Abo

Pilzwanderung„Ich glaube an ein gutes Pilzjahr“

4 min

Optimismus gehört natürlich auch dazu: Jean-Marie Dumaine geht in die Pilze.

Ob wir überhaupt was finden?" Einige Teilnehmer der Pilzwanderung mit Spitzenkoch Jean-Marie Dumaine sind skeptisch - schließlich hat es kaum geregnet in den vergangenen Tagen. Und Pilze brauchen für ihr Wachstum Feuchtigkeit. Doch der Meister bleibt optimistisch: "Wir finden immer was", sagt er fröhlich. "Wenn's keine Pilze sind, zumindest interessante Kräuter und Beeren."

Ausgerüstet mit Taschenmessern und den bereitgestellten Körbchen, machen sich die etwa 30 Teilnehmer der Pilzwanderung auf den Weg. Rund zwei Stunden geht es durch ein Waldgebiet zwischen Sinzig und Bad Bodendorf. "Anfang Juli konnten wir hier schon Pfifferlinge und Sommersteinpilze finden", berichtet Dumaine. Der feuchte Sommerbeginn sorgte für reiche Ernte. Jetzt aber scheinen sich die Pilze verkrochen zu haben. Zum Trost führt Kräuterexperte Dumaine die Besucher erst einmal zu Ackersenf und Indischem Springkraut - und verrät natürlich die passenden Rezepte dazu. "Für mich hat Kochen keine Grenzen, Grenzen gibt es nur im Kopf", sagt er.

Nahezu grenzenlose Freude herrscht dann aber, als tatsächlich der erste essbare Pilz auftaucht: ein Goldröhrling. Die wohlschmeckende Gattung mit dem etwas schmierigen goldgelben Hut über dem schwammartigen Röhrengeflecht wächst nur in Symbiose mit Lärchen, in direkter Nachbarschaft der Nadelbäume. "Vorsichtig herausdrehen ist besser als schneiden", rät Dumaine. Sonst könne über den Pilzstumpf Regenwasser ins Myzel eindringen und das unterirdische Geflecht zerstören. Der Küchenchef zeigt auch, wie man den Pilz richtig putzt: "Das sollte man gleich im Wald machen." Mit dem Messer fährt Dumaine über den Stiel nach unten: "Als ob man einen Bleistift spitzt." Gesäubert landet der Röhrling im Körbchen.

Experten warnen zu Beginn der Pilzsaison vor Vergiftungsgefahren- trotzdem kommt es auch in Deutschland immer wieder zu Todesfällen durch Giftpilze. Vor allem der Genuss von Grünem oder Weißem Knollenblätterpilz kann dem Menschen extrem gefährlich werden.

Für Sammler gilt deshalb die Regel: nur eindeutig als essbar identifizierte Pilze mitnehmen. Treten dennoch nach dem Genuss von Pilzen Vergiftungserscheinungen auf, sollte sofort ein Arzt oder die Giftzentrale Bonn benachrichtigt werden. Wichtig: Reste der verspeisten Pilze zur Identifizierung aufbewahren. Im Falle einer vermuteten Vergiftung mit gesammelten Pilzen ist es in den meisten Fällen nötig, sie über einen Pilzsachverständigen bestimmen zu lassen. Den Kontakt kann die Giftzentrale umgehend herstellen.

Notruf bei Pilzvergiftungen: 0228/19 240

Nur wenige Schritte weiter steht ein Büschel Faltentintlinge. Dieser Pilz ist jung essbar, in Verbindung mit Alkohol aber giftig. Nicht besonders reizvoll, zumal die Pilze sich am Rand schon verflüssigen. Was heruntertropft, sieht aus wie schwarze Tinte. Es sind aber die Sporen, über die der Pilz sich ausbreitet. Weitere Pilzsorten tauchen im Wald bei Bad Bodendorf auf. Nicht alle lassen sich sofort bestimmen: Nach der Rückkehr wird der Pilzsachverständige Frank Krajewski unser Sammelgut einer genauen Prüfung unterziehen und klären, ob der falsche Pfifferling in Wirklichkeit ein Ockerbrauner Trichterling ist. Und was ist mit den vielen Wulstlingen? Dumaines charmanter französischer Akzent sorgt bei den Pilz-Schülern zeitweilig für Verwirrung: "Wie heißt der? Grauer Wüstling?" Krajewski wird die weißlichen Pilze mit der gerieften Manschette später als schwach giftige Igel-Wulstlinge identifizieren. Immerhin finden sich bei dieser Wanderung trotz längerer Trockenperiode noch etliche essbare Sorten. Zum Beispiel Exemplare der Gattung "Boletus Fechtneri", auch Silber-Röhrling genannt.

Dumaine freut sich über den Fund eines Riesenporlings, der an einem Baum wächst. Pilze wie diesen schneidet er in Streifen und bereitet daraus einen Pilzsud, der sich in der Küche vielseitig einsetzen lässt. Dann erzählt er, wie er im Park von Sinzig einmal Massen dieses Pilzes erntete: "Am Ende war mein ganzer Kofferraum voll davon."

Auch ein Birkenporling taucht an diesem Nachmittag noch vor den Pilzsammlern auf. Dumaine weiß: "So einen hat schon Gletschermann Ötzi bei sich gehabt." Vor rund 5300 Jahren wussten die Menschen offenbar bereits um die antibakterielle und antibiotische Wirkung dieses Heilpilzes. Besonders schmackhaft ist er allerdings nicht.

Genussvoller wird es nach der Rückkehr ins Restaurant. Nachdem der Pilzsachverständige das Sammelgut überprüft hat, testen die müden Wanderer ein typisches Pilzmenü aus der Küche des Meisters. "Es war sehr trocken. Ich dachte, wir kommen mit leerem Korb nach Hause", verrät der jetzt sichtbar erleichtert. Weil es aber in den nächsten Tagen kühler und feuchter werden solle, verbreitet Dumaine Optimismus: "Ich glaube, es wird ein richtig gutes Pilzjahr."