Sternenhimmel im DezemberDie längste Vollmondnacht des Jahres steht bevor

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Welche astronomischen Besonderheiten erwarten wir in diesem Monat? Ein Blick in den Sternenhimmel:
Der Mond
Am 7. Dezember ist Neumond, was in der ersten Dezemberdekade auch in den früheren Abendstunden gute Beobachtungsmöglichkeiten des Sternenhimmels in Aussicht stellt.
Vollmond ist wieder am 22. Dezember, aber dieses Mal ein bemerkenswerter: Er beschert uns nämlich die längste Vollmondnacht des Jahres. In unserer Region geht der Mond kurz vor 16.30 Uhr auf und erst am fortgeschrittenen Morgen des Folgetags wieder unter. Mithin ist er mehr als 16 Stunden lang über dem Horizont zu sehen.
Die Sonne
Die dunkle Jahreszeit hat uns längst voll im Griff. Astronomisch bedingt beschert uns der Dezember die Zeit mit den wenigsten hellen Tagesstunden. Am Monatsanfang ist es tatsächlich nur noch etwa achteinhalb Stunden hell. Wenn auch noch dicke Wolken den Himmel verschleiern, hat man gar nicht den Eindruck, überhaupt bei Tageslicht unterwegs zu sein. Bis zum dunkelsten Tag des Jahres verringert sich die Tageslänge nur noch um knapp 20 Minuten, aber dann geht es ansatzweise wieder aufwärts: Zum Jahresende nimmt die Tageslänge wieder um rund 4 Minuten zu.

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Am 21. Dezember tritt die Sonne um 23.23 Uhr in das Tierkreiszeichen Steinbock ein. Damit beginnt astronomisch-kalendarisch der Winter. Sie kehrt jetzt vom tiefsten Punkt ihrer scheinbaren Jahresbahn über dem (südlichen) Wendekreis des Steinbocks wieder in Richtung Äquator zurück.
Die Planeten
Der sonnennahe Merkur ist fast immer schwer zu beobachten. In der ersten Monatshälfte (ab 6. Dezember) zeigt er sich vor Sonnenaufgang gegen 6.30 Uhr tief am Südosthimmel, verblasst aber schon in der nächsten halben Stunde in der zunehmenden Morgendämmerung. Die Venus erstrahlt dagegen in maximaler Brillanz und nimmt bis zum Jahresende nur wenig an Helligkeit ab. Der Mars ist nur in der ersten Nachthälfte zu sehen. Am 7. Dezember ereignet sich eine bemerkenswerte Begegnung mit dem sonst nicht leicht beobachtbaren bläulichen Neptun: Gegen 18 Uhr zieht der rote Planet in sehr geringem Abstand nördlich daran vorbei. Zu diesem Zeitpunkt lohnt sich der Einsatz eines guten Fernglases. Der Riesenplanet Jupiter ist nur am Morgenhimmel zu sehen, aber bemerkenswert: Am 21. und 22. Dezember wird er gegen 7 Uhr vom flinken Merkur überholt. Auch für dieses Ereignis ist ein Fernglas überaus ratsam.
Zwergplanet Pluto
Im Sternbild Zwillinge entdeckte der amerikanische Astronom Clyde Tombaugh im Februar 1930 in Arizona den sonnenfernen Pluto, der viele Jahrzehnte lang als neunter Planet galt.
Im August 2006 hat man ihn jedoch bei einem Kongress der Internationalen Astronomischen Union in Prag zum Zwergplaneten zurückgestuft. Der Merkspruch (Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten) für die Reihenfolge der Planeten mit wachsendem Sonnenabstand (Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun, Pluto) war damit hinfällig. Heute muss man ihn folgendermaßen zitieren: „Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere Nachbarplaneten“.
Die erste Monatshälfte (vom 6. bis zum 16. Dezember) beschert uns wiederum einen auffälligen Sternschnuppenschwarm. Die Objekte kommen aus dem Gebiet des Sternbildes Zwillinge und heißen deswegen Geminiden (Gemini ist der lateinische Name dieses Sternbildes). Das Maximum liegt in der Nacht vom 13. zum 14. Dezember. Stündlich werden dann etwa 120 Meteore über den – wegen des zunehmenden Mondes noch relativ dunklen – Himmel huschen. In der Nacht vom 21. auf den 22. Dezember ist gegen Mitternacht das Maximum der Ursiden-Meteore zu erwarten – mit einer Frequenz von etwa 10 Objekten je Stunde.
Kleine Himmelstour
Die typischen Herbststernbilder haben sich jetzt fast alle tief im Westen verabschiedet: Der helle Hauptstern Atair aus dem Sternbild Adler steht bereits unter dem Horizont, womit das Sommerdreieck praktisch aufgelöst ist. Dessen Mitglied Deneb ist in unseren Breiten zwar noch ganz tief im Westen zu sehen, aber die helle Wega aus der Leier eher nicht. Der übrige Südwest- und Südhimmel erscheint jetzt zur üblichen Beobachtungszeit (ca. 22 Uhr) gerade unter Großstadtbedingungen relativ sternenleer. Dafür funkelt der Ost- und Südosthimmel umso brillanter, denn hier sind unterdessen alle bedeutenden Mitglieder des eindrucksvollen Wintersechsecks aufgezogen: Fast im Zenit steht die Kapella als hellster Stern im Fuhrmann. Rechts darunter erscheint der orangerote Riesenstern Aldebaran im Stier. Rigel (als rechter Fußstern im grandiosen Sternbild Orion, dem wir uns in der Januar-Vorschau näher widmen), Sirius (hellster Stern im Großen Hund, ist gerade über den Horizont aufgestiegen), Prokyon (im Kleinen Hund) sowie Pollux in den Zwillingen (siehe unten) bilden die weiteren Eckpunkte des Wintersechsecks. Dieses weist ein wenig den Umriss einer seitlich leicht zusammen gequetschten Bienenwabe auf. Von allen erwähnten lichtstarken Sternen steht nur die helle Kapella im Fuhrmann ziemlich mittig im Lichtband der Milchstraße.
Das besondere Sternbild
Schon seit langem gehört das Sternbild Zwillinge zu den Tierkreiszeichen beziehungsweise Tierkreissternbildern, obwohl eigenartigerweise nur einige Mitglieder des Tierkreises (Zodiakus) tatsächlich Tiere darstellen. Bei Widder, Stier, Krebs, Löwe, Skorpion, Steinbock und Fische mag man ja noch ein Auge zudrücken, aber bei Zwillinge, Jungfrau, Waage, Schütze und Wassermann?
Das markante und leicht auffindbare Sternbild Zwillinge, ist am dunklen Himmel etwa halbhoch zwischen Horizont und Zenit angesiedelt . Der helle Hauptstern Pollux (links unten) gehört zum berühmten Wintersechseck. Er ist ein orangeroter Riese in 34 Lichtjahren Entfernung. Kastor ist dabei der oben rechts stehende Stern in etwa 53 Lichtjahren Entfernung – in optimal auflösenden Teleskopen erwies er sich übrigens als kompliziertes System aus sechs verschiedenen Sternen.
