen ohne. Allerdings liegt das Restaurant ohnehin deutlich tiefer als der Dom, so dass der Blick hoch gehen muss. Auf der Habenseite stehen beim „Mondial 1516“ der nette Service, die vielen Plätze draußen, und die geschmackssichere Renovierung des Gastraums.

Mondial 1516, Kurt-Hackenberg- Platz 1, 50667 Köln, Telefon 0221/2061 - 530Öffnungszeiten: Mo-Sa 16-24 (warme Küche 16-21.30), So & Feiertag: 12-24 (warme Küche 12-21.30)

www.mondial1516.com

Probiertes

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„Mondial-1516“-Burger mit „Pulled Hämmche“

Kölsche Pizza //12 Euro

Ochsenschwanzsuppe // 7,50 Euro

Schwarzfederhuhn in Weißbier geschmort // 22,50 Euro

Mondial 1516 Burger //17,50 Euro

Crème brûlée (hausgemacht) // 6 Euro

Fazit: Neueröffnung mit angenehmem Interieur, aber etwas beliebigem Gastro-Konzept.

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