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Social MediaAusweitung der Suchzone

6 min

Was ist Graph Search?

Bei der neuen Funktion handelt es sich um eine Art Suchmaschine, die auf Informationen basiert, die Nutzer selbst liefern. Inhalte, die Freunde mit einem geteilt haben, können damit gezielt durchsucht werden. Umgekehrt finden Freunde bestimmte Inhalte, die man mit ihnen geteilt hat. Jede Person erhält dabei individuelle Ergebnisse. So kann man sich alle Fotos anzeigen lassen, auf denen man selbst markiert wurde oder die bei einem Ereignis gemacht wurden, an dem man selbst teilgenommen hat. Man kann auch Facebook-Nutzer ausfindig machen, mit denen man Interessen teilt. Etwa Freunde von Freunden, die gerne tanzen oder eine bestimmte Sportart betreiben. Facebook-Chef Mark Zuckerberg betont, dass es darum gehe, die Nutzer aus der Isolation ihres Freundeskreises heraus zu locken.

Wie funktioniert Graph Search

Anfragen sollen in Form von ganzen Sätzen möglich sein. So kann man beispielsweise formulieren: "Welche Restaurants in Köln empfehlen meine Freunde?" oder "Finde Fotos von allen, die beim Rosenmontagszug dabei waren." Letztlich folgt Graph Search aber der Struktur einer Datenbank, die sich nach bestimmten Stichworten und Verbindungen durchsuchen lässt. Um von anderen besser gefunden zu werden, sollte man die Info-Seite innerhalb des eigenen Profils ausfüllen und Geburtsdatum, Heimatstadt, Arbeitgeber und Interessen angeben. Bei Fotos sollte man die Ortsangaben aktivieren und Ort, Aufnahmezeitpunkt sowie die Namen der angezeigten Personen hinzufügen.

Welche Informationen werden zu finden sein?

Die verwendeten Informationen erstrecken sich derzeit auf Personen, Fotos, Orte und Interessen. Auf dieser Grundlage ist schon eine sehr weitreichende Suche möglich - zum Beispiel nach in der Nähe wohnenden Freunden von Freunden, die einem Verein angehören, gerne kochen, regelmäßig Konzerte besuchen, Single sind oder bei einem bestimmten Unternehmen arbeiten. Neu ist auch, dass sich die Ergebnisse nicht auf den eigenen Freundeskreis beschränken. Freunde und Bekannte können nach ihren Interessen gefiltert werden. Mit der Ortssuche betritt Facebook teilweise Neuland. Über Smartphone-Apps nach Informationen zu Orten zu suchen, an denen man sich gerade aufhält, überließ das Netzwerk bislang anderen Diensten. Das könnte sich ändern und die mobile Nutzung von Facebook stärken. Die Bildersuche könnte der Schlüssel sein, die rund 240 Milliarden hochgeladenen Fotos erschließbar zu machen.

Was bringt das dem Nutzer?

Bislang präsentiert sich Facebook in erster Linie als ständiger Fluss ("Stream") von persönlichen Verlautbarungen direkter Freunde oder abonnierter Seiten. Ist man mehrere Stunden offline, verpasst man unter Umständen interessante Benachrichtigungen. Graph Search ermöglicht es, gezielt nach Benachrichtigungen zu suchen, die möglicherweise bereits weiter zurückliegen. Dabei schaut man weit mehr als derzeit möglich über den Tellerrand des eigenen Freundeskreises hinaus. Wenn man so will, verlagert Facebook seinen Schwerpunkt damit weg von einem Kommunikationswerkzeug hin zu einem gigantischen Archiv von Personen, Ereignissen und Interessen.

Welchen Zweck verfolgt Facebook damit?

Auf den Punkt gebracht, strebt Facebook an, den gewaltigen Datenschatz zu erschließen, der sich in den vergangenen Jahren angesammelt hat - zunächst einmal im Sinne der Nutzer. Zukünftig sicher aber auch verbunden mit eigenen Vermarktungsinteressen. Zudem versucht Facebook-Chef Mark Zuckerberg mit der neuen Funktion, Nutzer noch enger an Facebook zu binden und in Konkurrenz zu anderen Online-Netzwerken zu treten. Dazu gehört etwa die in den USA beliebte Online-Pinnwand Pinterest. Das Teilen von Fotos ist bei Facebook derzeit nur eine Nebenfunktion. Mit der Möglichkeit, gezielt nach Bildern zu suchen, die etwa ein bestimmtes Motiv zeigen oder an einem bestimmten Ort aufgenommen worden sind, wird sich das ändern. Schwere Zeiten dürften anbrechen für Partnerschaftsvermittlungen, Dating-Agenturen, Business-Netzwerke wie Xing oder LinkedIn sowie Online-Dienste, die sich wie etwa StayFrfiends der Suche nach ehemaligen Mitschülern widmen.

Wo liegt der Unterschied zu Suchmaschinen?

Graph Search beschränkt sich auf die Suche innerhalb von Facebook und ist damit kein Ersatz für andere Suchmaschinen wie Google oder Bing. Je nach Erkenntnisinteresse kann eine Suche über Facebook aber lohnender sein als über Google. Gemessen an einer Suche innerhalb eines definierten Kreises von Personen wirken die Google-Ergebnisse unpersönlich und weniger relevant. Das birgt gleichzeitig die Gefahr, dass der Ausschnitt, den Menschen von der Welt wahrnehmen, künftig noch kleiner wird und bestimmte Aspekte und Zusammenhänge gänzlich aus dem Blick geraten. Dem entgegen steht die angekündigte Kooperation mit Bing. Stößt Graph Search an seine Grenzen, soll Bing die Lücken füllen. Das könnte Microsofts Suchmaschine den lang erhofften Auftrieb geben und dem Marktführer Google einiges Kopfzerbrechen bereiten.

Hat jeder Zugriff auf Daten von anderen?

Nein. Mark Zuckerberg stellte bei der Präsentation klar, dass die Suche nur solche Nutzerinhalte erfasst, die auch dafür freigegeben sind. Als privat gekennzeichnete Inhalte bleiben weiterhin privat und sind nur Nutzern zugänglich, die sie auch jetzt schon sehen dürfen. Die von Datenschützern bemängelte Timeline-Funktion - eine Art virtueller Lebenslauf innerhalb von Facebook - dürfte künftig noch kritischer betrachtet werden. Denn durch die Möglichkeit der gezielten Suche rücken auch solche Inhalte wieder in den Vordergrund, die bereits Jahre zuvor gepostet wurden. Für die Betroffenen, die möglicherweise in der Zwischenzeit einen neuen Beziehungsstatuts oder eine andere geschäftliche Position innehaben, könnten sich so eventuell recht peinliche Situationen ergeben, wenn er mit der Vergangenheit konfrontiert wird.

Gefährdet Graph Search den Datenschutz?

Die Verantwortlichen bei Facebook berufen sich zu Recht darauf, dass nur nach Informationen gesucht wird, die Nutzer öffentlich zugänglich auf ihr Profil gestellt haben. Darüber hinaus finden sich unter "Konto" und "Privatsphäre-Einstellungen" vielfältige Möglichkeiten, den Zugang zu persönlichen Daten, Bildern und Statusmeldungen nur einem begrenzten Kreis zugänglich zu machen und andere auszuschließen. Facebook-Nutzern wird es auch künftig nicht erspart bleiben, sich intensiv mit diesen Möglichkeiten auseinanderzusetzen und darauf zu achten, was sie öffentlich zugänglich machen und mit wem sie in Kontakt treten. Eine vermeintlich harmlose Angabe wie die des Wohnortes kann beispielsweise dazu führen, dass eine lästige Online-Bekanntschaft einen auch im wirklichen Leben behelligt.

Wann kann man die neue Funktion nutzen?

"Bald" sagen die Verantwortlichen recht unbestimmt. Bislang hat nur ein kleiner Teil englischsprachiger Nutzer die Gelegenheit, Graph Search selbst auszuprobieren. Unter der Internet-Adresse (siehe unten) findet sich aber schon jetzt eine Vorschau. Zudem kann man sich auf eine Warteliste setzen lassen, um zu den Ersten zu gehören, die die neue Funktion nutzen dürfen. Mark Zuckerberg betont, dass sich Graph Search noch in der Testphase befindet. Einen konkreten Starttermin gibt es nicht.

www.facebook.com/about/ graphsearch/privacy

Welche Neuerungen gibt es noch?

Facebook ist ein "work in progress". Das heißt, dass ständig neue Funktionen veröffentlicht werden. Kritisch betrachtet werden Nutzer dadurch verunsichert, da es mitunter schwer durchschaubar wird, wer letztlich welche Inhalte zu sehen bekommt. Positiv betrachtet gibt es schon jetzt deutlich mehr Möglichkeiten, die Bandbreite der Informationen zu erweitern und sie besser den persönlichen Interessen anzupassen. Dazu beigetragen haben vor allem die so genannten Timeline-Apps. Mit diesen Zusatzdiensten wird die eigene Timeline um Nachrichtenkanäle und Anwendungen erweitert. So bietet "Foodspotting" zum Beispiel die Möglichkeit, sich mit Gourmets in aller Welt darüber auszutauschen, wo man hervorragend essen kann. Über "Ticketmaster" kann man Konzertkarten für viele Veranstaltungen kaufen. Eine Übersicht aller Anwendungen findet sich im "App-Zentrum". Vor der Installation einer neuen Anwendung sollte man sich aber dessen bewusst sein, dass man damit automatisch weitere Informationen von sich preisgibt. Und dann muss man schauen, ob die Vorteile überwiegen.