Der prüfende Blick von Alicia Ortega streift über die Rohlinge aus Stroh. Innerhalb weniger Sekunden entscheidet sie, ob aus dem halbfertigen Stück in ihren Händen ein echter Panamahut werden kann. Zu groß, zu breite Krempe, zu grob gearbeitet - das alles wirft die Chefin der größten Panamahutfabrik der Welt in Cuenca im Süden Ecuadors auf einen Haufen links neben ihrem Stuhl. Auf einem weitaus kleineren Haufen rechts daneben landen die Stücke mit dem Potenzial, weiterverarbeitet und in die ganze Welt verkauft zu werden.
Panamahüte - die trotz ihres Namens ursprünglich aus dem südamerikanischen Land Ecuador stammen - sind längst weltweit Klassiker der Hutmode. In diesem Sommer sind die aus getrockneten Pflanzenfasern geflochtenen runden Hüte mit leicht hochgedrehter Krempe im Trend. Und sie sind bunter als jemals zuvor, sagt die Modeberaterin Sonja Grau aus Ulm. "Sie sind nach wie vor topaktuell und werden durch neue Farben modernisiert."
Ob knallrot, jeansblau, weiß oder nude - "in diesem Sommer werden die tollsten Farbmixe zu sehen sein". Auch komplett gemusterte Varianten sind darunter: Donna Karan schickte ihre Models mit Hüten im Blümchenmuster auf die Laufstege. John Galliano zeigte den Gegentrend: Zerknautschte Hüte in schlichtem Schwarz.
Verschiedene Formen aus Pflanzenfasern
Auch Alicia Ortega, Designerin der Marke "Homero Ortega", präsentiert in ihrer aktuellen Kollektion den Klassiker in allen Farben, kariert, verziert mit Blumen aus Stroh, bunten Bändern und Strass. "Generell tragen die Leute wieder mehr Hut", sagt die Ecuadorianerin. "Und was mich besonders freut: Die Jugendlichen auch. Das liegt auch daran, dass die Stars wieder mehr Hüte tragen. Bruce Willis, zum Beispiel. Und die Jugendlichen imitieren dann diesen Stil."
Aber nicht nur der Panamahut, auch viele andere Klassiker sind Modeexperten zufolge in diesem Sommer angesagt. Allen voran der an der Krone längs nach unten geknickte Fedora und sein kleiner Bruder mit der kürzeren Krempe, der Trilby. "Den tragen in diesem Sommer Männer und Frauen", erklärt Andreas Voigtländer, Vorsitzender der Gemeinschaft deutscher Hutfachgeschäfte (GdH) in Köln. Weiterentwicklungen des Trilby sind die Varianten "Pork Pie" in ganz rund und "Diamond" in Rautenform.
Besonders gerne werden die verschiedenen Formen derzeit aus Pflanzenfasern angeboten: Daniel Hechter hat einen kleinen Trilby für Frauen mit orangener Krempe, Rosner einen Panamahut mit breiter, stark geschwungener Krempe. Bugatti hat ein schickeres kleineres Model mit kurzer Krempe für ihn, Heine eines in weiß mit breitem beigen Band.
Ein Comeback unter den Klassikern feiern daneben der steife, abgerundete "Bowler"- Hut, der in Deutschland als "Melone" bekannt ist, und der enge, glockenförmige und hauptsächlich bei Frauen beliebte "Cloche". Selbst der Zylinder ist wieder da - wenn auch selten, wie Fachhändler Voigtländer erzählt.
"Manche heiraten sogar wieder im Zylinder. Er ist schon noch eine Seltenheit, gilt aber als Möglichkeit, noch mehr aufzufallen als mit einem anderen Hut."
Neben den Klassikern und diversen Varianten aus Naturformen greifen Modebewusste in diesem Sommer auch zu einem Hut, der nach Meinung vieler Mode-Experten eigentlich gar keiner ist: Das Baseballcap. Das sei ein Haupttrend, sagt Katja Schweitzberger vom Mode-Blog "LesMads". Victoria Beckham zeigt sie in glänzendem Lack, edc im Arbeiterstil, Burberry lässt Bommeln daran baumeln. "Die klassische Baseballmütze aus flexiblem Material, unifarben und vielleicht noch mit einem großen Logo drauf, das ist nur etwas für Jüngere - eher unter 20, selten bis an die 30", sagt Fachhändler Voigtländer. Die europäische Schirmmützenvariante stehe allerdings auch Älteren.
Für glamouröse Anlässe bleibt der mit einer Haarnadel, einem Kamm oder Haarreif am Kopf befestigte Fascinator eine Alternative. Ob Federn, Strass, Spitze oder Stoff - "der Fascinator ist absolut topmodisch", sagt Modeberaterin Grau.
Der Kopfschmuck stehe allerdings nur femininen Frauentypen. Als Weiterentwicklung des Fascinators sei in diesem Sommer auch der "Saucer" beliebt, sagt Voigtländer. "Das ist ein etwas größerer Fascinator, fast nur eine Scheibe, die von einem Haarreif gehalten wird - noch ein wenig dramatischer als der normale Fascinator." (dpa)
