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Schloss GeorghausenDampfrösser schnauften zum Schloss

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Das Wasserschloss Georghausen. (Bild: Wagner)

Jeder Schritt raschelt im knöchelhohen Laub, warm wirft die Sonne ihre herbstlichen Strahlen durch die letzten Blätter an den Bäumen, die die Sicht freigeben auf einen der verwunschensten Orte im Bergischen Land: Schloss Georghausen. 1466 erstmals mit Burg und Mühle erwähnt, ist der alte Herrschaftssitz im Sülztal heute ein Dorado für Golffreunde - und Wanderer.

Denn rings um das Wasserschloss gibt s nicht nur reizvolle Wege, sondern auch Eisenbahngeschichte im Dornröschenschlaf zu entdecken. An der Kapelle St. Rochus und St. Sebastianus im Höhenort Schmitzhöhe beginnt unsere Tour ins Tal der Sülz, die sich hier in mancher Flussschleife durchs Bergische Land gegraben hat. Wo wir erstmals den Fluss erreichen, führt unser Weg auf eine Trasse, die teils tief in den anstehenden Fels gesprengt wurde.

Bis in die 60er Jahre verkehrte hier die Sülztalbahn, die zwischen 1909 und 1912 von Immekeppel über Hommerich bis nach Lindlar gebaut worden war. Auf ihrem längst seiner Schienen beraubten Damm erreichen wir Georghausen. Rechts ist eine Brücke mit einer Statue des Brückenheiligen Johannes Nepomuk zu sehen, gegenüber die liebevoll restaurierte Georghausener Mühle. Eine alte Kastanienallee führt in die andere Richtung zum Schloss. Besonders reizvoll: Der Blick durch das Vorburg-Tor auf das in seiner heutigen Form wohl weitgehend aus dem 18. Jahrhundert stammende Herrenhaus. Die Wegmarkierung „K“ führt uns quer über das Golfplatzgelände. Auf dem Höhenzug zur Rechten sehen wir die Kirche von Offermannsheide, in der 1788 bis Mitte der 1790er Jahre Johann Peter Ommerborn wirkte - jener Geistliche, der später als „Held von Ommerborn“ bekannt wurde. 1795 soll er von Offermannsheide aus den Widerstand gegen die französischen Revolutionstruppen organisiert haben.

Das Rauschen der Autos auf der Straße im Tal lässt den Wanderer in die Gegenwart zurückkehren. Vor 50 Jahren noch hörte man hier vor allem die Eisenbahn. Ein stummer Zeuge ihrer Geschichte hat im Wald bei Oberbilstein den Siegeszug des Autos überdauert: Eine alte Brücke (Vorsicht, marode Geländer!) führt über die ehemalige Bahnlinie, auf der 1966 der letzte Zug verkehrte. Zurück im Tal sehen wir jenseits der Landstraße die Reste eines alten Bahnviadukts. Ein schmaler Pfad führt auf der gegenüberliegenden Talseite hinauf zu der Stelle, an der einst die Züge aus einem tiefen Felseinschnitt auf die heute größtenteils abgerissene Brücke rumpelten. Steil geht es durch einen ehemaligen Steinbruch, zwischen Bäumen Ausblicke ins Tal der Sülz, die nun, da wir die Meanderkuppe ersteigen, zu beiden Seiten unten im Tal fließt.

Auf der Höhe erreichen wir Kalkofen. Bei guter Fernsicht kann man von hier bis ins Siebengebirge und in die Eifel sehen. Gut, dass es nach dem fast alpinen Aufstieg nicht mehr weit ist zurück nach Schmitzhöhe, wo im Landhaus Bleeker eine Einkehr lockt, bevor wir die letzten Meter zurück zum Ausgangspunkt stapfen.

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