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Nach Schokoriegel-RückrufWeichmacher sind schädlicher als Plastikteilchen

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Der Lebensmittelhersteller "Mars" betreibt derzeit eine Rückrufaktion, weil man ein fünf Millimeter großes Kunststoffteilchen in einem Schoko-Riegel gefunden hat - Milky Ways, Mars und Snickers mit einem Mindesthaltbarkeitsdatum zwischen dem 19.6. 2016 und 8.1.2017 sollten nicht verzehrt werden.

Dass Menschen einen Fremdkörper herunterschlucken, ist nicht ungewöhnlich. Gerade bei Kleinkindern geschieht das oft. Laut einer Studie der Universität Sydney handelt es sich dabei in 70 Prozent um Münzen, aber auch kleine Spielzeuge oder Batterien. In 80 Prozent der Fälle hat das keine Folgen, meist entscheidet sich im oberen Drittel der Speiseröhre, ob der Fremdkörper überhaupt weiterkommt. "Die Natur hat es sehr geschickt eingerichtet, zu verhindern, dass verschluckte Gegenstände im Verdauungstrakt steckenbleiben", erklärt der Mainzer Kinderradiologe Reinhard Schumacher. Der Eingang zur Speiseröhre sei die engste Stelle des Magen-Darm-Traktes - "Was dort durchpasst, sollte auch den Rest problemlos passieren". Selbst scharfe und spitze Gegenstände wie Nadeln und Nägel wandern meist problemlos durch den Darm, weil sie frühzeitig mit dem stumpfen Ende nach vorne gedreht werden. In der Regel dauert es vier Tage, und der verschluckte Gegenstand wird ausgeschieden.

Plastikteile bleiben bei der Passage durch den Verdauungstrakt in der Regel intakt, weil es dort keine Enzyme, Säuren oder Bakterien gibt, die dem robusten Material etwas anhaben könnten. Es kann also auch kein Plastik vom Körper aufgenommen werden. Aber es kann den Verdauungstrakt schädigen.Für größere Probleme könnten Substanzen sorgen, die bei der Kunststoffherstellung als Weichmacher eingesetzt werden, wie etwa Phthalate. Sie gehen dabei aber keine stabile Verbindung ein, weshalb sie, wie Arbeits- und Umweltmediziner Hans Drexler von der Universität Erlangen erklärt, "leicht aus dem Kunststoff herausgelöst werden". Verbleibt also ein Plastikstück längere Zeit im Magen, werden je nach Größe mehr oder weniger große Mengen Phthalate freigesetzt und vom Organismus aufgenommen - mit Folgen für die Gesundheit. Denn die Weichmacher wirken wie Hormone und beeinflussen den Sexualhormonhaushalt. In der westlichen Welt tritt die Pubertät bei Mädchen ein Jahr früher ein als vor 20 Jahren. Studien deuten darauf hin, dass dabei die Phthalatbelastung der Umwelt mitspielt. Genauso, wie sie auch den Stoffwechsel beeinflusst.

Bestimmte Phthalate hemmen offenbar die Bildung von Insulin", sagt Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie.

"Andere dagegen begünstigen wohl eine Resistenz gegen das Hormon". In einer schwedischen Studie fand man bei Diabetikern hohe Phthalatbelastungen. Eine Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigt auf, das Phthalate zur Entstehung von Übergewicht beitragen: Sie stören den Zuckerhaushalt, steigern den Anteil ungesättigter Fettsäuren im Blut und beeinflussen die Anzahl von Rezeptoren, die den Gesamtstoffwechsel steuern. Für diese Effekte reichten bereits geringe Phthalatmengen aus. Ob es allerdings schon dick macht, ein fünf Millimeter großes Plastikstück herunterzuschlucken, ist zweifelhaft, da es in der Regel binnen weniger Tage ausgeschieden wird. Problematischer sind da die Phthalat-Belastungen, denen der Organismus durch plastikverpackte Kosmetik, Medikamente oder Lebensmittel ausgesetzt ist.