Runde Eckkneipe in Bickendorf„Im Rondellchen“ – kölsche Kneipenkultur auf 46 qm

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Das Rondellchen befindet sich bereits seit 1929 am Bickendorfer Akazienweg.

Köln-Bickendorf – Zwischen Cocktailbars und modernen Restaurants gibt es sie noch immer: Traditionskneipen mit langer Historie, die den Menschen seit Dekaden als Treffpunkt und sozialer Ankerpunkt dienen. Eine solche Kneipe ist das „Im Rondellchen“ am Bickendorfer Akazienweg. Seit 1929 befindet sich die Wirtschaft am selben Ort, der namensgebende Rundbau ist aus dem Veedel nicht wegzudenken: „2009 wäre die Kneipe beinahe geschlossen worden. Um das zu verhindern, haben wir sie nebenberuflich übernommen“, erklären Dieter Polch und Wilfried Kelm, die das Rondellchen betreiben.

Während Polch seit 13 Jahren hinter dem Tresen steht, kam Kelm 2016 dazu: „Wir kommen aus Bickendorf und sind mit dem Rondellchen aufgewachsen. Deshalb war es uns wichtig, dass es am Leben bleibt.“

Polch, der bereits während des Studiums in der Gastronomie arbeitete, war zur Zeit der Übernahme noch als Bewährungshelfer tätig, Kelm war 37 Jahre lang bei der Berufsfeuerwehr im Einsatz: „Dass wir dann eine Kneipe betreiben, mussten wir erst einmal mit unseren Frauen absprechen“, erzählen die beiden und lachen, „aber wir haben ihren Segen bekommen.“

Kneipe ist von Dienstag bis Freitag geöffnet

Als gebürtige Bickendorfer haben Polch und Kelm auch die Veränderungen im Veedel mitbekommen – und jene in der örtlichen Kneipenlandschaft: „Es haben sehr viele Lokale dicht gemacht, und auch die Kneipenkultur selbst hat sich verändert“, erzählen sie. So gäbe es heute den klassischen Frühschoppen nur noch selten. Auch haben Polch und Kelm die Öffnungszeiten des Rondellchens an die neue Ausgehkultur angepasst: Geöffnet ist die Kneipe nur von Dienstag bis Freitag: „Obwohl Bickendorf als Wohngegend immer beliebter wird, ist es dennoch ein Randbezirk“, erklärt Wilfried Kelm, „da fehlt am Samstag einfach die Laufkundschaft.“

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Wilfried Kelm und Dieter Polch sind selbst in Bickendorf mit dem Rondellchen aufgewachsen.

Generell kämen viele Stammgäste und -tische ins Rondellchen, viele von ihnen schon seit Jahrzehnten: „Die Gäste sind für uns am wichtigsten, es geht bei uns ziemlich familiär zu“, sagt Dieter Polch: „Man kennt sich hier. Und wenn nicht, dann kennt man sich nach einer halben Stunde.“

Wie der 66-Jährige weiter erzählt, sei die Veedelskneipe besonders an Karneval angesagt: „Dann kann es hier schon sehr voll werden. Immerhin haben wir nur 46 Quadratmeter.“

„Man kennt sich hier.“

Das mag in der Tat nicht viel sein, trägt aber zur Gemütlichkeit der runden Kneipe bei, die in der Mitte vom Tresen geteilt wird. Das alte Interieur haben Kelm und Polch behalten, W-Lan gibt es im Rondellchen nicht. Aber das braucht man auch nicht, wenn man sich mit guten Freunden auf ein Bier trifft.

Dafür gibt es in der Kneipe von Dieter Polch und Wilfried Kelm Frikadellen und Würstchen zum Gaffel-Kölsch, das Fleisch kommt vom Metzger ihres Vertrauens: „Das sind unsere kleinen Hausgerichte, die bei unseren Gästen gut ankommen“, sagen die zwei, die sich inzwischen ein neues Ziel mit ihrer Kneipe gesetzt haben: „Es geht uns nun auch darum, die neue Generation mit ins Boot zu holen und ihr wieder die Kölner Kneipenkultur näherzurbringen“, sagt Polch.

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Metzgerfleisch und Gaffelkölsch

Schließlich wollen die beiden Pensionäre nicht bis ins Alter von 80 Jahren hinter der Theke stehen, mit dem Rondellchen soll es aber auch in Zukunft weitergehen. Immerhin, sagt Polch, sei die Wirtschaft die letzte Eckkneipe in der Nachbarschaft – auch wenn sie rund ist.

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