Rundschau-Podium im Video„Nichts wird mehr so sein wie vor Corona“

Live im Internet diskutierten (Uhrzeigersinn von links unten) Pfarrer Franz Meurer, Ulrich Voigt, Moderatorin Nathalie Bergdoll, Prof. Dr. Martin Booms und Prof. Dr. Markus Gabriel.
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Köln – Die Welt wird nie mehr so sein, wie vor Corona, davon ist der Bonner Philosoph Dr. Markus Gabriel überzeugt. Gleichwohl sei das auch gut. Denn das eröffne die Chance, vieles besser zu machen und gemeinsam globale Probleme zu lösen, sagte der Bonner Professor beim ersten digitalen Rundschau Podium. „Fairness & Verantwortung – Wie verändert Corona unsere Gesellschaft?“ war die zentrale Frage der Gesprächsrunde, die von Nathalie Bergdoll moderiert wurde.
Für den Kölner Pfarrer Franz Meurer ist das keine Frage: „Wir müssen weiter zusammenhalten“ ist sein Credo. „Die Leute sind heiß darauf, etwas für einander zu tun“, hat er in seinen Kölner Pfarrgemeinden in Vingst und Höhenberg erfahren. Und wir müssen pragmatische Lösungen finden, wie wir das Zusammenleben verbessern können, so der katholische Pfarrer.
Den gesellschaftlichen Konsens suchen und finden, hält auch Professor Dr. Martin Booms für entscheidend. Die Gesellschaft müsse andere Meinungen aushalten. Das Schlimmste wäre, so der Direktor der Akademie für Sozialethik und Öffentliche Kultur in Bonn, eine Verfestigung von Lagern und damit eine Spaltung der Gesellschaft.
Angst vor einer vierten Welle
Für Ulrich Voigt, den Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Köln Bonn steht außer Frage, die existenzbedrohenden wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abzufedern. Es geht um Schadensbegrenzung und Unterstützung. Eine dritte oder gar vierte Corona-Welle würden viele dieser Unternehmen nicht überleben, ist Voigt überzeugt.
Dass es diese Wellen geben werde, davon ist Philosoph Gabriel überzeugt. Daran werde auch ein Impfstoff nichts ändern, meinte der Professor der Uni Bonn. Es sei trügerisch zu glauben, dass dadurch die Pandemie gestoppt werden könne. Auch der von Wissenschaftlern prognostizierte Wellenbrecher-Effekt durch den „Lockdown Light“ sei bisher ausgeblieben. Nach seiner Meinung werde es von nun an bis auf Weiteres ein ständiges „Auf und zu“ geben, wie bei einem Jo-Jo-Effekt. Es sei aber auch zu kurz gesprungen, die Pandemie als reines Infektionsgeschehen zu betrachten, es handele sich vielmehr um ein höchst komplexes sozio-ökonomisches Geschehen, das nicht allein von der Bundesregierung und den Virologen gelöst werden könne. Dafür bedürfe es des Austauschs transdisziplinärer Gruppen, welche Kollateralschäden wir riskieren wollen.
Wichtig sei eine effektivere Bekämpfung der Pandemie. Dazu müssten auch Strategien anderer Nationen, die bisher besser durch die Krise gekommen sind, miteinfließen. Auch brauche es für die Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen weiterer Wellen heute schon Konzepte. Voigt: „Da dürfen wir nicht reinstolpern.“
Für Prof. Booms biete Covid 19 aber auch die Chance für ein neues Unternehmertum, das Profit auf den Prüfstand stelle.
Zu Beginn der Live-Übertragung des Rundschau Podiums gab es technische Probleme, für die wir uns entschuldigen möchten. Die Aufzeichnung der Gesprächsrunde kann unter folgender Adresse abgerufen werden: www.rundschau-online.de/podium (kmü)
