Henns Restaurantkritik„Landhaus Velte“ – klassische Küche im US-Ostküsten-Ambiente

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Das Landhaus Velte am Golfclub St. Urbanus in Libur kommt ein wenig im Ostküstenstil daher.

Das Landhaus Velte am Golfclub St. Urbanus in Libur kommt ein wenig im Ostküstenstil daher.

Was ein begabter junger Koch im Porzer Golfclub auf den Tisch bringt und wie er die kulinarische Klassik feiert.

Wer rechtsrheinisch die Urbanusstraße entlangfährt, erwartet an deren Ende sicherlich nicht, an der US-amerikanischen Ostküste zu landen. Aber das große, weiße, villenartige Haus ist keine Fata Morgana, sondern soll an den berühmten Golfclub in Augusta erinnern. Auch im größtenteils in Schwarz, Weiß und Grau gehaltenen Inneren spürt man einen ausgeprägten Stilwillen.

Neben Räumlichkeiten für Events bietet das zu einem Golfclub gehörende Landhaus auch ein Bistro, in dem es Speisen wie Currywurst, Flammkuchen oder Jägerschnitzel gibt, sowie ein Restaurant für gehobenere Küche. Verantwortlich für beide ist der ungarnstämmige David Zsigo, ein junger Koch, der auch regelmäßig an Wettbewerben teilnimmt, um sich mit anderen seines Fachs zu messen.

Ceviche von der Eifel-Forelle

Zsigo präsentiert eine Küche, die ausgesprochen klassisch, und bis auf wenige Ausnahmen europäisch ist. Eine der Ausnahmen ist das Ceviche von der Eifel-Forelle. Die Variation des peruanischen Nationalgerichts mit Tigermilch, Avocado-Würfeln, hauchdünn geschnittenen roten Zwiebeln und Koriander ist überzeugend gearbeitet. Sie bietet dem köstlichen Fisch eine schöne Bühne, fällt nur in puncto Säure zu verhalten aus.

Gelungene Trüffel-Tagliatelle

Rundum gelungen sind die al dente gegarten Tagliatelle mit Parmesan sowie schwarzem Trüffel – nicht zubereitet mit der Küchenpest namens Trüffelöl, sondern mit wertiger Trüffelbutter. Den richtigen Garpunkt bei einem Risotto zu treffen, gehört seit jeher zu den kniffligeren Aufgaben in der Küche. Zsigo gelingt diese bei seiner herrlich schlotzigen Variante mit vielen Waldpilzen, grünem Spargel und Cherrytomaten souverän. Allerdings ist das Gericht ein wenig zu hart am Salz, was noch mehr für den gekonnt kross auf der Haut gebratenen Wolfsbarsch gilt. Angerichtet sind die beiden Filets auf Kartoffelstampf, die im Menü verzeichneten Baby-Karotten fehlen.

Neben einem Dutzend herzhafter Speisen bietet das Menü gerade einmal ein vollwertiges Dessert in Form eines Kaiserschmarrns, den man nur für zwei Personen bestellen kann. Auch hierbei beweist Zsigo sein solides Handwerk, wobei die großen Stücke ruhig saftiger und auch ein wenig knuspriger sein dürften. In Kombination mit der erfrischenden Preiselbeeren-Crème-fraîche ergibt sich trotzdem ein harmonisches Ganzes.

Gut 20 verschiedene Flaschenweine und vier offene werden angeboten, angesichts der Klasse der Küche dürften es ruhig ein paar mehr sein, und als Aperitif auch glasweise ein deutscher Spitzensekt oder Champagner. Ein guter Allrounder ist die weiße Cuvée „Echte Fründe“, welche die Pfälzer Winzer Hensel und Schneider dem FC gewidmet haben, und die süffiger aufspielt als die Mannschaft in den letzten Wochen. Serviert wird all dies von einem freundlichen Service, allerdings kann es dauern, bis das Essen an den Tisch kommt.

Fazit: Klassische Küche von einem begabten jungen Koch. / Bewertung: 4 von 6 Sternen

Landhaus Velte: Urbanusstraße 70, 51147 Köln, Tel.: 0221/99 88 66 0; Do-Sa 18-22 (Küche 18-21), So 12-22 (Küche 12-21) landhausvelte.koeln

Probiertes

  • Forelle aus der Eifel „Ceviche“// 15,50 Euro
  • Trüffel Tagliatelle // 19,50 Euro
  • Waldpilzrisotto // 20,50 Euro
  • Wolfsbarsch // 22,50 Euro
  • Kaiserschmarrn für Zwei // 14,50 Euro
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