Henns RestaurantkritikBrutal leckere Brasserie-Küche in der Kölner Südstadt

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André Niediek, Inhaber des Maison Blue in seinem Restaurant

André Niediek,Inhaber des Maison Blue in der Südstadt, versteht sein Handwerk.

Gesellig geht es im „Maison Blue“ zu, ob im Innenraum oder auf der Terrasse des kleinen Restaurants in der Kölner Südstadt. 

Zuerst ein Geständnis: Ich habe es nicht geschafft. Die nette, ja geradezu fürsorgliche Bedienung hatte mich gewarnt, aber ich wollte es natürlich nicht glauben: „Das ist sehr viel Schokolade“, hatte sie gesagt, „schmeckt ein bisschen wie Pralinenfüllung“. Damit forderte sie einen Schokoholik wie mich heraus. Aber ich musste bei „Chocolat bresilien“ die Gabel senken, als der Teller noch halbvoll war … Aber zurück zum Anfang. Wer ins „Maison Blue“ geht, weiß, welche Küche ihn hier erwartet.

Auch die groß und verschnörkelt auf die bodentiefen Fenster geschriebenen Worte lassen keinen Zweifel: Bouillabaisse, Entrecote, Baguette maison, Bon vin. Ola la la la la Fronkreisch, Fronkreisch! Seit vielen Jahren gibt es das von Anne und André Niediek geführte kleine – übrigens barrierefreie – Restaurant in der Südstadt schon. Gesellig geht es zu, ob im Innenraum oder auf der Terrasse, mit trubeligem Stimmengewirr und lautem Lachen.

Mit Besteck, Gläsern und Servietten eingedeckter Tisch

Wie in einer französischen Brasserie sitzt man im Maison Blue in der Kölner Südstadt.

Statt einer Menükarte gibt es eine Schiefertafel, gewählt werden kann zwischen einem Menü mit drei bis fünf Gängen, das man sich selbst zusammenstellen darf. Bevor der erste Gang auf den Bistrotisch kommt, gibt es einen kleinen, selbstgebackenen Brotlaib, Radieschen, Salamischeiben und Dill-Sauce. Das fängt ja gut an!

Klassische Wohlfühlküche

Die Zwiebelsuppe wird traditionell in einer Löwenkopftasse serviert. Sehr heiß ist sie, mit süßlichem Zwiebelaroma, vielen Zwiebelstücken und einer schönen Haube aus Comté. Der Feldsalat wird auf gepressten, warmen Kartoffeln angerichtet, mit einer Zwiebelvinaigrette, Croûtons und Speck – allerdings ist das krönende Onsen-Ei deutlich zu flüssig. Ein gekonnt gebratener Zander wird mit einer Orangen-Graupen-Vinaigrette serviert, wobei sich das Kartoffel-Millefeuille als ein Türmchen geschmacklich belangloser Chips herausstellt. Es sind aber wirklich nur kleine Fehler, die sich André Niediek leistet.

Bistrotische und Dekoration - wie in Frankreich.

Wie in Frankreich: Das Maison Blue in der Südstadt

Hier versteht einer sein Handwerk, trifft souverän alle Garpunkte und bringt eine klassische Wohlfühlküche auf den Teller. So auch bei dem großen, saftigen Stück Winterkabeljau-Filet auf Zitronenrisotto, das ein bisschen mehr Salz vertragen kann – was sich auf dem Tisch auch in mehrerlei Ausführungen findet. Zur wunderbar geschmorten Rinderrippe gibt es ein Rotwein-Perlzwiebeljus, knackige grüne Bohnen und eine aromatisch etwas blasse Polenta. Vor dem Hauptgang wird man hier übrigens – wie es sich in Frankreich gehört – mit einem kleinen Sorbet erfreut, das allerdings in puncto Süße zu viel und in Sachen Säure zu wenig bietet. Zum Schluss die Desserts. Und obwohl ich die Schokoladenvariante mit Rumbisquit nicht schaffe, ist sie köstlich. Das gilt auch für das optisch spektakuläre Dessert „Himbeere – Brutal!“, das die Frucht in Form von Eis, Mousse, Popcorn, Baiser und Parfait auf den Teller bringt. Brutal lecker!

Fazit: Souverän gekochte, klassisch-französische Brasserie-Küche, in passendem Ambiente | Bewertung: 5 von 6 Sternen

Maison Blue: Im Ferkulum 18-22, 50678 Köln 0221-9328996, Mi-Sa ab 18 Uhr, maisonblue-koeln.de

Probiertes

Optisch spektakuläre Dessert: „Himbeere – Brutal!“

Optisch spektakuläre Dessert: „Himbeere – Brutal!“

  1. Zwiebelsuppe mit Comté
  2. Onsen-Ei mit Feldsalat
  3. Gebratener Zander & Orangen-Graupen-Vinaigrette
  4. Winterkabeljau auf Zitronenrisotto
  5. Geschmorte Rinderrippe Chocolat „bresilien“
  6. Himbeere – Brutal!
  7. Menü: 53 € (3 Gang), 61 € (4-Gang), 71 € (5-Gang)
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