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Samen tauschen in der RegionSaatgutfestivals sollen alte Sorten retten

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Bume

Symbolbild

Sie sind rund oder eckig, gebogen oder zackig, rollen weg wie Murmeln oder fallen flach auf den Boden wie kleine Crêpes. Sie rutschen in Ritzen, fliegen im Wind. Manche drehen sich von selber in die Erde, wieder andere lassen sich von Ameisen forttragen. Einige sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, andere sind so groß, dass man sie als Snack knabbern kann. Groß ist die Vielfalt der Samen, genauso groß die Zahl der Überlebensstrategien von Pflanzen.So kompakt ein Samenkorn ist: in ihm steckt bereits alles, was ein Gewächs für sein gesamtes Leben braucht. Ein Bauplan, ein Zeitplan, ein Plan, sich zu vermehren. Um diese Überlebenspakete zu produzieren, muss eine Pflanze blühen.

Biene an Blume

Symbolbild

An der Blüte - ob sie nun scheibenförmig ist wie eine Margerite oder einen Rachen besitzt wie das Löwenmäulchen - öffnet sich die Pflanze der Welt. Hier gibt sie Pollen ab, hier nimmt sie Pollen auf, der durch Insekten oder den Wind herbeigebracht wird. In der Blüte findet die Befruchtung statt mit dem neu dazugekommenen Erbmaterial.

Natürliche Bestenlese

Daraus entstehen Samen, die Informationen enthalten, die denen der Eltern ähneln, aber auch eine gewisse Variation aufweisen. Denn je unterschiedlicher sie sind, desto größer sind die Überlebenschancen künftiger Pflanzen. Ein schattigerer Standort? Ein heißerer Sommer? Bei einer großen Menge an Nachkommen gibt es immer welche, die diese Herausforderung besonders gut meistern und sich durchsetzen.

Pflanzen, die sich selber vermehren, passen sich über die Generationen hinweg optimal an ihren Standort an. Gemeinsam mit dem Menschen, der stets die Exemplare auswählt, die er für besonders geeignet hält, entstehen zum Beispiel Obst- und Gemüsesorten, die vor Ort besonders gut gedeihen: Bohnen im Bergischen Land, Pfirsiche im Rheinland. Manche sind vor langer Zeit entstanden und wirklich alt, andere eher jung. Manche sind im Handel erhältlich, andere wiederum rein in privater Hand und werden über den Gartenzaun oder auch auf Tauschbörsen weitergegeben.

Bewusstsein für alte Schätze

So unspektakulär es zu Großmutters Zeiten gewesen sein mag, eine Hand voll Erbsen weiterzureichen - seit einigen Jahren wächst das Bewusstsein, dass es sich bei so etwas um wahre Schätze handelt. Denn was vor einigen Jahrzehnten noch als selbstverständlich galt, ist heute Rarität geworden: alte oder samenfeste Sorten, die auch selber vermehrt werden können. Mit der Macht der großen Firmen, die Saatgut für die Welt produzieren, wächst die Zahl der Kritiker, die darin eine Bedrohung der Vielfalt und eine Schaffung von Abhängigkeit sehen.

Viele der konventionellen Sämereien sind Hybriden. Sie bringen Hochleistungspflanzen hervor, die besonders robust und ertragreich sind. In Hybriden wurden Eigenschaften zweier Elternpflanzen vereint, bei denen im Vorfeld jeweils spezielle Merkmale züchterisch herausgearbeitet worden waren. Ist eine solche Kreuzung erfolgreich, entsteht ein besonders kräftiges Gewächs.

Werden dessen Samen jedoch wieder ausgesät, wachsen Pflanzen heran, die entweder die Eigenschaften des Vaters oder der Mutter haben. Sie sind also nicht samenfest im Gegensatz zu den Sorten, die durch reine Auslese gezüchtet wurden. Samenfeste Sorten sind weniger ertragreich als die Hybriden, sind auch mal klein und krumm, dafür zäh und anpassungsfähig. Allerdings gelangen sie nur selten in die Geschäfte.

Nur 15 Prozent der Sorten werden zugelassen

Denn Sorten, die verkauft werden, müssen nach den EG-Saatgutrichtlinien offiziell zugelassen sein. Das ist ein Aufwand, den kleine Unternehmen weder finanziell noch verwaltungstechnisch stemmen können. In Deutschland werden laut Information des Bundessortenamts jährlich nur etwa 15 Prozent aller beantragten Sorten zugelassen.

Doch sind solche alten Sorten nicht aus der Welt: Gerade im Frühjahr ist es ein Leichtes, an Sämereien zu kommen, etwa auf einer der vielen Tauschbörsen. In Köln findet seit vier Jahren das Saatgutfestival statt, organisiert vom Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) Köln, den Gemeinschaftsgärten Köln und der Volkshochschule. Auch in Bonn, Düsseldorf, im Bergischen Land und in der Eifel gibt es Gelegenheit, Saatgut zu tauschen. Die Nachfrage wächst stetig, berichten die Organisatoren.

Termine in der Region

Saatgutfestival Köln

Samstag, 23. Februar, 11 bis 17 Uhr,VHS -Studienhaus, Cäcilienstr. 35.

Saatgutfestival Düsseldorf

Samstag, 9. März, 11 bis 17 UhrGeschwister-Scholl-Gymnasium,Redinghovenstr. 41, 40225 Düsseldorf

Saatgutfestival Eifel

Sonntag, 24. März, 11 bis 17 Uhr; Nationalparktor Höfen, Hauptstr. 72 - 74, 52156 Monschau-Höfen

Saatgutbörse im Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten Bonn

Sonntag, 7. April, 12 bis 15 Uhr, Nutzpflanzengarten der Botanischen Gärten Bonn, Katzenburgweg 3, 53113 Bonn